Flughafen Berlin-Tegel Foto: Christophe Gateau/dpa

Das Ende des Flughafens Tegel rückt näher. Die Berliner Flughafengesellschaft (BFG) hat offiziell beantragt, von der Betriebspflicht entbunden zu werden. Vier Tage nach der vollständigen Eröffnung des BER in Schönefeld soll der Betrieb enden – nach jetzigem Stand am 8. November 2020. Für diese Zeit ist in Tegel auch eine Abschiedsparty geplant. Es soll ein schönes Fest werden, hieß es. Doch es ist zu erwarten, dass sich dort auch Wut Luft machen wird. Nach Informationen der Berliner Zeitung wollen Tegel-Fans dagegen protestieren, dass ein funktionsfähiger Flughafen geschlossen wird.

„Es gibt Kreise, die sich überlegen, was sie zu der Abschiedsparty beitragen können“, sagte ein Beteiligter. „Da wird auf jeden Fall etwas abgehen. Auch ich werde dabei sein.“ Selbstverständlich werde es nicht darum gehen, Menschen zu gefährden. Doch mit Störungen sei zu rechnen, hieß es. Bei der Feier zur Schließung des Flughafens Tempelhof 2008 hatte es ebenfalls unüberhörbare Missfallensbekundungen gegeben. Dort war der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ausgepfiffen worden. Sein amtierender Nachfolger Michael Müller (ebenfalls SPD) und der jetzige Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup werden in Tegel ebenfalls damit rechnen müssen.

Bei der Flughafengesellschaft FBB weiß man, dass viele Berliner die nahende Schließung Tegels mit einer „gewissen Wehmut“ sehen. Allerdings geht man dort davon aus, dass sie im Großen und Ganzen akzeptiert werde. In einer Demokratie habe aber auch Protest seinen Platz, hieß es. Auf jeden Fall werde es einen „würdigen Abschied“ geben. Welchen Umfang die Feier erreichen wird, hänge davon ab, welche Corona-Einschränkungen gelten. Klar sei: Während in Tegel in der einen oder anderen Form auf jeden Fall gefeiert wird, soll es am Flughafen BER keine Eröffnungsparty geben.

Wie geplant soll am 31. Oktober 2020 auf dem neuen Airport in Schönefeld der Betrieb beginnen, zunächst mit Landungen. Ein wichtiger Meilenstein soll am 4. November um 5.30 Uhr erreicht werden. Von diesem Zeitpunkt an sollen die beiden Start- und Landebahnen in voller Länge funktionstüchtig sein, so die FBB. Dann beginnt der Countdown für Tegel.

Vier Tage später soll die Betriebspflicht enden, heißt es in dem Antrag an die Oberste Luftfahrtbehörde bei der Senatsverkehrsverwaltung. Von diesem Zeitpunkt an möchte die BFG Tegel den Airlines nicht mehr für Starts und Landungen anbieten. Die Pflicht, das dafür erforderliche Personal und die nötige Technik vorzuhalten, soll entfallen. Eine Folge wäre, dass die Flughafen-Feuerwehr und viele andere Mitarbeiter abgezogen und nach Schönefeld versetzt werden könnten. Dass Tegel und der BER nicht gleichzeitig betrieben werden, entlaste zudem die Deutsche Flugsicherung, hieß es. Sie habe nicht genug Lotsen, um einen solchen Parallelbetrieb längerfristig absichern zu können.

Auch nach dem Ende der Betriebspflicht wird Tegel zunächst ein halbes Jahr lang weiterhin ein Flughafen bleiben. „So könnte auch im Falle eines sehr unwahrscheinlichen, jedoch nicht gänzlich auszuschließenden schweren Zwischenfalls in der einmaligen und sensiblen Anlaufphase des BER reagiert und ein Notbetrieb zur Abfertigung des Luftverkehrs im öffentlichen Interesse über TXL gewährleistet werden“, heißt es in einem Schreiben der Flughafengesellschaft an die Oberste Luftfahrtbehörde.

Tegel bleibe noch sechs Monate lang betriebsbereit, bekräftigte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf. „Die Grundfunktionen des Flughafens, zum Beispiel dessen Bewachung, werden bis zum 4. Mai 2021 aufrechterhalten, oder sie könnten in kürzester Zeit reaktiviert werden. Da jedoch kein kommerzieller Flugbetrieb mehr stattfinden wird, spart die BFG Kosten in bedeutendem Umfang“ – intern ist von mehr als 40 Millionen Euro die Rede. Am 5. Mai 2021 ist dann aber endgültig Schluss. Mehr als 46 Jahre nach Eröffnung des heutigen Terminals A ist der Flughafen Tegel Vergangenheit. „Dann verliert er seine Eigenschaft als Flughafen.“

Am Schließungsbescheid ist nicht mehr zu rütteln

Der bereits 2006 erlassene Bescheid über den Widerruf der Planfeststellung sei bestandskräftig und unanfechtbar – ein unmissverständlicher Hinweis für die Tegel-Fans, die glauben, dass es möglich sei, den Flughafen weiterzubetreiben.

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Christian Gräff kann die Wehmut vieler Berliner verstehen. Doch er sieht das Gelände als „Zukunftsareal“, das für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins enorm wichtig sei. „Wenn der BER funktioniert, bin ich dafür, Tegel zu schließen“, sagte er.

Johannes Hauenstein war 1988 Mitgründer der Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen. Bei der Abschiedsparty werde er wahrscheinlich nicht dabei sein, sagte der Reinickendorfer. „Das ist ja etwas für die, die trauern wollen. Ich muss da nicht hin“, sagte der Tegel-Gegner. „Vielleicht macht ja das Bündnis ‚Tegel schließen, Zukunft öffnen‘ etwas. Aber ich werde nicht kommen.“