Verfallene mehrstöckiges Gebäude stehen auf dem Areal der "Parkresidenz Lychen" zwischen Bäumen.  Foto: Soeren Stache/dpa

Sie haben im Herbstnebel noch immer etwas Geheimnisvolles oder Verwunschenes an sich, die villenähnlichen Gebäude inmitten einer großen Parkanlage am Ufer des Zenssees in Lychen (Uckermark). Mit rotem Efeu bewachsen, strahlen verwitterte Holzgiebel und -balkone sowie die verwaschene gelbe Fassade einen morbiden Charme aus, Zeugnis eines jahrelangen Verfalls seit 1993. Damals waren die russischen Streitkräfte abgezogen, die das riesige Gelände seit Ende des Zweiten Weltkrieges als Militärhospital genutzt hatten.

Die Geschichte der Heilanstalten Hohenlychen beginnt 1902, als Mediziner Gotthold Pannwitz, Chef des Volksheilstätten-Vereins des Deutschen Roten Kreuzes, eine Kindereinrichtung zur Bekämpfung der Tuberkulose begründete. In den folgenden Jahren kamen Kliniken und ein Sanatorium auch zur Behandlung von Erwachsenen hinzu. In den 1930er Jahren wurden Sport- und Arbeitsschäden neuer medizinischer Schwerpunkt. Die deutsche Nationalmannschaft soll sich vor und nach der Olympiade 1936 in Berlin in Hohenlychen aufgehalten haben. Später suchten Nazigrößen wie Rudolf Hess oder Heinrich Himmler hier Erholung. Wegen ihrer städtebaulichen, historischen und baukünstlerischen Bedeutung steht die Anlage auf der Brandenburger Denkmalliste.

Vergessene Immobilien werden neu erschlossen

Der Dresdner Bauingenieur Michael Neumann entdeckte das geschichtsträchtige Ensemble 2009, kaufte einen Teil davon, zwölf Hektar mit neun Gebäuden, vom Land Brandenburg. „Mein Vater hatte ein Faible für denkmalgeschützte, in Vergessenheit geratene Areale und sah Hohenlychen als neue Herausforderung“, erinnert sich Anne Neumann an ihren vor einem Jahr gestorbenen Vater. In Sachsen hatte er bereits so eine vergessene Immobilie neu erschlossen. Nun entwickelte er für das Heilanstalten-Areal ein neues Konzept für eine „Parkresidenz Lychen“: Frührentner oder rüstige Senioren sollten hier ein neues Zuhause finden. Die Ferienwohnungen könnten von der Verwandtschaft genutzt werden, so die Idee.

Anne Neumann, Koordinatorin des Projektes "Parkresidenz Lychen", steht auf einer Wiese vor halbverfallenen mehrstöckigen Gebäuden. 
Foto: Soeren Stache/dpa

Der Investor überzeugte Banken und begann mit der Sanierung. Das ehemalige Sanatorium beherbergt heute 44 barrierefreie Mietwohnungen, fast alle bereits bezogen. Aus dem Haus des früheren ärztlichen Direktors sowie dem ehemaligen Operationszentrum wurden zehn Ferienwohnungen plus ein Bistro. Das einstige Verwaltungsgebäude der Heilstätten ist jetzt Sitz der Parkresidenz-Verwaltung.

40 Prozent der Bausubstanz sind bereits saniert und in neuer Nutzung. Neumann führt das Projekt mit Stiefmutter und Halbschwester weiter. „Ich wollte das Erbe meines Vaters keinesfalls ausschlagen. Er hat das Ganze mit Leidenschaft betrieben und die sollte nicht umsonst gewesen sein“, erklärt die 31-Jährige, die zuvor in Berlin im Finanzwesen gearbeitet hat. Ungefähr sechs Millionen Euro seien bisher in die Sanierung geflossen, mindestens die gleich hohe Summe werde für die noch übrigen Gebäude benötigt, schätzt Neumann.

Hohenlychen geriet lange in Vergessenheit

Julia Lennemann vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege sagt: „Wie die Beelitzer Heilstätten, geriet auch Hohenlychen lange in Vergessenheit. Daher ist der Ausbau eine erfreuliche Entwicklung und findet in Abstimmung mit den Denkmalbehörden statt.“ Und die Geschäftsführerin der tmu Tourismus Marketing Uckermark GmbH, Anet Hoppe, erklärt: „Die Parkresidenz ist ein Zugewinn für Ort und Region.“ Die Kombination aus Miet- und Ferienwohnungen habe zur Folge, dass nicht nur Touristen, sondern auch Uckermärker davon profitierten. Wobei das nur bedingt der Fall ist, wie Neumann sagt. „Die meisten Mieter stammen von weiter her, aus dem Saarland oder München. Aus der Region selbst kommen nur wenige.“

Der frühere Lychner Bürgermeister Sven Klemckow (Die Linke), sagt, Mietpreise von 800 Euro für 80 Quadratmeter seien für Uckermärker Verhältnisse schon teuer. Er machte jahrelang gut besuchte Führungen über das geschichtsträchtige Gelände. „Mit der Akzeptanz für die eingezäunte Parkresidenz hat es bei den Lychnern etwas gedauert. Doch die meisten sind schon froh, dass die eigentlich schönen alten Gebäude nicht abgerissen wurden“, sagt er. Sieben weitere Ferienwohnungen inklusive einer Saunalandschaft sollen im nächsten Jahr in der alten Wäscherei der Anlage entstehen. Auch 15 weitere Mietquartiere sind geplant. Für drei Villen direkt am Seeufer will sich Neumann Partner suchen, die eine Kur- oder auch Pflegeeinrichtung daraus machen könnten.