Ehe ein Kind seinen Rucksack in einer Kita aufhängen kann, durchlaufen Eltern einen Such-Marathon nach einem Platz.
Ehe ein Kind seinen Rucksack in einer Kita aufhängen kann, durchlaufen Eltern einen Such-Marathon nach einem Platz. dpa/Monika Skolimowska

„Die Digitalisierung ist die Rettung!“ Haben Sie auch schon mal gehört? Eltern in Berlin, die nach einem freien Platz in der Kinderkrippe oder dem Kindergarten suchen, dürften da so ihre Zweifel haben:  Der sogenannte Kita-Navigator der Senatsbildungsverwaltung soll die Suche nach einem Kitaplatz erleichtern, hinkt der Realität häufig jedoch hinterher. Findet man auf diesem Online-Portal einen vermeintlich freien Platz, wird man beim Anruf in der jeweiligen Einrichtung enttäuscht. Er ist weg.

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Eltern bekämen dann immer wieder die Antwort, dass Plätze schon seit Wochen vergeben seien, sagt Anja Kettgen-Hahn vom Landeselternausschuss Kindertagesstätten Berlin (LEAK).

Die Bildungsverwaltung spricht hingegen von einer „tagaktuellen und zuverlässigen Quelle“ für die Anzeige von Angeboten und freien Kita-Plätzen.

Kita-Navigator ist gut – eigentlich

„Der Navigator ist ein guter Ansatzpunkt für einen Überblick, welche Kitas es gibt und der LEAK unterstützt das grundsätzlich“, so Kettgen-Hahn. Aber: „Die Suche muss nach wie vor sehr früh begonnen werden, oft spätestens im Wochenbett.“ Das hört sich an, dass man am besten schon damit anfängt, wenn man sich aus dem Bett erhoben hat ... 

Wenig hilfreich war der Navigator beispielsweise für Fauziye Nasreddine (33), Mutter zweier Kinder. „Ich habe zehn Kitas über den Navigator angeschrieben und leider keine Antwort von einer der Kitas bekommen“,  berichtet die Wilmersdorferin. Einige ihrer Anfragen nach einem Platz für ihren Sohn (1) seien ohne Angabe von Gründen gelöscht worden. Sie habe nur automatisch erstellte Textbausteine in ihrem Postfach vorgefunden und die Suche auf diesem Wege aufgegeben, da die Zahl der möglichen Anfragen ohnehin auf zehn beschränkt sei.

Fauziye Nasreddine setzt mittlerweile auf direkte Mails und Anrufe. „Ich habe mehrere Kitas in meiner Nachbarschaft kontaktiert und stehe auf drei Wartelisten.“ Sie stehe allerdings nicht so unter Zeitdruck wie andere Eltern. „Weil ich weiß, welch eine Tortur die Kitasuche sein kann, habe ich mir vorsorglich zwei Jahre Elternzeit genommen. Es gibt einfach zu wenig Kitaplätze.“ Für ihren größeren Sohn  (5) hatte sie nach langer Suche einen Kitaplatz in Neukölln gefunden – eine Stunde entfernt von Zuhause.

Manchmal muss man bei über 20 Kitas nach einem Platz fragen

„Es müssen stets sehr viele Kitas angeschrieben werden - zehn bis 20, manchmal mehr“, sagt Anja Kettgen-Hahn. Meistens klappe es nach dieser nervenaufreibenden Phase jedoch, einen Platz im näheren Umfeld zu bekommen, wenn auch nicht unbedingt in der Wunsch-Kita. Ein weiteres Problem sei, dass Kitas oftmals die Anfragen von Eltern nicht beantworten. Eine Kitaleitung habe zum Beispiel berichtet, dass dafür nicht genügend Personal da sei. „Die Begleitumstände mindern daher die Effektivität des eigentlich praktischen Tools Kita-Navigator erheblich“, beklagt Kettgen-Hahn.

Eine Neuköllner Kitaleiterin berichtet, für ihre Kita würden freie Plätze angezeigt, obwohl keine vorhanden seien. Sie setze bei der Auswahl der Kinder nach wie vor auf Vorgespräche mit den Eltern und die Kontaktdaten in ihrem Karteikasten.

2800 Einrichtungen sind an den Kita-Navigator angeschlossen

Der Navigator, welche der rund 2800 gelisteten Kitas freie Plätze haben. Außerdem können Eltern sich über pädagogische Konzepte, Anzahl der Plätze und Adressen einen Überblick verschaffen und einen Kitagutscheine beantragen. Der Navigator ist jedoch keine zentrale Platzvergabe. Die Entscheidung, ob ein Kind in einer Kita aufgenommen wird, treffe weiterhin die Kitas selbst.

Unabhängig von der Möglichkeit einer Anfrage über den Navigator bestünden nach wie vor die Möglichkeiten zur telefonischen und/oder persönlichen Kontaktaufnahme mit den favorisierten Einrichtungen, erklärt Martin Klesmann, Sprecher der Bildungsverwaltung.

In Berlin fehlen trotz des massiven Kita-Ausbaus laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung 2023 in Berlin rund 17.000 Kita-Plätze. Um den Betreuungsbedarf zu decken, müssten weitere 3800 Fachkräfte eingestellt werden. Doch fehlende Plätze sind nicht das einzige Problem. Laut Studie werden 77 Prozent der Kita-Kinder in Berlin in Gruppen betreut, für die nicht genug Personal vorhanden ist. Bundesweit liegt der Wert bei 68 Prozent.