Am Bahnhof Südkreuz sind am frühen Donnerstagmorgen nur wenige Fahrgäste unterwegs.  Markus Wächter 

Trotz des neuen Angebots der Deutschen Bahn geht der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nach Angaben von deren Chef Claus Weselsky weiter. „Dieses Angebot kann kein Mensch und vor allem keine Gewerkschaft auf dieser Welt annehmen“, sagte Weselsky am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. Denn die Offerte beinhalte „die Beschränkung des Geltungsbereiches auf den derzeitigen Tarifvertrag“, führte er weiter aus. Seit 2 Uhr am Morgen stehen also ein guter Teil der S-Bahnen und Regios still. Wenigstens passt das Wetter und es macht Spaß, auf das Rad umzusteigen. Auch der Ersatzverkehr in Berlin und Brandenburg laufe aber stabil und die Lage sei bisher ruhig, so eine Sprecherin. 

Und der Streik der Lokführer bei der Deutschen Bahn kann vorerst weitergehen. Das Arbeitsgericht Frankfurt/Main lehnte am Donnerstagabend eine Einstweilige Verfügung ab, mit der die Deutsche Bahn den Arbeitskampf stoppen wollte. Die Deutsche Bahn kündigte noch am Abend eine Berufung vor dem Landesarbeitsgericht an. Dort wird voraussichtlich am Freitag verhandelt. 

Richter bemüht sich um Vergleich 

Zuvor war der Versuch des Vorsitzenden Richters Volker Schulze gescheitert, mit einem Vergleich beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückzuholen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte es erneut abgelehnt, in Gespräche einzutreten, bevor nicht ihre sämtlichen Forderungen aus dem vergangenen Mai erfüllt würden.

Diese S-Bahnen fahren in Berlin trotz Streiks

In Berlin betrifft der Streik insbesondere die S-Bahn. So teilt diese online mit, dass die S1, S2, S25, S3, S46, S5, S7, S85 und die S9 im 20-Minuten-Takt und die S8 im 40-Minuten-Takt verkehren. Die S26, die Ringbahnen S41 und S42, die S45, S47 und die S75 verkehren gar nicht.

Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder.

In den vergangenen 14 Monaten seien insgesamt 4000 neue Mitglieder in die GDL eingetreten, sagte Claus Weselsky. „Wir sind bei über 38.000 Mitgliedern“, fügte der GDL-Chef hinzu. „All diese Mitglieder möchten Tarifverträge von der GDL haben und sie möchten vor allen Dingen in 2021 keine Nullrunde fahren.“

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Die Bahn habe ein Angebot in die Welt gesetzt, „in dem die Eisenbahnerschaft gespalten werden soll in Mitglieder der GDL in erster Klasse und in zweiter Klasse“, kritisierte Weselsky. „Nämlich diejenigen, die "einen Tarifvertrag bekommen, und diejenigen die keinen Tarifvertrag bekommen.“

Weselsky: Angebot nicht hinnehmbar 

Zudem beinhalte das Angebot „immer noch eine Nullrunde für das Jahr 2021“, fügte Weselsky hinzu. In diesem Jahr solle es weder eine Corona-Prämie noch eine Einkommenserhöhung geben, dafür gebe es weiterhin einen „Angriff auf die Betriebsrente, nämlich die Wegnahme des Zusatzversorgungstarifvertags für alle Eisenbahnerinnen und alle Eisenbahner“. Deshalb sei das Angebot „auch inhaltlich - und das sind unsere Streikziele - nicht annehmbar“.

Ersatzverkehr während des Streiks 

Die Bahn will während der Streiktage sicherstellen, dass im Fernverkehr rund ein Viertel der Züge des normalen Fahrplans angeboten wird. Im Regional- und S-Bahnverkehr peilt das Unternehmen ein Angebot von etwa 40 Prozent an. Es gebe aber regionale Unterschiede, sagte die Sprecherin. Die Streik-Schwerpunkte liegen demnach im Osten und in einigen Metropolregionen". Dort sei mit stärkeren Einschränkungen zu rechnen.

Bahnstreik bis  Dienstagnacht 

Die GDL hatte am Montag den dritten und bislang längsten Streik im Tarifstreit mit der Bahn angekündigt. Der Ausstand soll demnach erst am Dienstag um 02.00 Uhr enden. DB-Personalvorstand Martin Seiler hatte am Mittwoch an die GDL appelliert, zurück an den Verhandlungstisch zu kommen und die „unverantwortlichen Arbeitskampfmaßnahmen“ zu stoppen. „Wir erfüllen zentrale Forderungen der GDL“, sagte er mit Blick auf das neue Tarifangebot der Bahn.

Konkret will der Konzern der Lokführergewerkschaft demnach sowohl bei der Corona-Prämie als auch bei der Laufzeit des künftigen Tarifvertrags entgegenkommen. Die Prämie solle in gleicher Höhe wie im Öffentlichen Dienst gezahlt werden, teilte die Bahn mit. Im Organisationsbereich der GDL würden damit je nach Entgeltgruppe 400 oder 600 Euro ausgeschüttet. Bei der Laufzeit würden statt 40 nunmehr 36 Monate von der Bahn angeboten. „Gleichzeitig bieten wir eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent - genau das fordert auch die GDL“, erklärte Seiler.

Vor dem aktuellen und laut Bahn „deutlich verbesserten“ Angebot hatte der Konzern zwar ebenfalls 3,2 Prozent mehr Lohn geboten, aber auf den 40 Monaten Laufzeit des Tarifvertrages bestanden. Zu einer Corona-Prämie hatte das Unternehmen bis dahin zwar Verhandlungen angeboten, jedoch keine konkrete Zahl genannt.

In dem Tarifkonflikt geht es auch um die Position der GDL im Konzern und im Wettbewerb mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Diese hat sich bereits mit der Bahn geeinigt, die Ergebnisse hält die Lokführergewerkschaft jedoch für unzureichend.