Die neue provisorische Radspur in der Petersburger Straße. Den Autos bleiben zwei Fahrstreifen. Foto: Volkmar Otto

Berlin - In der Krise zeigt die Berliner Verwaltung, wozu sie fähig ist. „Was vorher im Schnitt drei Jahre gedauert hat, setzen wir jetzt innerhalb von vier bis sechs Tagen um“, sagt Felix Weisbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamts Friedrichshain-Kreuzberg. Er ist Mittwochfrüh in die Petersburger Straße gekommen, wo der Bezirk kurzfristig beidseitig einen provisorischen Radfahrstreifen markieren lässt.

„Eilbedürftigkeit ist gegeben“, sagt Weisbrich. Während der Pandemie sollten auch Radfahrer Abstand halten. Darum werde mehr Platz benötigt, und zwar schnell. Von den drei Autofahrstreifen pro Richtung fällt einer weg. Auch Parkplätze werden entfallen.

Parkplätze und einer von drei Autofahrstreifen pro Richtung entfallen

„Pop-up Bike-Lanes“: So heißen Radfahrstreifen, die ohne langen Vorlauf zügig eingerichtet werden – meist, um auf besondere Situationen zu reagieren. Weisbrich ist klar, dass die neuen Distanzregeln schnelles Handeln erfordert.

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Für ihn ist jetzige Situation eine Chance, nötige Projekte rasch umzusetzen. In der Gitschiner Straße in Kreuzberg, wo an diesem Donnerstag provisorische Radfahrstreifen eingerichtet werden, waren solche Radspuren schon lange geplant. In der Lichtenberger Straße in Friedrichshain, wo ebenfalls Arbeiten beginnen, wären sie nach dem Mobilitätsgesetz ohnehin nötig.

Genug Platz für alle. In der Petersburger Straße gibt es nun eine Alternative zum holprigen Radweg.
Foto: Volkmar Otto

Als erster Berliner Bezirk, der seine Möglichkeiten offensiv nutzt, hat Friedrichshain-Kreuzberg überregionale Aufmerksamkeit erlangt. „Aus mehreren deutschen Städten haben wir schon Anfragen bekommen, wie wir das hinkriegen“, so der Amtsleiter. Zuletzt gab es Anrufe aus Essen, Wiesbaden und Stuttgart.

Schon bald könnten weitere Radfahrstreifen „aufpoppen“

Weisbrich betont, dass er kein Sonderrecht anwende. „Die Verfahren sind rechtssicher“, sagt er. Vorschriften, die schon vor der Krise galten, würden eingehalten. Weil es sich um Hauptverkehrsstraßen handelt, wären Anordnungen der Abteilung 6 der Senatsverkehrsverwaltung erforderlich – die auch vorliegen. Die Ausgaben halten sich in Grenzen. Dem Vernehmen nach werden nach dem Rahmenvertrag, der die ersten Vorhaben umfasst, insgesamt rund 25.000 Euro fällig.

Die Anordnungen für die provisorischen Radverkehrsanlagen gelten für zwei Monate – bis die Pandemie hoffentlich vorbei ist. „Doch wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir dann alles wieder rückgängig machen würden“, so Weisbrich. Er geht davon aus, dass die Markierungen bleiben. Schon bald könnten weitere Radfahrstreifen „aufpoppen“: „Wir prüfen dies für weite Teile des Hauptstraßennetzes im Bezirk.“