Eine Frau mit FFP2-Maske steht vor einem Automaten der BVG. Foto: imago images/Joachen Eckel

Einfache Stoffmasken reichen nicht mehr aus. Wer künftig mit Bus und Bahn fahren will, muss medizinische Mund-Nasen-Bedeckungen aufsetzen. Doch die sind ziemlich kostspielig, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. Die Politik müsse das berücksichtigen. „Wenn es bei den Bund-Länder-Beratungen schon versäumt wurde, bei den neuen Corona-Beschlüssen eine soziale Komponente zu berücksichtigen, muss es der Senat tun“, so der Verbandssprecher am Mittwoch.

Wieseke hat zwei Forderungen. Zum einen dürften Fahrgäste, die keine OP-Maske oder Maske der Standards KN95/N95 oder FFP2 tragen, nicht gleich bestraft werden. Eine Kulanzfrist von ein oder zwei Wochen sei nötig. Zum anderen müsse der Senat dafür sorgen, dass Geringverdiener und Hartz-IV-Empfänger medizinische Mund-Nasen-Bedeckungen kostenlos bekommen.

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Ziel sollte es sein, dass auch Menschen mit geringem Einkommen weiterhin den Nahverkehr nutzen können, sagte Wieseke. „Arbeitgeber in Bereichen, in denen kein Homeoffice möglich ist, sollten sich ebenfalls Gedanken machen.“ Medizinische Masken seien meist deutlich teurer als einfache Stoffbedeckungen. Sie dürfen nur wenige Stunden lang getragen werden.

Beim Fahrgastverband sieht man noch ein weiteres Problem: „Es wird schwierig, die Einhaltung der neuen Vorgabe zu kontrollieren.“ Staubmasken, wie sie von Bauarbeitern genutzt werden, sehen ähnlich aus wie medizinische Masken. Bei der BVG wurde zuletzt außerdem damit argumentiert, dass die Beschriftung meist klein und aus größerer Distanz nicht zu lesen sei. Kontrolleure, die es ganz genau nehmen, müssten nah herankommen – was in Corona-Zeiten nicht angemessen sei.

Nun heißt es aber bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) offiziell, dass die Kontrollen unvermindert fortgesetzt werden. „Ich gehe fest davon aus, dass unsere Fahrgäste weiterhin so diszipliniert sind, wie es die Lage erfordert“, so Eva Kreienkamp, die neue Chefin des Landesunternehmens.

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Die BVG kündigte auch an, dass das Busangebot aufgestockt wird, wo es nötig sei. „Vereinzelt und jeweils nur kurzfristig kommt es noch zu Auslastungsspitzen auf wenigen Buslinien“, sagte Eva Kreienkamp. „Um auch darauf noch besser reagieren zu können, haben wir dem Senat heute ein Konzept vorgelegt, mit dem wir flexibel und wenn nötig kurzfristig zusätzliche Kapazitäten im Busverkehr mobilisieren könnten.“ Details nannte sie nicht. Für Jens Wieseke vom Fahrgastverband kommt das Konzept reichlich spät. „Die Senatsverkehrsverwaltung hätte sich schon viel früher um dieses Thema kümmern müssen“, kritisierte er.

„Wenn der Andrang größer sein sollte, kann das Fahrpersonal freundlich sagen: Bitte fahren Sie nach Möglichkeit mit dem nächsten Bus! Der dürfte meist nicht lange auf sich warten lassen“, sagte Susanne Henckel, die Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB).