Das S-Bahn-Signet, wie es von 1936 an verwendet wurde, und sein Erfinder, der Grafiker Fritz Rosen. Fotos: imago images/Robert Harding, Sammlung Berliner S-Bahn-Museum

Was bedeutet das „S“ in S-Bahn, und wer hat es erfunden? Diese Fragen sind jetzt geklärt. Der Berliner Historiker Mathias Hiller (51) hat es in mühseliger Aktensuche herausgefunden. 

Heiligabend 1930 wurde im amtlichen Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft verkündet, was am 13. November bereits verfügt worden war: Dass die Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen künftig handlich „S-Bahn“ heißen würden. Ein weißes „S“ auf grünem Grund solle auf ihre Stationen hinweisen. 

Geschaffen hatte es der Grafiker Fritz Rosen, der für das Berliner Büro des bis heute berühmten Grafikdesigners Lucian Bernhard arbeitete und es von 1925 an, als Bernhard in die USA ging, als Atelier Bernhard-Rosen führte.  

Auch dieses berühmte Plakat der Berlinwerbung aus dem Jahr 1926 stammt von Fritz Rosen. Foto: DHM

„800 Mark bekam Rosen für seine Arbeit – je 200 für zwei Entwürfe und 400 Mark für die Reinzeichnung und die Überlassung der Nutzungsrechte“, erklärt Hiller. Von März bis Juli 1930 hatte Rosen das Logo im Auftrag der Berliner Reichsbahndirektion entworfen.

Die Bekanntmachung über den Namen S-Bahn und ihr Logo. Foto:  DB

Hiller stieg im Verein mit dem Lokführer Robert Meincke und Udo Dittfurth, dem Direktor des Berliner S-Bahn-Museums, tief in die Akten und schwer zu lesenden handschriftlichen Vermerke ein, die sich im Landes- und im Bundesarchiv fanden. 

Schließlich war die Detektivarbeit abgeschlossen – nur eines fehlte: ein Foto von Fritz Rosen. Hiller: „In der Nacht vom 22. zum 23. Dezember vergangenen Jahres, so gegen 3 Uhr, wurde ich fündig, fand ein Bild in einer Grafikzeitschrift von 1925, die digitalisiert worden war.“ Das Foto zeigt einen schlanken Herrn mit Brille und in hellem Dreiteiler. 

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Die Aktenwühlerei brachte auch zutage, wie man seinerzeit auf die Abkürzung S-Bahn gekommen war. In den Jahren 1929 und 1930 wurde die heutige S-Bahn kurzzeitig „Schnellbahn“ genannt und „SS“ abgekürzt. Hiller: „Letztlich hatte die Hauptverwaltung  schlicht etwas gegen die Bezeichnung Schnellbahn, die mit der U-Bahn in Verbindung gebracht wurde.“ Sie wollte auch keinen einzelnen Buchstaben. „Aber ein leitender Mitarbeiter der Reichsbahndirektion schaffte es, den Gedanken an den beim Publikum gängigen Begriff der Stadtbahn in die Hirne seiner Chefs zu pflanzen.“ Da war im März 1930 der Schritt von der Stadtbahn zur S-Bahn kurz. 

Der 1890 in Frankenthal gebürtige Rosen flüchtete 1933 über die Schweiz und Frankreich aus Deutschland – er war jüdischer Herkunft und hatte außerdem 1931 noch Plakate entworfen, die sich gegen die rechte Regierung Papen/Schleicher richteten.

1936 ließ er sich in London nieder. 1940 nach Kriegsbeginn als „feindlicher Ausländer“ für fünf Monate in Großbritannien interniert, blieb er auch nach 1945 auf der Insel, arbeitete als Grafiker für die chemische Industrie und starb 1980 in Brighton.

Ursprünglich sah das Logo so aus – der Hintergrund hat die Form eines Grabsteins. An einigen S-Bahnhöfen ist es noch heute so zu sehen. Grafik: DB

Sein Entwurf wurde 1936 noch einmal geändert: Rosen hatte das „S“ noch auf einen grünen Hintergrund in Form eines Grabsteins gesetzt, fortan erschien es auf einer runden Fläche. In dieser Form hat sich das Logo bei allen S-Bahnen Deutschlands ausgebreitet.