Alte Nussknacker im Fenster - für viele funktioniert das Weihnachtsfest nicht ohne Holz-Deko, im besten Fall alt und aus der DDR. imago/Sven Eliger

Der erste Advent steht vor der Tür - und damit auch die Zeit der Weihnachtsdeko. Wer die Wohnung noch nicht für den Advent geschmückt hat, wird es spätestens dieses Wochenende tun. Aber: Dazu, wie die eigenen vier Wände am Ende aussehen sollen, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die einen lieben blinkende Lichter, die anderen stehen auf Räuchermännchen und Schwibbögen aus der DDR. Zwei KURIER-Autoren erklären, wie ihnen die Deko am liebsten ist. 

Räuchermännchen und Nussknacker: DARUM liebe ich Deko aus der DDR

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich momentan aus dem Fenster schaue, durchströmen mich gemischte Gefühle. Die Nachbarn bauen die Weihnachtsdeko auf – nur Besinnlichkeit will bei mir nicht aufkommen. Denn in Berlin sehe ich besonders häufig: Lichterketten, Glitzer-Sterne, knallbunte Birnchen, die manchmal sogar blinken. Jedes Mal denke ich: Sind wir hier in Las Vegas? Soll es Weihnachtsdeko sein – oder Werbung für einen Puff oder ein Casino?

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Ich komme aus Sachsen, aus einem kleinen Dorf am Ende der Welt, knapp 100 Einwohner. Der Osten, die Nähe zum Erzgebirge, all das prägte meine Weihnachts-Sozialisierung. Bei uns zählt in der Adventszeit vor allem die „Gemietlichkeet“: Räuchermännchen, Schwibbögen, Pyramiden, Nussknacker, Engel und Bergmänner machen für mich die schönste Zeit des Jahres aus. Fünf Umzugskartons habe ich voll – und wenn Sie wissen wollen, wie man eine Neubauwohnung in zehn Stunden in ein erzgebirgisches Spielzeugland verwandelt: fragen sie mich.

Ich liebe JEDES Räuchermännchen, jeden Kerzenständer, jeden Nussknacker, jedes Teil, das ich im Laufe der Jahre sammelte. Teilweise sind sie uralt, geerbt von Oma, manche handgemacht in tiefstenn DDR-Zeiten. Hier und da blättert die Farbe auch schon etwas ab, aber sie werden gehütet wie ein Schatz. Auch das macht für mich Weihnachten aus: das Besinnen auf alte Werte, das Festhalten an Traditionen und Ritualen. Und neue Deko? Kommt für mich nicht infrage. Im Gegenteil: Wenn ich das Gefühl habe, ein neues Räuchermännchen soll her, dann zieht es mich in den nächsten Antik-Laden – und mit etwas Glück gibt’s ein neues, altes „Raachermannl“ aus der DDR. F. Thalmann

Während die einen auf erzgebirgische Volkskunst setzen, lieben andere eher die Las-Vegas-Variante. dpa

Gegen Holzspielzeug, für mehr Lichter: Weihnachten ist eine Party!

Es ist wieder so weit! Wenn ich aus dem Fenster schaue, haben schon wieder zahlreiche Nachbarn ihre Weihnachtsdeko rausgeholt und bringen sie Stück für Stück in ihren Wohnungen an – und auch ich hole den dauerhaft verstaubten Karton aus dem Keller. Was drin ist? Natürlich ordentlich Glitzer, Lametta und funkelnde Sterne. Ein Scherz glauben Sie? Weit gefehlt! Denn Glitzer und Licht gehören zur Weihnachtszeit eben dazu. Schließlich ist der Winter ja auch ohnehin schon dunkel genug.

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Die Weihnachtszeit mit all ihren Lichtern und Reflektionen bietet da in der dunkelsten Jahreszeit eine ordentliche Portion Trost und sorgt für ein wohliges Gefühl. Trost, den Holz niemals spenden kann. Ich will hier weder Kunsthandwerk schlechtmachen, noch kerzenbetriebene Holzpyramiden oder elektrische Schwibbögen unterschlagen. Das ist beeindruckend und sicher besinnlich. Gute Laune macht es aber nicht.

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Und dann gibt es ja auch noch Holz-Deko, die überhaupt nicht leuchtet. Räuchermännchen, die im besten Fall nicht nach Rauch stinken und Nussknacker in teilweise irrsinnigen Größen, über die man im schlimmsten Fall im viel zu dunklen, nur mit einem Schwibbogen beleuchteten Raum stolpert und sich vor dem Fest noch den Arm verstaucht. Weihnachten kann eine Party sein – laut Bibel Jesus Christus‘ Geburtstagsparty. Und auf der darf es ruhig festlich leuchten und glitzern. D. Möller