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Der 1. FC Union Berlin muss gegen die Eintracht ohne Robin Knoche auskommen. Das macht sich bei der 0:2-Niederlage bemerkbar.

Frankfurts Lindström lässt bei seinem Treffer zum 2:0 Jaeckel und Baumgartl ins Leere rutschen.
Frankfurts Lindström lässt bei seinem Treffer zum 2:0 Jaeckel und Baumgartl ins Leere rutschen. dpa/Dedert

Man werde in den kommenden Wochen, wenn es bis zum Start der WM in Katar für das Team des 1. FC Union Berlin in Liga, Pokal und Europa League zum Dauerstress kommt, bestimmt „leiden müssen“, hatte Coach Urs Fischer am Donnerstag gesagt. Aber auch sogleich bemerkt, dass das halt auch mit dazugehöre. Man müsse halt geschickt rotieren, mit den Kräften haushalten, ganz einfach. So kennt man den 56-Jährigen: jammern ist ihm fremd.

Nun ist seine Mannschaft allerdings mit der ersten Saison-Niederlage in diese „Leidenszeit“ gestartet, mit einem 0:2 in Frankfurt. Das als verdient bezeichnet muss, weil es a) der Eintracht gelang, noch einen Tick aggressiver zu Werke zu gehen als die Köpenicker. Und weil b) die Eintracht ein paar herausragende Fußballer in ihren Reihen hat. Fußballer, die mit einer Einzelaktion den Lauf der Dinge erheblich beeinflussen können. Immerhin: Da die Dortmunder in Köln als Verlierer vom Platz gingen, bleibt der 1. FC Union Tabellenführer der Bundesliga.

Fischer hatte sich in der Vorbereitung auf das Duell mit dem Champions-League-Teilnehmer zu einer Neuaufstellung seiner Dreier-Abwehrkette gezwungen gesehen. Robin Knoche, der Abwehrchef, saß nämlich wegen „privater Umstände“ nur auf der Bank, wie der Schweizer Fußballlehrer vor dem Anpfiff erklärte, um damit aber letztendlich im Rätselhaftem zu bleiben. Für Knoche spielte Timo Baumgartl im Zentrum, Paul Jaeckel wiederum rutschte als rechter Abwehrmann in die Startelf. So wie Morten Thorsby, der den in der Länderspielpause als ungarischer Nationalspieler geforderten Andras Schäfer ersetzte.

Kolo Muani düpiert die Unioner

Zunächst erweckten die Eisernen vor 50.500 Zuschauern, darunter auch 2400 Union-Fans, den Eindruck, dass Knoches und Schäfers Absenz womöglich gar nicht ins Gewicht fallen wird. Sie waren von Beginn an hellwach, gingen aus den ersten Zweikämpfen als Sieger hervor, kamen durch Jordan Siebatcheu in der elften Minute auch zur ersten Torchance der Partie, sein Kopfball geriet zu unplatziert. Unmittelbar nach dieser Torchance kam auf der Gegenseite allerdings Randal Kolo Muani an den Ball.

Der Franzose, der aus gutem Grund, wie sich an diesem Nachmittag zeigen sollte, zum erweiterten Kreis der Èquipe Tricolore zählt, überspielte zunächst Baumgartl, der sich fatalerweise vom Zentrum auf den linken Flügel hatte locken lassen. Kolo Muani zog auch an Diogo Leite vorbei, nahm im Strafraum schnell noch mal den Kopf hoch, um schließlich auf Mario Götze zu passen. Götze schloss gekonnt ab, mit der Ruhe eines Weltmeisters. Mit der Ruhe eines Spielers, den nichts mehr aus der Ruhe bringen kann.

Schwerer Schnitzer von Jaeckel

Die Unioner versuchten sich sogleich an einer Antwort, durften bei einem gekonnt geblockten Torschuss von Siebatcheu und einem von Kevin Trapp parierten Fernschuss von Janik Haberer kurz auf den prompten Ausgleich hoffen, doch die Frankfurter hatten Kolo Muani, Götze und Jesper Lindström, drei Offensivspieler mit den oben bereits erwähnten Qualitäten.

Muani bediente nach beeindruckenden Sololäufen zweimal Luca Pellegrini, der beim ersten Versuch aus 16 Metern (22.) nur das Fangnetz, beim zweiten Versuch aus ähnlicher Distanz (36.) immerhin schon mal die Querlatte traf. Götze fädelte die Gegenangriffe ein, brachte mit seinen Pässen auch immer wieder Lindström ins Spiel.

Beim 0:2 aus Sicht der Unioner profitierte der Däne allerdings von einem groben Schnitzer von Jaeckel, der in der 41. Minute fahrlässig ins Dribbling ging, den Ball an Lindström verlor und einen Augenblick später nach einem Lindström-Wackler ins Nichts grätschte. Auch Baumgartl wollte mit einer Grätsche den zweiten Gegentreffer verhindern, rutschte ebenfalls ins Leere. Lindström vollendete aus Nahdistanz, Keeper Frederik Rönnow war machtlos.

Kolo Muani sieht die Gelb-Rote Karte

Bevor Fischer in Hälfte zwei mit Einwechslungen zum offensiven Coaching überging, beispielsweise Schäfer für Thorsby brachte, hatte sich nach einem feinen Lupfer von Sheraldo Becker in der 55. Minute für Haberer plötzlich die Chance zum Anschlusstreffer eröffnet. Doch Haberer scheiterte an Trapp, Niko Gießelmann beim Nachschuss schließlich an der Tatsache, dass seiner rechter Fuß nicht so zuverlässig funktioniert wie sein linker. Sein misslungener Abschluss passte irgendwie ins Bild einer willigen, aber tagesformschwachen Elf.

Schließlich schickte der Cheftrainer der Eisernen auch noch die Offensivakteure Paul Seguin und Sven Michel, später auch noch Kevin Behrens und Tim Skarke aufs Feld. Zu einem Comeback war seine Mannschaft an diesem Nachmittag aber auch mit den frischen Kräften nicht mehr fähig. Ja, noch nicht einmal die Überzahlsituation, die sich aus der Gelb-Roten Karte gegen Kolo Muani in der 70. Minute ergab, konnte sie zu ihrem Vorteil nutzen. Das Powerplay blieb ohne durchschlagende Wirkung, auch weil Trapp in der Schlussphase bei zwei Schüssen des auffällig agierenden Skarke starke Paraden zeigte.