Urbaner Schmelzpunkt: auf der Torstraße treffen viele Interessen aufeinander. Berliner Zeitung/Markus Wächter

In zwei Jahren, 2024 soll es losgehen: Die Torstraße in Berlin-Mitte, eine der lautesten und stauigsten Durchfahrttsstraßen ohne Grün wird erneuert. Statt der jetzigen vier Fahrbahnen solle es dann nur noch je eine Spur pro Richtung für Autofahrer geben. Dazu kommen zwei neue Spuren für Radfahrer. Die Parkplätze entlang des Bordsteins sollen wegfallen. Das riecht nach Ärger. In einer Befragung, die an diesem Freitag endet, können Berliner ihre Meinung zu den Plänen des Senats kundtun.

Auf der Plattform mein.berlin.de gehen die Meinungen zur Umgestaltung der Torstraße weit auseinander.

Diskussionen um die Umgestaltung der Torstraße

„Ich begrüße die Abschaffung der Parkplätze. Die Einrichtung eines Radwegs parallel zur Linienstraße ist für mich allerdings nicht verständlich, da die Linienstraße ja bereits eine Fahrradstraße ist“, schreibt etwa ein Teilnehmer der Umfrage. Ein anderer wiederum fordert, dass die „vier Spuren für KfZ und Busse beibehalten werden.“ Andernfalls wären massive Staus und eine totale Überlastung der Torstraße (für die es keine entsprechenden Ausweichrouten gibt) die Folge. Es sei eine Illusion zu glauben, dass der Autoverkehr abnimmt, wenn zwei Spuren aufgehoben werden. „Als Anwohner mit zwei Kindern, der zwingend auf sein Auto angewiesen ist, wäre ein Wegfall der Parkplätze eine absolute Katastrophe für unsere Familie.“

Berliner Zeitung/Markus Wächter
Passanten auf der Torstraße genießen das sonnige Wetter in Mitte.

Dass die Torstraße ab 2024 erneuert wird, ist sicher. Mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität kann die Achse sicher gut vertragen. Doch diese Aufwertung gibt es nicht umsonst. Wo breite Fußwege zum Flanieren einladen, wird es Knapp mit dem Platz für Autos.

„Spuren für Versorgungsfahrzeuge, Handwerker, ÖPNV müssen erhalten werden“ merkt daher einer der Diskutanten an. Mehr Grün in der Torstraße wäre dennoch wichtig, ebenso eine Entsiegelung.

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Für den Lieferverkehr für die angrenzenden Geschäfte sind Ladezonen geplant. Doch auch unter Händlern und Gastronomen sind die Vorhaben umstritten. Die einen freuen sich auf verweilende Schlenderer, die anderen fürchten, dass Einkäufe vermehrt im Internet getätigt werden, wenn man nicht mehr ohne weiteres vor dem Laden vorfahren und parken kann.

So könnte die neue Torstraße aussehen. Mehr Platz für Radler und Fußgänger. Autos müssen weichen. Sen UVK

„Die Abschaffung des motorisierten Individualverkehrs kann nicht die Lösung sein. Trotz jahrelangem Dagegenargumentierens, Abschaffens von Parkflächen und Erhöhung der Parkgebühren sind die Straßen weiterhin voll“, gibt ein Berliner zu bedenken. Andere wiederum begrüßen den grünen Ansatz hin zu mehr Fuß- und Radverkehr zulasten des Autoverkehrs.

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„Eine Stadtplanung muss die Interessen aller Bürger - und vor allem der Anwohner - berücksichtigen und nicht nur die einiger weniger Provinzler, die alles mit dem Fahrrad machen und wohl nie regelmäßig aus der Stadt fahren wollen“, schreibt jemand im Forum. Alle unter einen Hut bekommt an einer Straße wie der Torstraße sicher nicht.