Nach einem Feueralarm auf dem BER brach am Freitag Chaos aus. Foto: dpa/Christophe Gateau

Nach wiederholten Abfertigungsproblemen am neuen Hauptstadtflughafen BER stehen die Airport-Manager unter Druck. „So ein Chaos am BER darf es nicht mehr geben“, sagte der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in einem Interview. „Die täglichen Hiobsbotschaften von Schäden und sogar Hygieneproblemen sind inakzeptabel.“ Der Bund ist Teilhaber der Flughafengesellschaft.

Personalmangel und Platzprobleme hatten in den Herbstferien für Chaos gesorgt. Am Freitag führte eine fehlerhafte Räumung des Sicherheitsbereichs zu stundenlangen Wartezeiten und Flugausfällen. Bereits abgefertigte Passagiere mussten ein zweites Mal durch die Sicherheitskontrolle. Auslöser des Alarms war möglicherweise ein heimlicher Klo-Raucher. Seit einigen Tagen ist zudem das Wasser im Terminal nicht als Trinkwasser zu gebrauchen, weil darin Keime gefunden wurden.

Die Vorgänge vom Freitag sollen intern ausgewertet werden, hieß es am Wochenende von der Flughafengesellschaft und der Bundespolizei. „Natürlich haben alle ein Interesse daran, dass das beim nächsten Mal nicht passiert“, sagte ein Flughafensprecher.

Scheuer zeigte sich gegenüber der BamS auch unzufrieden mit einem Lagebericht, den er bei der Flughafengesellschaft angefordert und am Freitag erhalten hatte. „Leider habe ich nur eine oberflächliche, vierseitige Stellungnahme ohne Details erhalten, die ich so nicht annehmen werde.“ Bis Mittwoch soll das Unternehmen weitere Informationen liefern, hieß es aus Ministeriumskreisen.

In dem Bericht vom Freitag heißt es: „Der Betrieb am BER läuft unter den gegebenen Bedingungen insgesamt stabil, aber sicher noch nicht optimal.“ Man arbeite mit Hochdruck daran, Wartezeiten zu minimieren. Das betreffe etwa die Beschilderung, zusätzliche Bestuhlung und die Sauberkeit der Toilettenräume. Geprüft wird demnach etwa eine „Kapazitätsertüchtigung der Sicherheitskontrollen“ und eine „Rekonfiguration in der Check-In Halle etc.“.

BER erwartet 350 Millionen Euro Verlust in diesem Jahr

Der Bericht schildert auch die schwierige Finanzlage des Unternehmens. Für dieses Jahr wird ein Konzernverlust von 350 Millionen Euro erwartet. Das Minus falle damit jedoch um rund 50 Millionen Euro geringer aus als geplant. Von Juli bis Oktober konnte demnach im laufenden Geschäft ein Plus erwirtschaftet werden.

Alle Flughäfen haben wegen des Einbruchs der Passagierzahlen in der Corona-Pandemie wirtschaftliche Schwierigkeiten. Den BER belasten zusätzlich hohe Schulden aus der langen Bau- und Sanierungszeit des Flughafens; er ging im vergangenen Herbst mit neun Jahren Verspätung ans Netz.

Die Flughafengesellschaft dringt auf eine Teilentschuldung durch die Länder Berlin und Brandenburg sowie den Bund als Eigentümer. Demnach werden bis 2026 rund 2,4 Milliarden Euro benötigt. Damit werde sich das Unternehmen 2026 wieder selbst am Kapitalmarkt frisches Geld beschaffen können; andernfalls sei das erst in den 2030er Jahren möglich, heißt es in dem Bericht.