Der Bürgersteig in der City wird gern als Straße genutzt. Fußgänger haben das Nachsehen. Sabine Gudath

Auf den Straßen der Stadt ist noch lange nicht alles im Reinen. Viel zu oft gilt: der Stärkere verdrängt den Schwächeren. Radfahrer, die sich vor Autos auf den Bürgersteig flüchten und dort Fußgänger in Bedrängnis bringen. Der Schnellere gewinnt. Auch ein Jahr nach dem Beschluss des Fußverkehrsgesetzes gibt es aus Sicht des Fußgängerverbands in Berlin noch viel zu tun.

Marode Gehwege ärgern Senioren und Menschen mit Behinderung

Das Vorstandsmitglied bei Fuss e.V. Thomas Klein wies auf den schlechten Zustand vieler Gehwege hin. „Auf die Instandhaltung muss viel mehr wert gelegt werden, es gibt immer wieder Unfälle. Am stärksten betroffen sind Ältere und Menschen mit Behinderungen“, sagte Klein am Donnerstag.

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Verbandssprecher Roland Stimpel bemängelte, Planungen für den Ausbau des Radwegenetzes führten häufig zu Verschlechterungen für Fußgänger. Beispielsweise führten Radrouten durch Fußgängerzonen oder durch Tunnel zu S-Bahnhöfen.

Ausbau für das Rad darf nicht auf Fußgänger-Kosten geschehen

Gute Bedingungen für Radfahrer seien richtig, sagte Stimpel. „Aber zulasten des Gehens darf es nicht sein.“ Der Verein wolle weiter Druck machen und das Thema immer wieder in Erinnerung rufen. „Wir sind optimistisch, dass das Gehen einen Aufschwung erlebt“, sagte Stimpel. „Es gibt immer mehr Ältere, und auch der Klimaschutz verlangt eine Umstellung im Verkehr.“

Vor einem Jahr war das Berliner Mobilitätsgesetz um einen Abschnitt zum Fußverkehr ergänzt worden - bisher ist das nach Angaben der Senatsverwaltung für Verkehr bundesweit einmalig. Das Ziel des Senats war, unter anderem die Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit und den Komfort für Fußgänger zu verbessern.

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„Die Umsetzung steht und fällt natürlich damit, dass Personal da ist“, sagte Vorstandsmitglied Elfi Jantzen. „Und da streiten sich mal wieder die Bezirke und das Land Berlin , wer es bezahlen soll und wer zuständig ist.“ Auch Planungen von Fußverkehrsprojekten dauerten zu lange, weil Senat und Bezirke die Verantwortung hin- und herschieben würden. „Die Zuständigkeiten und die Finanzierung müssen schnell klar geregelt und gesichert werden“, sagte Jantzen.