BER? Nö, Amsterdam Schiphol. Das Flug-Chaos schlägt so ziemlich überall in Europa zu.
BER? Nö, Amsterdam Schiphol. Das Flug-Chaos schlägt so ziemlich überall in Europa zu. dpa/ANP/Jeroen Jumelet

Das sind Aussichten: Flugreisen werden teurer, dafür bleiben sie schlecht. Das könnte mittelfristig der Bahn in Europa zu mehr Fahrgästen verhelfen (bei der Deutschen Bahn darf man seine Zweifel haben).

Der Kreditversicherer Allianz Trade hatte eine Studie erstellen lassen, der zufolge die Ticketpreise 2022 im Schnitt um mehr als ein Fünftel steigen werden. Und dennoch würde das nicht helfen, den Personalmangel zu beheben: Die im Moment so häufigen Flugstreichungen könnten also zum Normalzustand werden. Mittelfristig rechnen die Finanzexperten im Europaverkehr mit Vorteilen für die umweltfreundlichere Eisenbahn.

Flugzeug-Treibstoff Kerosin ist seit  Anfang 2022 um 89 Prozent teurer geworden

Die Fluggesellschaften haben als Folge der seit Jahresbeginn stark gestiegenen Kerosinpreise (plus 89 Prozent) die Ticketpreise bereits deutlich nach oben gesetzt, wie die Studie ergab. „Die Fluggesellschaften versuchen, die Verluste von zwei Jahren Corona-Pandemie wettzumachen“, erklärte der Allianz-Trade-Chef für den deutschsprachigen Raum, Milo Bogaerts.

Zusammen mit dem höheren Passagieraufkommen sollten sich die Umsätze der Gesellschaften im Vergleich zum coronageprägten Vorjahr so mehr als verdoppeln, aber bei weitem nicht ausreichen, um die Verluste seit 2020 auszugleichen. Die Rückkehr in die Gewinnzone sei bei den meisten Gesellschaften erst 2023 zu erwarten.

Im Gegensatz zu den verbrauchsabhängigen Kerosinkosten sind die Personalkosten bei den Unternehmen fix. Angesichts der Treibstoffpreise hätten die Fluggesellschaften derzeit wenig Anreize, ihr in der Krise kräftig abgebautes Personal wieder aufzustocken. Die Folgen liegen für Allianz Trade auf der Hand: „Flugstreichungen nehmen zu und trüben die Urlaubsfreude von Reisenden noch etwas länger.“

Fluggesellschaften mangelt es an Geld, um sparsamere Flugzeuge zu kaufen

Mittelfristig werde die Branche bei Europaverbindungen mehr Konkurrenz durch die umweltfreundlichere Bahn erhalten, erwarten die Autoren. Während die Entwicklung CO2-neutraler Flugantriebe noch lange dauern werde, fehle den hochverschuldeten Fluggesellschaften auch Geld, um in der Zwischenzeit neue, sparsamere Maschinen zu kaufen. Die politische Vorgabe, zunehmend nachhaltige Kraftstoffe beizumischen, werde die Treibstoffkosten weiter in die Höhe treiben und die Gewinnmargen drücken.