Das große Anstehen: 150.000 Brandenburger fahren täglich mit dem Auto zur Arbeit nach Berlin. Foto: dpa/Sören Stache

An jedem Arbeitstag kommen über 150.000 Brandenburger mit dem Auto nach Berlin. Das sind rechnerisch alle erwachsenen Potsdamer. Eine umweltschädliche Blechflut, die Berliner Parkmöglichkeiten verstopft nur zu geringem Teil durch die etwa 40.000 Auspendler wettgemacht wird. Der ADAC verlangt deshalb eine deutliche Vermehrung von Park-and-Ride-Plätzen in Brandenburg.

Mit knapp 23.000 Stellplätzen in Brandenburg, davon mehr als die Hälfte im Speckgürtel, sowie 5000 in Berlin, sei eine Verkehrswende nicht zu bewerkstelligen. Es müssten Anreize geschaffen werden, das Auto vor der Stadt abstellen zu können, um dann mit der Bahn nach Berlin hineinzufahren. Die Pendler-Zahlen stammen zwar von 2019, Corona habe aber 2020 nur eine sehr  begrenzte Entlastung gebracht und werde irgendwann auch enden.

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Der Verkehrsclub hatte neun P+R-Plätze im Speckgürtel rund um die Stadt begutachtet und festgestellt, dass sie in der Regel aus- und überbelastet seien. Bis auf den Platz in Wustermark: Dort biete die Bahn lediglich einen Stundentakt nach Berlin an. Daraus schließt der ADAC, dass überall dort in größerer Entfernung von Berlin, wo die Bahn selten und die S-Bahn gar nicht verkehrt, kein Anreiz besteht, sein Auto abzustellen.

Mehr Park and Ride bringt mehr Menschen in die Bahn

Dabei habe eine Umfrage unter ADAC-Mitgliedern ergeben, dass die Hälfte auf die Bahn umsteigen würde, wenn sie gute P+R-Plätze vorfände. Bei mehr Direktverbindungen in die Stadt wären es 60 Prozent, bei dichteren Takten zwei Drittel. Zeit würden viele jedenfalls mit der Bahn gewinnen: Bei acht der neun Plätze wären die Pendler bis zu 14 Minuten schneller am Berliner Hauptbahnhof als mit dem Auto.

Nicht sehr einladend ist das Schild, das auf einen Park-and-Ride-Platz hinweist. Foto: imago images/Hermann J. Knippertz

Insgesamt sei die Qualität der betrachteten P+R-Plätze eher mäßig. Kümmerliche Ausschilderung, mangelhafte Beleuchtung, zu wenige Abstellplätze für Fahrräder, zu weite oder schlechte Wege zum jeweiligen Bahnhof, manchmal nicht barrierefrei, fehlende WCs oder seltene Reinigung machten sie nicht attraktiv. Positiv steche Hoppegarten heraus, besonders schlecht schnitt Griebnitzsee ab.

Die Lösung des Problems sei dringlich, weil die Zahl der Pendler insgesamt seit 2000 um 58 Prozent auf 311.000 im Jahr 2019 gestiegen sei. Angesichts in den nächsten Jahren anstehender Großbaustellen wie dem Abriss der Rudolf-Wissell-Brücke, dem Umbau des Avus-Verteilers und des Tempelhofer Damms werde sich die Lage noch verschärfen.

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Der ADAC verlangt deshalb eine Verdoppelung der Stellplatz-Zahl binnen zwei Jahren, engere Bahntakte möglichst alle 15 bis 20 Minuten, bessere Ausschilderung mit Anzeige freier Plätze und digitale Informationsangebote sowie nach Hamburger Vorbild eine gemeinsame Betriebsgesellschaft von Berlin und Brandenburg für die P+R-Plätze.

Der Vorschlag, die Tarifzone B über die Stadtgrenze hinaus zu vergrößern, damit man noch in Brandenburg parkt und nicht den teuren C-Tarif, war bereits von der CDU im Abgeordnetenhaus vorgebracht worden und damit gescheitert. Eines der Gegenargumente, damit würden diejenigen, die billiger in Brandenburg wohnen, noch begünstigt. Ein Einwand, den Volker Krane, Vorstand Verkehr beim ADAC, „provinziell“ nennt.

Grafik: Hecher, Quelle: BA, dpa

Umland-Städte haben kein Interesse an Parkplätzen

Er gesteht jedoch zu, dass viele Bürgermeister in Umlandgemeinden kein Interesse an P+R hätten, was ihren Ortschaften lediglich mehr Verkehr brächte. Sie sollten einen Anreiz des Landes in Form zusätzlicher Mittelzuwendungen erhalten, mit denen sie sich auch andere Wünsche erfüllen könnten.

Schwierig findet der ADAC ein weiteres Problem, hier müsse der Bund eingreifen: Tochtergesellschaften der Bahn seien hartleibig, wenn es darum ginge, ungenutzte, allerdings oft kontaminierte Bahnflächen in der Nähe der Stationen für P+R bereitzustellen oder zu überlassen.

Dennoch sei es möglich, neue Plätze zu schaffen – teilweise existierten sie wie in Erkner schon, wenn auch nicht als P+R-Platz ausgewiesen. Weitere Möglichkeiten bestünden im Umfeld des jetzt geschlossenen ehemaligen Flughafens Schönefeld, in Dreilinden, Seegefeld, Stolpe, Birkenwerder, Bernau sowie in Ahrensfelde am Friedhof.