Dunkle Wolken über Berlin. Immer mehr Wohnungen werden zu zwei verschiedenen Mieten angeboten. Foto: Imago

„Altbautraum in Friedrichshain“ steht über dem aktuellen Inserat für eine Vierzimmerwohnung mit 115 Quadratmetern. Die Kaltmiete: 1800 Euro. Hinzu kommen 270 Euro für die Nebenkosten, wodurch sich die Gesamtmiete für die Wohnung auf 2070 Euro monatlich erhöht. Mietendeckel?  Ach ja, den gibt es ja auch noch. Unter „Sonstiges“ findet sich der Hinweis, dass die „vorstehend angegebene Miete, diejenige Miete ist, die im Mietvertrag vereinbart werden wird.“ Wegen des Mietendeckels werde aber „bis auf weiteres nur eine Nettokaltmiete von 1015 Euro gefordert“. Für den Fall, dass der Mietendeckel vor Gericht gekippt werde, behalte sich der Vermieter die Nachforderung der Mietdifferenz vor.

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Solche Inserate finden sich zurzeit immer mehr in Berlin. Vermieter versuchen sich damit für den Fall abzusichern, dass das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel für unzulässig erklärt. Oder sie bauen für die Zeit vor, dass der Mietendeckel nach fünf Jahren ausläuft, um dann die höhere Miete zu kassieren. „Schattenmieten“ werden diese Mieten auch genannt.

„Dass immer mehr Verträge mit Schattenmieten geschlossen werden, entwickelt sich zu einem wachsenden Problem“, sagt Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV). Denn das Ausmaß unsicherer Mietverhältnisse nehme damit zu. „Die Mieter zahlen zwar eine niedrige Miete, müssen aber damit rechnen, am Ende sehr viel stärker zur Kasse gebeten zu werden“, so Wild. „Wir halten Schattenmieten für unzulässig, weil der Mietendeckel diese verbietet, doch leider gibt es noch keine Gerichtsurteile, auf die wir uns berufen können“, sagt Wild.

Die Deutsche Wohnen ist einer der Vermieter, die Schattenmieten vereinbaren. Sie verteidigt ihr Vorgehen. Das Unternehmen halte sich an „jegliche gesetzliche Vorgabe“ und „selbstverständlich auch den Mietendeckel“, erklärt ein Sprecher. Bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den Mietendeckel gelte es für alle Seiten, mit der „anhaltenden Unsicherheit verantwortungsvoll umzugehen“. Hierzu gehöre auch, „Regelungen für den Fall zu finden, dass sich der Mietendeckel als nicht verfassungskonform herausstellen sollte.“