Falk Z. (40) war der Fahrer des Lkw und muss sich nun vor Gericht verantworten. Foto: Olaf Wagner 

Die Frau (63) wurde vom Rad des tonnenschweren Sattelschleppers mitgedreht und überrollt: Zwei Jahre nach dem Tod einer Fußgängerin steht Berufskraftfahrer Falk Z. (40) vor dem Amtsgericht. Ein Abbiegeunfall. War es fahrlässige Tötung? Falk Z. den Tränen nahe, kaum in der Lage, zu reden.

Seine Anwältin: „Das Geschehen belastet ihn bis heute sehr und er bedauert den Unfall unendlich.“ Doch Z. sei erst gefahren, als die Straße wirklich frei war. Der Berufskraftfahrer: „Ich nahm dann ein Geräusch wahr und ein Ruckeln, bremste.“ Wieder ein Horror-Crash am Unfallschwerpunkt Kottbusser Tor. Permanent kommt es dort zu gefährlichen Situationen. Wie am 19.

Februar 2018. Gegen 9.58 Uhr wollte Falk Z. von der Kottbusser Straße rechts in die Skalitzer Straße abbiegen. Die Anklage geht von mehreren Fehlern aus. Falk Z. sei abgebogen, „ohne anzuhalten“. Außerdem sei seine Sicht eingeschränkt gewesen – weil die Sonnenblende in seinem Laster heruntergeklappt und so der Frontspiegel verdeckt gewesen sei, weil die Frontscheibe verdreckt gewesen sei.

Wurde die Frau bereits beim ersten Anstoß tödlich verletzt? 

Und Müzeyyen T. sei bei grüner Fußgänger-Ampel gegangen. Vorwürfe, die Z. über seine Anwältin zurückweisen lässt: „Er fuhr langsam, nach rechts und links blickend.“ Er sei eingebogen, als die Ampel für Fußgänger bereits auf Rot stand. Und die Sicht sei für ihn gut gewesen. Woher kam die Frau? Wann betrat sie die Fahrbahn? Auch für Zeugen ein Rätsel.

Bei dem Unfall mit dem Sattelzug starb eine Fußgängerin am Kottbusser Tor.  Foto: Klaus Oberst

Robert S. (44), der mit seinem Auto hinter dem Lkw stand: „Sie war definitiv nicht am Fußgängerüberweg.“ Seine Vermutung: „Sie muss quer über die Straße gerannt sein.“ S. schimpfte über die Kreuzung: „Die Ecke ist die absolute Hölle.“ Autofahrer S. zur Lkw-Fahrt: „Langsam, es nervte mich sogar. Er rollte kurz, bremste, fuhr wieder an.“ Dennoch der schreckliche Unfall. Für die erfasste Frau kam jede Hilfe zu spät.

Viele offene Fragen. Der Ankläger: „Ich weiß nicht, woher sie kam, aber sie konnte sich ja nicht hinbeamen.“ Ein Unfallanalytiker stellte drei Varianten vor. Nach einer hätte Z. die Frau 0,9 Sekunden vor der Kollision sehen können: „Hätte er sofort reagiert, wäre nicht der Anstoß, aber das Überrollen verhindert worden.“ Nun soll ein Mediziner vernommen werden. Es geht um die Frage, ob die Frau bereits durch den ersten Anstoß tödlich verletzt wurde oder durchs Überrollen. Richter: „Das ist entscheidend in dem Fall.“ Urteil: 20. März.

(KE)