Geschenke auspacken, bereitet Freude, aber was, wenn das Geschenk die Erwartungen enttäuscht? dpa/Bernd Wüstneck

Es ist ein Tabu, über das nur selten offen gesprochen wird: Viele Geschenke, die zum Weihnachtsfest unter dem Baum liegen, lösen bei Beschenkten keine Freude aus. Einer Umfrage des Umfrage-Instituts Allensbach zufolge geben 87 Prozent aller Deutschen offen zu, dass sie mehr Spaß am Schenken als am Beschenktwerden haben.

Ganz egal, ob die Krawatte für Papa aus Verlegenheit gekauft wurde oder ob das Buch-Geschenk für Mama gut gemeint war: Viele Gaben werden nach dem Fest unbenutzt in Schubladen oder Kisten verschwinden, schlimmstenfalls sogar entsorgt. Wie ärgerlich sowohl für die Beschenkten als auch für diejenigen, die sich die Mühe machten, Geschenke einzukaufen und einzupacken.

Wenn das Geschenk überhaupt nicht meinen Geschmack trifft

Hätte man doch besser zugehört, was den Beschenkten im Haushalt fehlt, was sie schon immer mal haben wollten. Oder wenn sie vermeintlich schon alles haben, vielleicht hätte man stattdessen in deren Namen an die Kältenothilfe oder Ärzte ohne Grenzen gespendet.

Dafür ist es jetzt aber zu spät, die Geschenke sind Heiligabend bereits verteilt, werden jetzt ausgepackt. Und nun stellt sich die Frage: Was mache ich mit ungewollten Geschenken? Zunächst aber: Wie verhalte ich mich gegenüber Oma oder meinem Partner, wenn das Geschenk überhaupt nicht meinen Geschmack trifft?

Drei Optionen stehen zur Auswahl, und keine davon klingt wirklich toll

1. Gute Miene zum bösen Spiel machen? Bei kleineren Geschenken wie Handschuhen, einem Schal oder einer Geldbörse haben manche Menschen schon eine Routine entwickelt, Freude zu heucheln. Kleidung kann man spenden und vielleicht jemand anderem damit eine Freude bereiten. Die kleine Lüge hat den Vorteil, dass zunächst der Frieden gewahrt bleibt. Wir wollen doch keine erhitzten Diskussionen unterm Weihnachtsbaum vom Zaun brechen? Aber: Wenn der oder die Schenkende in dem Glauben bleibt, das Geschenk hätte Begeisterung ausgelöst, kommt es beim nächsten Mal vielleicht noch schlimmer. Noch eine hässliche Krawatte, peinliche Socken, ein uninteressantes Buch. Schon aus diesem Grund ist davon eher abzuraten.

2. Das Geschenk regungslos zur Kenntnis nehmen. Dabei handelt es sich um die deutlich abgeschwächte Version der geheuchelten Freude. Der Vorteil ist, dass man nicht lügt. Auch hier besteht allerdings die Gefahr, dass Oma ungewollt zur Wiederholungstäterin wird: Beim nächsten Mal droht ein noch hässlicherer Schal! Auch hier gilt: Kleinigkeiten ohne größeren Wert kann man spenden. Doch vor dem nächsten Fest sollte man das Gespräch suchen und klarstellen, über welches Geschenk man sich freut oder über welches nicht. 

3. Das Geschenk zurückweisen. Das erfordert Mut zum Konflikt, ist aber unter Umständen unvermeidlich. Was ist, wenn ungefragt lebendige Fische oder eine Katze verschenkt werden, der oder die Beschenkte aber keinen Bezug zu Haustieren hat? Auch zu einer solchen Situation hätte es besser nie kommen sollen. Aber ist es nun so weit, es muss eine Lösung her: Hat vielleicht sonst jemand ein Herz für Tiere oder muss der Stubentiger ins Tierheim? Wenn die Zurückweisung unvermeidlich ist, sollte man sich trotzdem bemühen, ruhig, sachlich und freundlich zu bleiben. Denn vielleicht war alles ein Missverständnis und jemand anders im Familienkreis freut sich riesig über das unverhoffte Geschenk.

Wohin mit unerwünschten Geschenken?

Diese Frage stellt sich dann, wenn die ungewollte Gabe nicht gleich abgelehnt wurde. Es kann ja auch sein, dass einem Heiligabend noch nicht so klar ist, dass man die geschenkte Bluse am ersten Weihnachtsfeiertag nicht mehr so hübsch findet. Eine Nacht darüber geschlafen und die Entscheidung steht: Das Geschenk muss weg. 

Tauschbörsen

Vom Berliner Stadtreinigungs-Unternehmen BSR bis zu Ebay-Kleinanzeigen finden sich allerlei Angebote, wo ungewollte Geschenke zum Tausch angeboten werden. So kommen unglücklich Beschenkte vielleicht doch noch zu einem gemeinsamen Happy End. 

Spenden

Über neue und neuwertige Kleidung, nützliche und schöne Gegenstände freuen sich gemeinnützige Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt (Awo), regionale Hilfsorganisationen, Sozialkaufhäuser und die Kleiderkammern von Hilfsorganisationen wie die Caritas oder das Rote Kreuz. Die Seite wohindamit.org listet Dutzende Annahmestellen in Berlin und deutschlandweit auf. Am besten vorher telefonisch oder per Mail abklären, ob es tatsächlich Bedarf für die Spenden gibt.

Im Freundeskreis fragen

Ein kleiner Post bei Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk der Wahl – und vielleicht meldet sich rasch jemand, der oder die sich über das ungewollte Geschenk freut.

Umtauschen oder verkaufen

Bevor man das geschenkte Smartphone auf Ebay einstellt, sollte man doch besser fragen, ob das dem Schenkenden etwas ausmacht. Denn wie groß wäre der vermeidbare Ärger, wenn die andere Person das Geschenk selbst auf Ebay entdeckt. Vielleicht wäre die bessere Option, das Gerät mit dem Kassenzettel einzutauschen und das Gerät in einer anderen Farbe oder doch etwas ganz anderes zu kaufen. Beim nächsten Mal ist ein Gutschein ohnehin die bessere Wahl.