Bausenator Andreas Geisel gestikuliert während des Interviews. dpa/Wolfgang Kumm

Viele schöne neue Wohnungen: Es waren große Ziele, die sich die rot-grün-rote Koalition da gesetzt hatte. Doch jetzt hat der zuständige Senator die Hoffnung auf Umsetzung der Ziele getrübt: Wann Berlin erstmals wieder die Marke von 20.000 neugebauten Wohnungen erreicht, ist nach Auffassung von Bausenator Andreas Geisel (SPD)  offen.

Der Senat halte zwar an dem im Koalitionsvertrag festgelegten Ziel fest, binnen zehn Jahren auf 200.000 neue Wohnungen zu kommen, und das, obwohl die Baupreise sehr schnell steigen.

Bausenator: Berlin hat genug Platz für den Bau von Wohnungen

„Wir haben für die 200.000 Wohnungen den Bedarf in Berlin und die freien Flächenpotenziale. Jetzt ist die Frage, wie wir da zeitlich hinkommen“, sagte Geisel der dpa. „Linear geht es bestimmt nicht, also immer 20.000 pro Jahr, schon deshalb, weil die Instrumente, die wir jetzt neu einführen, erst später ihre Wirkung entfalten.“

Das gelte zum Beispiel für die Arbeit der Senatskommission Wohnungsbau, die Bauprojekte durch ressortübergreifende Absprachen beschleunigen soll. „Wir hatten von 2011 bis 2016 einen deutlichen Anstieg beim Wohnungsbau, dann ging es zunächst auf dem Niveau erstmal weiter und fiel dann deutlich ab“, sagte  Geisel im Rückblick auf die Wahlperiode, in der die SPD zuletzt mit der CDU regierte.

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Gegenwärtig sei die Lage so unstet, als dass er seriös sagen könne, wann 20.000 Wohnungen pro Jahr erreicht würden.

20.000 Wohnungen pro Jahr, das hat Berlin in den 90ern mehrmals geschafft

Die Baubranche kämpfe mit unkalkulierbaren Preissteigerungen, Materialknappheit und teilweise auch mit Personalmangel. Geisel: „Man muss aber irgendwann an dem Punkt kommen, wo die Zahl der Wohnungen über 20.000 im Jahr liegt, das ist auch kein Hexenwerk. Das haben wir in den 90er Jahren mehrere Jahre hintereinander geschafft.“

2021 wurden laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg allerdings nur 15.870 Wohnungen fertig. Und auch die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen geht zurück: In den ersten drei Monaten 2022 auf 2900, fast ein Drittel weniger als im gleichen Zeitraum im Jahr davor.

Aus Geisels Sicht gibt es zu mehr Neubau aber keine Alternative. „Ich bin überzeugt, dass die 200.000 Wohnungen gebraucht werden. Die Frage, ob man sich künftig mit durchschnittlichem Einkommen noch eine Wohnung in Berlin leisten kann, wird heute beantwortet.“

In zehn Jahren sei es zu spät. „Wir können an der Entwicklung in Frankfurt, München, Paris oder London genau sehen, wo der Weg hingeht.“

Neue Wohnungen müssen bezahlbar bleiben, sagt der Bausenator

Das sei in Berlin noch anders, sagte Geisel. „Wenn wir diese Berliner Mischung halten wollen, müssen wir Mieterinnen und Mieter vor Verdrängung schützen, die Stadt sozial zusammenhalten und bezahlbaren Wohnraum schaffen.“

Zusätzlich Handlungsbedarf sieht Geisel durch die Entwicklung nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. „Wir haben etwa 100.000 Ukrainerinnen und Ukrainer zusätzlich in der Stadt, 55.000 davon haben bisher einen Antrag auf dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung gestellt“, sagte er.

Derzeit lebten sie in Notunterkünften. „Es ist klar, dass wir sie irgendwann in normalen Wohnverhältnissen unterbringen müssen. Das heißt, dass wir Wohnraum schaffen müssen, nicht nur für die ukrainischen Flüchtlinge.“