Die Simulation zeigt, wie der breite Teil der Leipziger Straße umgestaltet werden könnte. Autos bekommen weniger Platz. Grafik: SenUVK/Sabeth Stickforth

Die Kritiker nehmen kein Blatt vor den Mund. „Die Leipziger Straße darf kein Nadelöhr werden. Chaos ist programmiert“, so Oliver Friederici (CDU). „Wenn sie einspurig wird, würde das zum Dauerstau führen“, warnt Henner Schmidt (FDP). „Wir befürchten extreme Rückstaus bis weit über den genannten Abschnitt hinaus“, sagt Sandra Hass vom ADAC. Die Pläne für die Straßenbahn in der Leipziger Straße in Mitte stoßen auf Kritik. Es gibt aber auch Befürworter. Holger Kölling-Orb ist da angekommen, wo er immer hinwollte.

20 Jahre sind vergangen, seitdem er und sein Mitautor Tilo Schütz vorgeschlagen haben, in der Leipziger Straße in Mitte Gleise zu verlegen. „Straßenbahn für ganz Berlin“ hieß das Buch, in dem die damaligen Studenten anregten, das Tram-Netz von fast 188 auf 517 Kilometer zu erweitern. Inzwischen hat Kölling-Orb seinen Traumjob bekommen: Als Mitarbeiter des Senatsverkehrsverwaltung plant er nun den Ausbau des Straßenbahnnetzes, und eines seiner aktuellen Projekte ist die Trasse in der Leipziger Straße.

In der Alten Münze, nicht weit von der Leipziger Straße entfernt, präsentierten Kölling-Orb und seine Mitstreiter die Pläne für die Straßenbahn, die ab 2025 zwischen dem Alexanderplatz, dem Potsdamer Platz und dem Kulturforum entstehen soll. Wenn dort 2027 die M4 den Betrieb aufnimmt, werde die Belastung der Ost-West-Straße zurückgehen, sagt er. „Wir erwarten eine deutliche Reduzierung der Verkehrsmenge – um 50 Prozent.“

Leipziger Straße: Platz für Autos und Lkws wird verkleinert 

Wer bislang mit dem Auto unterwegs ist, werde auf die Straßenbahn umsteigen oder die neuen breiten Radfahrstreifen nutzen, die ebenfalls entstehen werden. Das ist zumindest die Hoffnung. Doch bei der Versammlung gab es Kritik. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Verkehr halbiert“, rief ein Autofahrer aus Kreuzberg. „Das ist völlig unrealistisch. Viele Menschen brauchen ihr Auto.“ Bei dem bislang auf 65 Millionen Euro geschätzten Verkehrsprojekt geht es nicht nur um 4,1 Kilometer Doppelgleis und bis zu neun Haltestellen.

Tilmann Heuser Landesgeschäftsführer, BUND Berlin e.V.. 
Foto: BUND Berlin e.V. 

„Es geht auch um vernünftige Geh- und Radwege, um eine vernünftige Aufenthaltsqualität“, sagte Kölling-Orb. Anders formuliert: Es geht darum, die Leipziger Straße zu einem angenehmen Ort zu machen. Heute besteht sie zwischen Charlottenstraße und Spittelmarkt aus zwei mehr als 14 Meter breiten Fahrbahnen, meist mit jeweils zwei Fahrstreifen und einer Busspur. Einen Mittelstreifen wird es dort auch in Zukunft geben, er wird aber mit insekten- und bienenfreundlichen Pflanzen begrünt.

Der Platz für Autos und Lkw wird verkleinert. Eine Variante für das breite Teilstück der Leipziger Straße sieht vor, pro Richtung zwei Fahrstreifen für den Autoverkehr zu belassen und zwei Meter breite Radfahrstreifen zu bauen. Die Sympathien der Planer scheinen aber der anderen Variante zu gehören, die pro Richtung nur einen Fahrstreifen vorsieht, aber dafür drei Meter breite Radwege. 

Bürger können sich im Internet zur neuen City-Tram äußern 

Der Fußgängertunnel unter der Leipziger Straße wird geschlossen, dafür entstehen drei Überwege mit Ampeln. Und: Westlich vom Spittelmarkt wird in der Mitte ein drittes Gleis verlegt, damit Bahnen dort aussetzen und umkehren können. „Jede zweite Zug wird dort enden“, sagt Reupke. Auf der Neubaustrecke in Richtung Westen soll übrigens die M4 verkehren, die in Hohenschönhausen beginnt.

Am Spittelmarkt wird eine Strecke zum Halleschen Tor abzweigen. Kölling-Orb ging auch auf den Planungsabschnitt 1 rund ums Rote Rathaus ein. Normalerweise biegen die Bahnen dort in die Rathausstraße ab. Wenn der Regierende Bürgermeister zum Hoffest lädt oder die Vorfahrt für Staatsgäste gebraucht wird (was im vergangenen Jahr zehn Mal vorkam), fahren die Züge einen Umweg über die Karl-Liebknecht-Straße.

„Mehr Grün ist gut“, lobt Tilmann Heuser vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Die Planung bietet die „Chance, die überdimensionierte Verkehrsachse für die Menschen zurückzugewinnnen.“ Im Internet können sich die Bürger jetzt dazu äußern.