Volle Züge bei der U8 auf dem Bahnhof Alexanderplatz. Weil Zugführer sich krank gemeldet haben, fallen Bahnen bei BVG und S-Bahn aus. Sabine Gudath

Am Sonntag auf dem Weg zum Impfzentrum am Flughafen Tegel: Die S-Bahn am Bahnhof Prenzlauer Allee kommt nicht. Stattdessen wird über Lautsprecher angesagt, dass Fahrten ausfallen, weil Zugführer krank sind. Kein Einzelfall, nicht nur die S-Bahn hat den Fahrplan ausgedünnt, weil der Krankenstand gestiegen ist. Das gleiche Bild bei BVG und DB Regio. Ist die neue 3G-Regel schuld?

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Seit der Einführung von 3G am Arbeitsplatz hat anscheinend die Zahl der Krankmeldungen zugenommen. „Viele Ungeimpfte haben keinen Bock aufs Testen und bleiben ganz weg, melden sich also krank“, sagte ein Brancheninsider in der „Berliner Zeitung“. Die BVG sieht allerdings andere Gründe:  „Wir sehen bereits seit den letzten Wochen einen Anstieg der Krankenstände im Unternehmen. Das ist für die Jahreszeit typisch – grippale Infekte, Kinder sind krank und so weiter“, erklärte BVG-Sprecher Jannes Schwentu. Die Corona-Maßnahme 3G erwähnt er nicht.

Wegen erhöhter Krankmeldungen: Diese Linien stellt die S-Bahn ein

 Jeremy Arndt von der Gewerkschaft Verdi sieht das aber anders: Er sagte, dass die BVG mit demselben Problem wie die S-Bahn kämpft. Auch bei ihr sei die Zahl der Krankmeldungen gestiegen, seitdem 3G am Arbeitsplatz gilt. Die Folge sei, dass Fahrten „in Größenordnungen“ ausfallen. Ein Beispiel führt er den BVG-Omnibusbetriebshof Britz an, der für M11, M41, M46 und X7 zuständig ist.

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Erst in der letzten Woche hatte die S-Bahn angekündigt, das Angebot vorübergehend zu reduzieren. Grund: ein erhöhter Krankenstand unter den Lokführern. Die Taktverstärker innerhalb der Woche zu den Hauptverkehrszeiten auf den Linien S1, S3 und S5 wurden gestrichen. An den nächsten Wochenenden entfallen die S26, S45 und S85 komplett. Nur von Montag bis Freitag fahren die Züge auf diesen Linien nach Plan.

Arbeitnehmer haben sich wegen 3G krankschreiben lassen – mit Konsequenzen

Seit dem 24. November gilt auch für Mitarbeiter von BVG und S-Bahn: Arbeitgeber dürfen Beschäftigten nur noch dann Zugang zu Betrieben gewähren, wenn diese geimpft, genesen oder getestet sind.

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„Die Stimmung ist im Keller“, berichtete in der „Berliner Zeitung“ jemand, der die ostdeutsche Verkehrsbranche gut kennt. Es gab Mitarbeiter, die vor Zeugen sagten, dass sie sich wegen 3G krank melden. Daraufhin seien „arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen“ worden. „Arbeitnehmern, die keinen Impfnachweis vorweisen und sich gleich danach sechs Wochen lang krank melden, steigen wir schon mal aufs Dach“, fügte ein Mitarbeiter eines Berliner Verkehrsunternehmens hinzu.