Beinahe gülden wirkt der Golda-Meir-Steg, über den man jetzt den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal überqueren kann.
Beinahe gülden wirkt der Golda-Meir-Steg, über den man jetzt den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal überqueren kann. Benjamin Pritzkuleit

Endlich ist es so weit: Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) konnte die Fußgängerbrücke „Golda-Meir-Steg“ zwischen Moabit und dem Altbezirk Mitte eröffnen – einstmals war das unmöglich, entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals verlief die Mauer. Jetzt erspart der vier Meter breite Steg Fußgängern und Radlern lange Umwege zwischen der neuen Europa-City westlich des Kanals und dem Gebiet um Scharnhorst- und Chausseestraße östlich. Damit findet auch ein finanzielles Debakel ein um drei Jahre verspätetes Ende.

Zehn Jahre von der Vorplanung bis zur Übergabe

Die 77 Meter lange Brücke, benannt nach der einstigen israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir (1898–1978), hätte eigentlich schon 2018 fertig sein sollen. 2011 hatten die Planungen begonnen, 2014 war der Entwurf in einem Realisierungswettbewerb gefunden worden. Doch das erste Ausschreibungsverfahren scheiterte. Es hatte sich niemand gefunden, der den Bau zu nach der ersten Kostenschätzung von 1,9 Millionen Euro auf 2,7 Millionen Euro gestiegenen Kalkulation errichten wollte.

2019 wurde erneut ausgeschrieben, diesmal europaweit, dann gab es ein Unternehmen, das sich an das Projekt wagte. Ende 2019 wurde mit den Bauvorbereitungen begonnen. Am 22. Oktober 2020 konnte die 190 Tonnen schwere Stahlbrücke – 1600 Fluss- und Kanalkilometer weit per Schiff aus dem bayerischen Deggendorf geliefert – von einem Kran in Position gehievt werden.

In eiskaltem Wind würdigte Senatorin Regine Günther den Golda-Meir-Steg als Zeichen der engen Verbindung Deutschlands mit Israel
In eiskaltem Wind würdigte Senatorin Regine Günther den Golda-Meir-Steg als Zeichen der engen Verbindung Deutschlands mit Israel Benjamin Pritzkuleit

Nun ist sie fertig, aber der Steuerzahler ächzt. 9,5 Millionen Euro hat der Steg am Ende gekostet – das Fünffache der ersten Schätzung, beklagt der Bund der Steuerzahler.

Schnipp! Regine Günther bei ihrer vielleicht letzten Übergabe eines Bauwerks, sie wird dem nächsten Senat nicht mehr angehören.
Schnipp! Regine Günther bei ihrer vielleicht letzten Übergabe eines Bauwerks, sie wird dem nächsten Senat nicht mehr angehören. Benjamin Pritzkuleit

Schon 2017 hatte der Senat festgestellt, dass man mit der ursprünglich vorgesehenen Summe, die er dem Abgeordnetenhaus in der Haushaltsplanung vorgelegt hatte, nicht auskommen würde. In den Wettbewerbsunterlagen für die erste Ausschreibung seien viele Positionen „offenbar nicht ausreichend berücksichtigt“ worden, stellt der Bund der Steuerzahler fest.

Golda Meir im Jahr 1970.
Golda Meir im Jahr 1970. AP  

Bund der Steuerzahler zählt viele Versäumnisse auf

So seien Schwingungsdämpfer nicht mitkalkuliert worden, weil im Wettbewerb die Schwingungsanfälligkeit der Brücke nicht geprüft worden sei. Weiter zählt der Steuerzahlerbund auf: „Der Aufwand für die architektonische Gestaltung der Treppenanlage und der Brückenwiderlager waren nicht ausreichend berücksichtigt worden. Für das Stahlgeländer war zu wenig Material veranschlagt und der Aufwand für das Ausschneiden der Ornamente unterschätzt worden. Die Erhöhung der Baukosten führte wiederum zu einer Erhöhung des Kostenansatzes für Planung, Bauüberwachung und den statischen Prüfer.“

Günther erklärte die hohen Kosten bei der Eröffnung mit der anspruchsvollen Bauweise: „So waren die an orientalische Ornamentik erinnernden Stahlbleche an den Brückenseiten hochpräzise per Lasertechnik herzustellen – sie haben, ebenso wie Handlauf und Pfosten, jeweils eine statische Funktion. Zudem geriet die uferseitige Gründung der pfeilerlosen Brücke aufgrund des schwierigen Baugrunds kompliziert.“

Die Herstellung der Brückengeländer war teuer.
Die Herstellung der Brückengeländer war teuer. Benjamin Pritzkuleit

Der Steuerzahlerbund meint, das hätte man früher wissen können: „Für uns stellt sich daher die Frage, welchen Wert solche Kostenschätzungen für das Parlament überhaupt haben.“