Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen 2021 trug dazu bei, die Pünktlichkeitsbilanz der Bahn zu verhageln.
Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen 2021 trug dazu bei, die Pünktlichkeitsbilanz der Bahn zu verhageln. dpa/Thomas Frey

Das sind aber ganz große Ziele ...: Die Deutsche Bahn will 2022 im Fernverkehr deutlich pünktlicher unterwegs sein. „Wir haben uns ein Ziel von 80 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr vorgenommen“, sagte Bahnchef Richard Lutz. „Das wird in den nächsten Monaten große Anstrengungen erfordern, da wir erneut auf Rekordniveau bauen werden.“ 2021 kamen laut Bahn im Schnitt nur etwas mehr als 75 Prozent der ICE- und IC-Züge pünktlich am Ziel an und damit deutlich weniger als im Jahr davor.

Das lag zum einen an Streiks, der Flutkatastrophe im Juli sowie Schneechaos und Hagelstürmen. Ausgebremst hat den Zugverkehr aber noch etwas anderes: „Unser Qualitätsproblem ist im Kern ein Kapazitätsproblem, da sehr viel Verkehr auf einer knappen Infrastruktur fährt“, erläuterte der Bahnchef. „Dann staut sich das, und dadurch gibt es Unpünktlichkeiten.“

Mit Milliardeninvestitionen will die bundeseigene Bahn die Kapazität auf den Strecken deshalb erweitern. Doch damit einher gehen zahlreiche neue Baustellen, die den Verkehr noch einige Jahre ausbremsen dürften. „In den letzten 20 Jahren hat sich hier eine Menge aufgestaut, das können wir nicht in zwei, drei Jahren aufholen“, sagte der Konzernchef. Er bezifferte den Investitionsrückstau in der eigenen Infrastruktur auf fast 60 Milliarden Euro. „Das wird eine Mammutaufgabe.“

Damit Fahrgäste davon so wenig wie möglich beeinträchtigt werden, setzt die Bahn auf ein besseres Baustellenmanagement, „beispielsweise durch Dreischichtbetriebe oder hochmoderne Technik. Wir haben uns ein Pünktlichkeitsziel von 85 Prozent im Fernverkehr bis zum Jahr 2030 vorgenommen“, sagte Lutz.

Auf modernisierten Strecken wie zwischen Berlin und München sei dieses Ziel deutlich schneller zu erreichen. „Aber dort, wo wir jetzt schon ohne Baustellen Streckenauslastungen von über 125 Prozent und mehr haben, da knirscht es. Bisweilen ganz erheblich.“

Bahnchef Richard Lutz
Bahnchef Richard Lutz dpa/Jörg Carstensen

Für die Kapazitätserweiterungen setzt die Bahn neben Streckensanierung und Ausbau, der aus Sicht vieler Branchenverbände und Wettbewerber viel zu langsam vorankommt, auf Digitalisierung. Jüngst testete die Bahn erstmals einen Güterzug mit der sogenannten Digitalen Automatischen Kupplung auf der Langstrecke. Die Technik automatisiert das Kuppeln der Waggons, das sonst viel Zeit in Anspruch nimmt, weil es in ganz Europa noch per Hand geschieht.

Digitale Techniken wie diese seien „ein Riesenhebel“ für mehr Platz auf den Trassen, betonte Lutz. Es gehe aber auch um einen besseren Service für Fahrgäste, etwa bei WLAN-Versorgung und Handyempfang in Zügen. „Da müssen und werden wir besser werden“, sagte der Konzernchef.

Mit ihren Bemühungen, den Zugverkehr in Deutschland besser und effizienter zu gestalten, verfolgen Bund und Bahn ein Ziel: den sogenannten Deutschlandtakt. Mit ihm soll der Takt zwischen den großen Ballungszentren in Deutschland bundesweit auf 30 Minuten gesenkt werden. Zum anderen sieht der Plan eine engere Verzahnung zwischen Fern- und Regionalverkehr vor und somit eine bessere Anbindung der ländlichen Räume.

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Dafür braucht es dringend die zusätzliche Kapazität auf den Schienen. „Im Moment realisieren wir etwa 1,1 Milliarden Trassenkilometer auf dem Netz“, sagte Lutz. „Für das, was wir uns vorgenommen haben, benötigen wir über 1,4 Milliarden Trassenkilometer.“ Doch hierfür brauche es mehr Tempo bei Bau und Planung: „Wenn wir das in Deutschland mit dem Ausbautempo der letzten 20 Jahre machen, wird es gewiss nicht funktionieren.“

Die Ziele der neuen Bundesregierung, vor allem die Planungsprozesse zu beschleunigen, würden „enorm helfen, auch wenn der Deutschlandtakt 2030 noch nicht vollständig realisiert werden wird“, sagte der Bahnchef. „Aber in Etappen wird es stetig besser werden.“