Heizöl ist viel teurer geworden, für Mieter kann das einen späten Geld-Schock bedeuten dpa/Christian Charismas

Den Schock haben die Autofahrer schon hinter sich, jetzt erfasst der Preiserhöhungs-Wahnsinn die Mieter: Die ersten Vermieter melden sich und verlangen eine höhere Warmmiete mit dem Hinweis, dass Öl und Gas für Zentralheizungen so teuer geworden sind.

Verena (21), vor kurzem in ihre erste eigene kleine Wohnung eingezogen, bekam einen Brief, dass ihre Warmmiete vom 1. Mai an nicht mehr 370, sondern 546,15 Euro betragen wird. Mit ihrem Lohn als Berufsanfängerin auf einem Reiterhof ein schwerer Schlag ins Kontor.

Der Vermieter rechnete ihr vor, dass der Preis des Heizöls, der ihrer Betriebskosten-Vorauszahlung zugrunde liegt, von 76 Cent auf rund 2,80 Euro pro Liter gestiegen sei, das 3,7-Fache. Er müsse neues Öl kaufen, und folglich muss Verena statt 65 Euro 241, 15 Euro für Warmwasser und Heizung zahlen.

Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, sagte dem KURIER, dass Vermieter den Rechtsanspruch haben, die Abschlagszahlungen zu erhöhen.

Aufpassen, ob nicht zu viel mehr verlangt wird

Er rät den Mietern anhand der Preise von Gas und Öl zu prüfen, ob die geforderte Erhöhung auch angemessen ist. Gegebenenfalls könne man sich beim Mieterverein beraten lassen.

Briefe, wie Verena einen bekommen hat, hält Wild eigentlich für vernünftig. Es sei besser für den Mieter, monatlich mehr zu bezahlen, als mit der nächsten Betriebskostenabrechnung schlagartig Nachzahlungs-Forderungen von 1500 Euro und mehr gegenüber zu stehen: „Das wird für viele ein schwieriges Problem.“

Gleichzeitig sicherten sich die Vermieter jetzt Einnahmen, falls die Preise für Gas und Öl so hoch bleiben. Sollten sie wieder fallen, bekämen die Mieter mit der nächsten Betriebskostenabrechnung Geld zurück.

Mieterverein: Preiserhöhungen sind spekulative Schweinerei

Was die eigentlichen Energiepreise angeht, hat er für ihre mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine begründete Erhöhung kein Verständnis: „Es ist eine Schweinerei und eine Frechheit, was passiert. Es ist reine Spekulation, weil Gas und Öl ja weiter geliefert werden und gar nicht knapp sind.“

Er hofft daher, dass die von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) angemahnte kartellrechtliche Prüfung der Preisgestaltung durch die Energiekonzerne zu einem Erfolg führt.

Heizkosten-Katastrophe kommt 2023

Falls nicht, drohe die eigentliche Finanzkatastrophe vieler Mieter im kommenden Jahr, wenn sie die Betriebskostenabrechnung für 2022 erhalten.