Langes Warten auf die S-Bahn. Die Züge rollen nur sehr eingeschränkt, einige S-Bahnen fahren auf Grund des Streiks gar nicht. imago images/Stefan Zeitz

Der bundesweite Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn hat am Montagmorgen für zahlreiche Zugausfälle und -verspätungen in Berlin und Brandenburg gesorgt. Der Ausstand im Personenverkehr habe auch in Berlin und Brandenburg um 2.00 Uhr begonnen, bestätigte eine Bahnsprecherin am Morgen. Bisher laufe alles stabil.

Der S-Bahn-Verkehr in Berlin und der Regionalverkehr in Brandenburg sind von dem Streik besonders betroffen. So teilte die S-Bahn online mit, dass die S1, S2, S25, S3, S46, S5, S7, S8, S85 und die S9 nur im 20-Minuten-Takt und mit teilweise veränderten Start- und Endhaltestellen führen. Die S26, die Ringbahnen S41 und S42, die S45, S47 und die S75 fielen aus.

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Im Regionalverkehr werde für einige Linien ein Ersatzverkehr mit Bussen oder Zügen angeboten, für die Linien FEX, RB10/14, RB13, RB20, RB21, RB22, RB31, RB49, RB55 und RE/RB66 gebe es diesen Ersatzfahrplan nicht, teilte die Bahn mit.

Berliner KURIER/Norbert Koch-Klaucke
Kurz nach 7 Uhr, Bahnhof Wannsee

Der Bahnsteig Richtung Berlin ist voll mit Pendlern, die aus Brandenburg nach Berlin wollen. Vom Streik überrascht ist niemand. Dafür ist man früher als sonst aufgestanden und unterwegs. Wie Marina Sellmann, die mit einem Zug der ODEG, die nicht bestreikt wird, von Michendorf nach Wannsee gefahren ist, mit der S1 weiter nach Steglitz will. Im 20-Minuten-Takt fahren die Züge. Doch dieser lässt auf sich warten. „Seit 25 Minuten stehe ich hier und warte auf den Zug“, sagt Sellmann. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die S1 halbwegs gegen 7.14 Uhr da, die nicht wie sonst in Wannsee endet, sondern nach Potsdam weiter fährt.

Bahnstreik betrifft 75 Prozent der Fernzüge

Schon seit Samstagnachmittag bestreikt die Gewerkschaft den Güterverkehr. Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen in Folge der Streiks möglich.

Bundesweit hat die Deutsche Bahn 75 Prozent ihrer Fernzüge gestrichen und rechnet auch im Regionalverkehr mit zahlreichen Ausfällen und Verspätungen. Am Freitag hatte die GDL angekündigt, den Fern- und Regionalverkehr ab Montag, 2.00 Uhr, für 48 Stunden bundesweit zu bestreiken.

Nicht alle S-Bahnen in Berlin fahren überhaupt. Und die, die fahren, tun das nur alle 20 Minuten. Christoph Soeder/dpa

In dieser Situation greifen so manche Berliner und Brandenburger, die wegen ihres Jobs zwischen beiden Bundesländern pendeln müssen, aufs Auto um! Nicht immer ist das ein eigener Pkw, sondern ein Leihwagen. Der Autoverleiher Miles habe bereits bei dem Bahn-Streik vor einer Woche „eine leicht erhöhte Nutzung der Fahrzeuge feststellen können, insbesondere auch auf der Strecke Berlin-Potsdam/Potsdam-Berlin“, sagt Sprecherin Nora Goette dem KURIER. „Im Vergleich zu Streiktagen aus dem Jahr 2019 - also vor Corona - ist der Anstieg der Nutzung aber nicht mehr ganz so groß. Hier scheint sich die vergrößerte Option auf Home Office deutlich bemerkbar zu machen.“

Bahnstreik! Dafür streiken die Lokführer

Die GDL-Mitglieder streiken für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Unter anderem verlangen sie eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen. Die Bahn bot am Sonntag an, zusätzlich über eine Corona-Prämie für die Beschäftigten zu verhandeln. Die Lohnerhöhung will sie nach den Corona-Verlusten über eine längere Zeit strecken. Dahinter schwelt in der Belegschaft ein Streit zwischen GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt.