Hält nicht immer da, wo man denkt zu sein: die Berliner S-Bahn. Foto: imago images/Stefan Zeitz

Von einem „Schildbürgerstreich“ spricht die FDP Treptow-Köpenick. Auch andere Parteien im Bezirk wie die SPD und CDU sind aufgebracht. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember soll der S-Bahnhof Betriebsbahnhof Schöneweide in Johannisthal umbenannt werden. Doch anders als der neue Name suggeriert, wird der Ortsteil von dort aus vorerst nicht direkt erreichbar sein. Nun beschloss die Bezirksverordnetenversammlung auf Antrag der FDP, die irreführende Umbenennung so lange auszusetzen, bis es einen Zugang in Richtung Johannisthal gibt. Die Deutsche Bahn bleibt jedoch bei ihrem Plan. „Der neue Name wurde bereits in alle Fahrplanunterlagen eingearbeitet“, sagte ein Bahnsprecher.

Als der Haltepunkt 1927 eröffnet wurde, lag er noch inmitten einer weitläufigen Bahnlandschaft. Heute ist nur die jetzige Hauptwerkstatt der S-Bahn, für deren Mitarbeiter die Station einst gebaut wurde, noch in Betrieb. Das Bahnbetriebswerk Schöneweide mit seinem Ringlokschuppen und dem Wasserturm steht zwar noch – es wird aber nicht mehr von der Bahn, sondern von den Dampflokfreunden Berlin und vom Verein Traditionszug Berlin genutzt. Der 45 Hektar große Rangierbahnhof wurde 1998 ganz aufgegeben. Der Bahnhofsname ist nicht mehr zeitgemäß.

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Wo früher Güterzüge getrennt und zusammengestellt wurden, sollen Grünanlagen, Büro- und Gewerbebauten entstehen: Diese neue Nutzung soll sich auch in einem neuen Bahnhofsnamen widerspiegeln. Ein großer Investor ist die Bauwert AG, die einen Campus mit 172.000 Quadratmeter Bürofläche errichtet – und bald damit beginnt. „Mit der Berliner Sparkasse haben wir im Oktober den ersten Ankermieter gefunden“, freut sich Prokurist Henning Hausmann. „Der Bauantrag ist eingereicht, und wir hoffen, im ersten Quartal 2021 mit den Bauarbeiten beginnen zu können.“

Bahn hat Zeitplan geändert: Ende 2021 ist der Weg frei

Doch während ein neues Stadtquartier heranwächst, bleibt die direkte Verbindung vom S-Bahnhof dorthin unterbrochen. Es gibt zwar eine Fußgängerbrücke über den Gleisen, aber sie ist marode. „Die Brückensanierung beginnt mit vorbereitenden Maßnahmen am 13. Dezember“, sagte der Bahnsprecher. Bislang war geplant, Mitte Januar die Brücke herauszuheben. Aber darauf wird nun verzichtet. Das Bauwerk werde im eingebauten Zustand erneuert, hieß es. „Damit können Kosten und voraussichtlich auch Zeit gespart werden.“ Die Brücke soll im Dezember 2021 für die Öffentlichkeit freigegeben werden.

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„Neu ist, dass der Zugang bereits ab Dezember 2020 saniert wird“, sagt der SPD-Abgeordnete Lars Düsterhöft. „Ursprünglich war dies erst für 2023/2024 geplant. Meine Intervention führte zum Umdenken.“ Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Bahn wurden im Sinne der Bürger entschieden. Doch es gebe noch ein Problem, so Düsterhöft. Derzeit sei nicht geplant, am neuen Ausgang einen Aufzug zu errichten: „Darum kümmere ich mich jetzt.“