Die Baugrube des Covivio-Hochhauses. Links daneben liegt der Bahnhof Alexanderplatz der U-Bahn-Linie U2
Die Baugrube des Covivio-Hochhauses. Links daneben liegt der Bahnhof Alexanderplatz der U-Bahn-Linie U2 Volkmar Otto

Wegen der Tunnel-Absenkung im U-Bahnhof Alexanderplatz verlangt die Linke im Abgeordnetenhaus, den Bau des Hochhauses gleich nebenan sofort und bis auf Weiteres zu stoppen. Die Mobilitätsgarantie für die Fahrgäste, die in den U-Bahnen als Lebensadern der Großstadt unterwegs sind, müsse gesichert werden.

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„Alle Hochhausbauten im Umfeld von genutzten U-Bahn-Tunneln müssen sofort angehalten werden“, erklärten die Abgeordneten Katalin Gennburg und Kristian Ronneburg. „Bevor diese weitergeplant oder weitergebaut werden können, müssen die Projekte hinsichtlich ihrer Risiken für den U-Bahn-Verkehr erneut untersucht und neu bewertet werden.“

Eine Erklärung der Bauherren gegenüber der BVG, bei einem Schaden die Kosten zu übernehmen, reiche nicht als Risikovorsorge. Der Schaden für die Tausenden von Berlinern, deren Fahrzeit sich massiv verlängert, sei ungleich höher.

Das französische Unternehmen Covivio will ein Doppelhochhaus am Alex errichten. Dieses Rendering zeigt die Perspektive etwa von der Weltzeituhr aus.
Das französische Unternehmen Covivio will ein Doppelhochhaus am Alex errichten. Dieses Rendering zeigt die Perspektive etwa von der Weltzeituhr aus. Rendering: Sauerbruch Hutton/Luxigon

Wie berichtet, hatte sich der Bahnhof der Linie U2 neben der Baugrube gesetzt, wie ein Überwachungssystem zeigt, es gibt Risse. Zwischen Senefelderplatz und Klosterstraße wird eingleisig gependelt. Einsturzgefahr besteht laut BVG nicht. Untersuchungen am Tunnel, die am Dienstag stattfanden, sollen binnen zwei Wochen ausgewertet sein.

Eine Covivio-Sprecherin teilte mit, man habe die Bauarbeiten von sich aus eingestellt, sei in engem Austausch mit der BVG, und arbeite mit ihr, den Bauunternehmen und Ingenieurbüros an der Ursachenforschung.

Dass ein Zusammenhang zwischen der Baugrube, die zwei bis drei Meter von der Tunnelwand entfernt ist, und den Schäden besteht, scheint allerdings offenkundig. Die Grube ist etwa 15 Meter tief, reicht also weiter in den Untergrund als der Bahnhof nebenan. 

Die Lage des Covivio-Projekt. Rot ist das Hochhaus markiert, hellgelb der 36-Meter-Block davor, der an den Tunnel grenzt.
Die Lage des Covivio-Projekt. Rot ist das Hochhaus markiert, hellgelb der 36-Meter-Block davor, der an den Tunnel grenzt. Plan: SenStadt

Arbeiten am Covivio-Hochhaus sind einstweilen eingestellt

Das französische Unternehmen will an dem Ort ein 130 Meter erreichendes Doppelhochhaus und davor zum Platz hin einen 36 Meter hohen Kubus errichten, unter anderem mit Büros, Geschäften und Wohnungen. Wann und ob es damit weitergeht, bleibt einstweilen ungewiss.

So stellen sich Bauherr und Architekt das rekonstruierte frühere Karstadt-Kaufhaus am Hermannplatz vor. Das Projekt ist hoch umstritten.
So stellen sich Bauherr und Architekt das rekonstruierte frühere Karstadt-Kaufhaus am Hermannplatz vor. Das Projekt ist hoch umstritten. Rendering: Signa/Chipperfield

Linke sieht Prüfbedarf auch beim Kaufhausprojekt  Hermannplatz

Gennburg als Sprecherin für Stadtentwicklung und Ronneburg als Sprecher für Mobilität ihrer Fraktion wollen es mit dem Stopp des Baus am Alexanderplatz nicht bewenden lassen. Auch die geplante Aufstockung des Galeria-Kaufhauses am Hermannplatz, um am Ende in etwa ein Gebäude wie vor dem Krieg zu haben, müsse wegen des dortigen U-Bahn-Kreuzungsbahnhofs geprüft werden. Gennburg sagte dem KURIER, Verkehrsstaatssekretärin Meike Niedbal (Grüne) habe das von sich aus im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses erklärt.

Das wurde vom Sprecher der Verkehrsverwaltung dementiert. Niedbal habe das Hermannplatz-Projekt weder erwähnt und noch einen Zusammenhang mit dem Alex hergestellt. Die Staatssekretärin ließ dem KURIER mitteilen: „Wir wollen bei allen Hochbauprojekten mit Berührungen des ÖPNV sehr genau wissen, wie Risiken für den Betrieb ausgeschlossen werden. Diese Nachweise müssen valide sein und vorliegen, bevor es los geht – und Auflagen sind vom Bauträger strikt einzuhalten. Dass ein U-Bahn-Betrieb kurzfristig eingeschränkt werden muss, ist mehr als ärgerlich für alle Berlinerinnen und Berliner und kontraproduktiv für die Mobilitätswende.“

Ein tiefer Riss in einer Säule der Friedrichswerderschen Kirche.
Ein tiefer Riss in einer Säule der Friedrichswerderschen Kirche. dpa/Sophia Kembowski

Eine Baugrube brachte schon Schinkels Friedrichswerdersche Kirche in größte Not

Berlin hatte in der jüngeren Vergangenheit bereits eine besonders heikle Erfahrung mit Baugruben neben einem Bestandsbau machen müssen: Während der Errichtung von Wohnbauten unmittelbar neben der Friedrichswerderschen Kirche taten sich große Risse auf, ein Einsturz wurde befürchtet. Das Gebäude konnte zwischen 2012 und 2020 nicht als Ausstellungsraum der Staatlichen Museen genutzt werden.

Nach dem Ausheben der Baugrube für das Haus unmittelbar neben ihr erlitt die 200 Jahre alte Friedrichswerdersche Kirche schwere Schäden.
Nach dem Ausheben der Baugrube für das Haus unmittelbar neben ihr erlitt die 200 Jahre alte Friedrichswerdersche Kirche schwere Schäden. imago Rolf Zöllner