Protest-Aktion im Ernst-Thälmann-Park: Anwohner wehren sich dagegen, dass die Grünanlage verkleinert wird. 

Foto: Markus Wächter / Berliner KURIER

Es ist kalt an diesem Sonnabend, aber immerhin scheint die Sonne. Volker Herold wickelt seit 13 Uhr emsig rot-weißes Flatterband um Bäume, Laternen und Büsche vor der Grundschule am Planetarium im Prenzlauer Berg. Er und seine etwa 15 Mitstreiter von der Anwohner-Initiative Thälmannpark haben außerdem etwa 6000 Flyer gedruckt, die sie an Spaziergänger verteilen.

Ihr Anliegen: Ihr Park darf nicht zerstört werden. Denn geht es nach dem Bezirk Pankow soll ein Teil der Grünfläche in Prenzlauer Berg dem Ausbau der Grundschule am Planetarium weichen, um die große Schulplatznot zu bekämpfen, von der dieser Stadtteil besonders betroffen ist.

Mit-Initiator Volker Herold (61)  bei der Protest-Aktion. Er sperrt mit Flatterband ein Teil des Parks ab. 

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Volker Herold kommt aus dem Reden gar nicht mehr raus. Der Schauspieler („Verliebt in Berlin“): „Das Interesse ist riesig und das freut mich. Immerhin geht es um eine der letzten Oasen mitten in der Stadt.“  Herold lebt seit 2004 im 17. Stock in einer der vier großen Hochhäuser im Ernst-Thälmann-Park. Insgesamt sind es etwa 2000 Anwohner. 

In der Grünanlage geht Herold täglich mit seinem Hund Henry Gassi – außerdem pflegt er seit 2007 den Teich im Park, der vom Bezirk längst zugeschüttet werden sollte. Seitdem halten ihn Herold und zwei weitere Ehrenamtliche in Stand – und sammeln Spenden für den Erhalt.

Der jüngste Beschluss des Bezirksamtes macht Herold und seine Mitaktivisten sauer. 6000 Quadratmeter (0,6 Hektar) sollen in dem 16 Hektar großen Park wegfallen – darunter auch der öffentliche Bolzplatz. Zahlreiche Bäume, Strauchwerk und Wiesen ebenso.

Der Schulcampus soll wachsen. Der Platz zwischen der Diesterwegstraße (hinter dem Mosaik-Spielplatz) bis vor die Fernwärmeleitungen soll eingezäunt und abgesperrt werden. Ebenso die Strecke auf der anderen Seite der Schule – vom Schuleingang Ella-Kay-Straße an der Sporthalle vorbei. Übrig bliebe noch ein kleiner Weg. 

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Herold: „Wir befürworten eine Erweiterung der Schule. Doch wir wehren uns dagegen, dass die öffentliche Grünfläche dafür zerstückelt wird.“ Er fügt hinzu: „Durch den Park spazieren stündlich bis zu 1500 Menschen, die es genießen, ein Stück Natur erleben zu können.“ Das müsste doch erhalten bleiben, so der Anwohner. Stattdessen fordert die Initiative, für den Schulausbau das alte Vivantes-Klinikgelände nebenan zu nutzen. 

Anwohnerin Elke Fellenberg geht gerne im Park spazieren: „Warum wird nicht einfach das Gebäude um eine Etage aufgestockt? Dann müssen keine Bäume und Wiesen plattgemacht werden.“  

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Der Ernst-Thälmann-Park war einst ein DDR-Vorzeigeprojekt und ist nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel in der Stadt. 1986 wurde er eröffnet - und galt als Modell für urbanes Wohnen. Mit allen seinen Merkmalen: Wohnen, Kultur, Wissenschaft, Sport, Bildung, Schule und Natur. Vormals befand sich auf dem Gelände eine städtische Gasanlage. Allein daher sei der Schulausbau des Bezirks in den Park hinein unsinnig, so Herold: „Bei einer tiefbaulichen Eröffnung des Bodenareals um die jetzige Sporthalle wird auf eine sehr hohe Bodenkontamination mit den verschiedensten Giftstoffen gestoßen werden. Es ist der Standort eines der drei Gasometer ohne entsorgtes Fundament.“

Die Anwohner und Spaziergänger, die am Sonnabend vorbeischlendern, wollen alles genau wissen.  Burkhard Huckestein (59) ist mit seinen Kindern Fridolin (5) und Ada (9) unterwegs. Er sagt: „In diesem Park ist das positive Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft, da ist noch Luft nach oben. Die raren Grünflächen sollen nicht noch weiter reduziert werden. Die Schule soll wachsen – aber nicht in den Park.“ Antje A. (48) kommt mit ihrem Sohn Willi vorbei. Der Junge ist zwölf Jahre alt, geht in die sechste Klasse der Grundschule am Planetarium. Die Mutter: „Mir fällt zu viel Grün durch den Ausbau weg.“

 Antje A. (48) mit Sohn Willi (12): „Mir fällt zu viel Grün durch den Ausbau weg.“ 

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Anwohnerin Elke Fellenberg (55) beklagt, dass im Zuge des Ausbaus auch Bäume gefällt werden. Sie sagt: „Niemand ist gegen einen Schulausbau. Aber warum wird nicht einfach das Gebäude um eine Etage aufgestockt? Dann müssen keine Bäume und Wiesen plattgemacht werden. “ 

Mit der Baumfällung sollte schon begonnen werden. Doch der Bezirk vertagte es. Es würden in dieser Fällperiode, die am 28. Februar endet, keine Rodungen durchgeführt, so Pankows Bau- und Grünflächenstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne), frühester Beginn sei der Herbst. Ein Grund für den Aufschub: Es bestehe „genereller Klärungsbedarf bezüglich Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen“ für die Grünfläche.

Für Herold und seine Mitstreiter bedeutet das eine kleine Verschnaufpause, aber mehr nicht. Als nächstes sei das Grundstück vorm Planetarium dran, ist er sicher – und sagt: „Der Thälmannpark wird Stück für Stück zerlegt. Es werden immer mehr Filets aus einem öffentlichen Park herausgeschnitten, und das auch noch von der öffentlichen Hand.“

Neben den Protestaktionen will die Initiative einen Einwohnerantrag in der Bezirksverordnetenversammlung einreichen, um „gegen diese wirklich unsinnige und kurzsichtige Aktion zu intervenieren“. Außerdem möchte Herold den Naturschutzbund mit ins Boot holen – einen Brief hat er an die Umweltorganisation bereits geschrieben.