Am 16. Bauabschnitt der A 100 wird noch gewerkelt, der 17. soll nicht mehr gebaut werden, will die SPD. dpa/Carsten Koall

Die Entscheidung der Berliner SPD, die Stadtautobahn A 100 nicht von Treptow bis nach Lichtenberg weiterbauen zu wollen, ist auf Kritik der Berliner Wirtschaft gestoßen. Die Ablehnung sei „kurzsichtig“, hieß es von Seiten der Industrie- und Handelskammer IHK.

Fast zwei Drittel der SPD-Parteitagsdelegierten gegen Weiterbau der Stadtautobahn A100

Der Landesparteitag der SPD hatte sich mit 64 Prozent am Sonntagabend für einen entsprechenden Antrag aus dem Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg ausgesprochen, der einen Planungsstopp und den Verzicht auf den sogenannten 17. Bauabschnitt fordert. Die beiden SPD-Landesvorsitzenden Franziska Giffey und Raed Saleh hatten sich vor dem Parteitag nicht hinter diese Position gestellt, aber beim Parteitag selbst auch nicht ausdrücklich dagegen Stellung bezogen.

Die Mehrzahl der Redner wandte sich gegen den umstrittenen 17. Bauabschnitt. Sie argumentierten, es müsse ein klares Stoppsignal gesendet werden, nachdem es auf Bundesebene Pläne gebe, den Autobahnbau voranzutreiben. Eine solche Betonpiste durch Berlin sei angesichts des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. Auch der 16. Abschnitt von der Grenzallee bis zum Treptower Park, der 2024 fertig sein soll, ist wegen hoher Kosten umstritten.

Das FDP-geführte Bundesverkehrsministerium hatte Ende März angekündigt, die Planungen für den Abschnitt vom Treptower Park in Richtung Lichtenberg zur Storkower Straße vorantreiben zu wollen. Dagegen hatten SPD, Grüne und Linke im Koalitionsvertrag vereinbart, Planung und Bau des Bauabschnitts in der bis 2026 laufenden Legislaturperiode nicht weiter zu verfolgen.

Wirtschaft bemängelt Abkehr von der Verlängerung der Autobahn A100

Das gefiel der IHK nicht. Der Hauptgeschäftsführer Jan Eder erklärte, dass man die Entscheidung für kurzsichtig halte, weil „die wirtschaftliche Entwicklungskraft Berlins  auch über dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch unter der fehlenden Verknüpfung der Straßennetze beider ehemaliger Teile leidet“.  Gewerbeflächen im Nordosten der Stadt seien nicht ausreichend an andere  Wirtschaftszentren der Stadt oder den  BER angebunden. Ein Autobahntunnel unter dem Ostkreuz dagegen würde die Stadtstraßen im Umfeld entlasten und sicherer machen, wenn insbesondere der Lastwagenverkehr unterirdisch gebündelt würde. „Und erst mit dem 17. und letzten Bauabschnitt als Umfahrung kann die A100 die gesamte Innenstadt deutlich beruhigen.“