Mal wieder auf dem Gehweg! Ein Radfahrer unterwegs. Foto: Emily Wabitsch/ dpa

Immer diese Radfahrer! Ohne Licht. Und dann auch noch auf dem Bürgersteig! So beginnen Diskussionen, die Freundschaften gefährden können. Kampfradler, Radlerrüpel, Radrowdys: Was ist dran an diesem Feindbild? Dazu gibt es neue Zahlen der Berliner Polizei.

Danach hat die Zahl der Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern in Berlin erneut zugenommen.  Wurden 2018 noch 465 Zusammenstöße dieser Art registriert, waren es im vergangenen Jahr 508. Während die Zahl der schwer verletzten Fußgänger von 49 auf 26 sank, gab es bei den Leichtverletzten einen Anstieg von 281 auf 311. Allerdings wurden die meisten dieser Kollisionen, insgesamt 54,1 Prozent, von den Fußgängern verursacht. Bei den Radfahrern beträgt die Verursacherquote 44,1 Prozent.

Wenn Dietmar Scheffler aus Charlottenburg Radler auf dem Gehweg entgegenkommen, wird er wütend. Sehr wütend. „In der Verkehrshierarchie stehen die Fußgänger ganz unten, sie sind die schwächsten“, klagt der Rentner. „Wenn man die Radfahrer anspricht, reagieren sie auch noch frech.“ Trotzdem würden sie von der Verkehrspolitik verhätschelt. Scheffler würde gern einmal eine Fußgänger-Demo auf einem Radweg organisieren.

„Vor allem Senioren fühlen sich hilflos. Sie können nicht reagieren und ausweichen, stürzen leicht und drohen sich den Hüftknochen zu brechen“, sagt Roland Stimpel vom Fachverband Fußverkehr Deutschland, kurz FUSS. „Auch gefühlte Bedrohung muss ernst genommen werden. Fußgänger sind durch den Autoverkehr mehr als genug bedroht und behindert. Wir brauchen keinen Radverkehr, der dieses Übel auf die Gehwege ausweitet.“

Allerdings ereignete sich nur ein kleiner Teil der Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern auf Gehwegen. 2018 gab es 118 Zusammenstöße dieser Art, im vergangenen Jahr waren es 109. Die meisten Kollisionen fanden woanders statt – etwa auf Fahrbahnen und Radwegen, die plötzlich betreten wurden.

Zum ganzen Bild gehört auch, dass Autos und Lkw unverändert die größte Gefahr für Fußgänger darstellen. Während 2018 und 2019 kein Fußgänger in Berlin von einem Fahrrad getötet wurde, starben im vergangenen Jahr 24 Fußgänger bei Kollisionen mit Kraftfahrzeugen.

„Das Problem bleibt der motorisierte Verkehr“, sagt Lisa Feitsch vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. „Wird die Stadt umgebaut, wie das Mobilitätsgesetz es vorschreibt, wird der Verkehr für Menschen zu Fuß und auf dem Rad sicherer.“ Beide Gruppen hätten dieselben Ziele: flächendeckend Tempo 30, bessere Sichtverhältnisse an Kreuzung, Abbiegeassistenten in Lkw.