Anfang Dezember bekommt die Stadt eine neue Ost-West-Verbindung: Die U5 extended geht in Betrieb. Foto: dpa

Ob es eine Eröffnungsfeier geben wird, weiß Jörg Seegers noch nicht. „Das wird davon abhängen, welche Coronaregeln dann gelten“, sagt der Technik-Geschäftsführer der BVG Projekt GmbH am Dienstag. Doch klar ist: Am 4. Dezember 2020 bekommt Berlin eine neue U-Bahn-Strecke. Die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 geht wie angekündigt am Namenstag der Heiligen Barbara in Betrieb, bekräftigte Seegers. Parallel dazu wird der Kassensturz vorbereitet. So viel lasse sich jetzt schon sagen: „Wie es derzeit aussieht, werden wir bei den Finanzen fast eine Punktlandung hinlegen. Es gibt nicht viele Großprojekte, von denen man das sagen kann.“

Natürlich ist auch bei dem U-Bahn-Projekt, das zwischen den Stationen Alexanderplatz und Brandenburger Tor eine 2,2 Kilometer lange Lücke geschlossen hat, nicht alles glatt gelaufen. Mal behinderten Findlinge den Tunnelbau, mal drang zu viel Grundwasser in die unterirdische Baustelle ein. Anfangs hieß es lange Zeit, dass die ersten Züge 2017 fahren und die gesamte Anlage 433 Millionen Euro kostet. Diese Prognosen mussten allerdings angepasst werden.

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Seit 2013 wurden die Kosten auf 525 Millionen Euro veranschlagt. Etwas später wurde der Eröffnungstermin auf 2019, dann auf 2020 korrigiert. Doch diese, inzwischen seit mehreren Jahren geltenden Vorgaben werden gehalten. Mit einer Ausnahme: Im U-Bahnhof Museumsinsel, einem der drei neuen Stationen an der Trasse, fahren die Züge der U5 noch bis Sommer 2021 durch. Dann soll auch er fertig sein.

„Zwar sind noch nicht alle Nachträge berücksichtigt“, sagte Jörg Seegers. Es zeichne sich aber ab, dass sich die Schlussrechnung im Umkreis der 535-Millionen-Euro-Marke einpendeln wird. Was die Betriebsaufnahme anbelangt, laufe der Countdown planmäßig. „Die BVG hat von der Technischen Aufsichtsbehörde des Senats die Betriebsgenehmigung bekommen. Inzwischen haben die Schulungsfahrten des Fahrpersonals begonnen“, so der Geologe.

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Wenn die Schutzheilige der Bergleute und Mineure Namenstag hat, rollen die ersten U-Bahnen mit Fahrgästen durch die Tunnelröhren. „Am 4. Dezember soll es zunächst einen Sonderfahrplan geben, der derzeit noch erarbeitet wird“, sagte Ute Bonde, die Finanz-Geschäftsführerin der BVG Projekt GmbH. „Vom 5. Dezember an wird dann nach dem Regelfahrplan gefahren.“ Der erste Zug der U5, der die neue Tunnelstrecke an diesem Tag nutzt, fährt laut Fahrplanauskunft um 3.12 Uhr im Hauptbahnhof ab. Fahrzeit nach Hönow, der östlichen Endstation: 41 Minuten. Von dort kommt der erste Zug des Regelbetriebs um 3.47 Uhr im Hauptbahnhof an.

Die U-Bahn-Trasse, die unter dem Marx-Engels-Forum, dann unter dem Schloss und schließlich unter dem Boulevard Unter den Linden verläuft, schafft eine neue Ost-West-Achse, die vor fast hundert Jahren erstmals skizziert wurde. Wie anspruchsvoll das Projekt ist, zeigt das Buch „Ein neuer Tunnel durch Berlin“, das im Berliner Jaron-Verlag erschienen ist und am Dienstag vorgestellt wurde. Bauoberleiter Antonio Reetz-Graudenz steuerte 160 Fotos von der Baustelle bei. Stephanie Niehoff, Sprecherin der BVG Projekt GmbH, schrieb den Text und verweist darauf, dass der Senat den Weiterbau der U5 in den Nullerjahren zu den Akten legen wollte.

Obwohl es an der Grünen-Basis grummelt, wird in der rot-rot-grünen Koalition über den weiteren Ausbau des U-Bahn-Netzes diskutiert. „Wir spüren eine Trendwende, die uns begeistert“, sagte Ute Bonde. Ob es um Neubaustrecken zum BER, ins Märkische Viertel, zum Mexikoplatz oder nach Pankow geht: „Wir stehen bereit.“