Die neue Flüchtlingsunterkunft am Murtzaner Ring in Marzahn.
Foto:  Markus Waechter

Sechs Geschosse ragen die beiden Apartmenthäuser mit der hellgrauen Fassade in die Höhe. Die gläsernen Absturzsicherungen vor den Fenstern leuchten gelb, grün, blau und rot. Am Murtzaner Ring in Marzahn ist eine weitere Modulare Unterkunft für Flüchtlinge (MUF) fertig geworden – sie bietet Platz für 431 Menschen. Bevor die Bewohner einziehen, präsentierte das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) am Dienstag das neue Domizil.

„Willkommen bei Stephanus“, verheißt ein Transparent am Eingang – ein Gruß vom Betreiber der Unterkunft, der gemeinnützigen Stephanus-Stiftung. Der nun fertiggestellte Komplex sei der erste der zweiten Generation Modularer Unterkünfte für Flüchtlinge in Berlin, sagt LAF-Sprecher Sascha Langenbach. Fanden die Bewohner in den Unterkünften der ersten Generation noch Gemeinschaftsbäder und Gemeinschaftsküchen vor, gehören nun zu jeder Wohneinheit Bad und Küche. „Die Bewohnerinnen und Bewohner haben somit mehr Privatsphäre“, betont Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke).

Lesen Sie auch: Mega-Ferienpark an der Ostsee geplant >>

Bei Modularen Unterkünften für Flüchtlinge handelt es sich, anders als bei Siedlungen aus Wohncontainern, um feste Gebäude. Sie bestehen aus vorgefertigten Betonteilen, die auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden müssen. Keller und Balkone gibt es nicht.

Linoleum und Fußbodenheizung

Die Wohnungen sind mit Linoleum ausgelegt und haben eine Fußbodenheizung. Zur Ausstattung gehören eine Einbauküche mit Herd und Backofen, ein Kühlschrank, Holzstühle und Tische. Die Bäder sind gefliest und verfügen über Dusche und Toilette. Pro Person stehen ein Bett, ein Regal und ein Metallspind zur Verfügung. Die Wohnungen haben bis zu fünf Zimmer und bieten damit nun auch Platz für große Familien. Im Erdgeschoss zeigt LAF-Sprecher Langenbach eine barrierefreie Wohnung mit großem Bad. Dort könnte beispielsweise jemand mit einer Kriegsverletzung einziehen, sagt er.

Vor dem Haus gibt es einen Spielplatz, Sitzbänke und viele Fahrradständer. Was ebenfalls neu ist: Zur Unterkunft am Murtzaner Ring gehört eine öffentliche Kindertagesstätte mit 65 Plätzen, die sowohl dem Nachwuchs der Geflüchteten als auch den Kindern aus der Nachbarschaft offen steht. Die Bewohner der neuen Unterkunft sollen in den nächsten Tagen einziehen. Sie kommen zum großen Teil aus einem Containerdorf am Blumberger Damm, das danach geräumt wird. Wer die Kita betreiben soll, ist noch offen. Die Eröffnung ist für Anfang nächsten Jahres geplant.

Blick in eine Küche der neuen Unterkunft. Der Tisch ist schon gedeckt. Foto: Markus Waechter

Die neue Unterkunft für Geflüchtete wurde in 15 Monaten Bauzeit errichtet und kostete 27 Millionen Euro, so Sascha Langenbach. Die Planung stammt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Mit den Modularen Unterkünften für Flüchtlinge will der Senat schnell Wohnraum für Geflüchtete schaffen. Die Form der Unterbringung ist aufgrund vergleichsweise hoher Kosten aber umstritten. Außerdem gibt es generell häufig Widerstand aus der Nachbarschaft gegen die Flüchtlingsunterkünfte.

Sechs weitere Modulare Unterkünfte in Bau

Bei der neuen Generation von MUFs soll deswegen darauf geachtet werden, dass die Interessen der Nachbarschaft stärker berücksichtigt werden. „Eine Besonderheit der neuen MUF-2.0-Standorte ist es, die soziale Infrastruktur im Wohnviertel einzubeziehen“, sagt Integrations-Staatssekretär Daniel Tietze. „Dafür werden in den modularen Unterkünften der zweiten Generation genügend Räume zur Verfügung stehen – sie sind offen für alle im Kiez.“ So soll bei nächsten Projekten in Treptow-Köpenick ein Seniorentreff geschaffen werden und in Steglitz-Zehlendorf ein Kiezcafé entstehen. Bisher sind in Berlin 17 Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge mit 6572 Plätzen in Betrieb, so LAF-Sprecher Langenbach. Die neue Unterkunft im Murtzaner Ring ist Nummer 18.

Lesen Sie auch: TXL: Der alte Flughafen wird jetzt ein Stadtviertel >>

Zwei weitere Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge – an der Falkenberger Straße in Pankow und am Osteweg in Steglitz-Zehlendorf -  sollen voraussichtlich noch in diesem Jahr fertiggestellt werden und ihren Betrieb im ersten Quartal 2021 aufnehmen. Sechs weitere Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge sind im Bau und sollen 2021 oder 2022 eröffnet werden. Sie entstehen an der Brabanter Straße, an der Oranienburger Straße, an der Rauchstraße, der Salvador-Allende-Straße, am Töpchiner Weg und an der Zossener Straße. 22 weitere MUFs sind laut LAF darüber hinaus in der Planungsphase. Unterm Strich sind damit 48 Modulare Unterkünfte in Betrieb, im Bau oder in Planung.

Die jetzt fertiggestellten Häuser in Marzahn haben eine „Herstellergarantie von 80 Jahren“, schreibt Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) an die Anwohner. Falls die Häuser nicht mehr für die Unterbringung von Geflüchteten genutzt werden, könnten dort zum Beispiel Studenten wohnen. Zum Kennenlernen hat die Bürgermeisterin dann noch einen konkreten Vorschlag: Im Nachbarschaftszentrum Murinka am Murtzaner Ring 15 könnten sich alte und neue Nachbarn austauschen, schlägt sie vor.