Billig unterwegs: ein Bus eines Blablabus- Subunternehmens. Foto: Christoph Soeder/dpa

Berlin - Der Fernbusboom ist vorbei. Am Berliner Busbahnhof in Charlottenburg hat der Verkehr weiter abgenommen. Nun bemüht sich ein neuer Anbieter, mit Billigangeboten Sitzplätze zu füllen – und bietet Tickets für nur 99 Cent an.

Er ist sicher nicht der schönste Fernbusbahnhof. Doch er ist eine der wichtigsten Verkehrsdrehscheiben dieser Art in Deutschland. Der Zentrale Omnibusbahnhof am Kaiserdamm in Charlottenburg hat mehr Fernreisende als der Ostbahnhof sowie die Bahnhöfe Südkreuz und Spandau zusammengenommen. Klar ist aber auch: Das Wachstum, das seit der Liberalisierung des Fernbusmarktes die Nutzungszahlen explodieren ließ, ist vorbei. Im Jahr 2019 sind die Werte erneut gesunken, unter den Stand von 2014.

Im vergangenen Jahr haben rund 158.800 Busse die Anlage in Charlottenburg genutzt, sagt Petra Nelken, die Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Das ist deutlich weniger als im Rekordjahr 2016, als 225.000 Fahrten registriert wurden. Auch die Zahl der Fahrgäste hat angenommen – nach Schätzungen der landeseigenen BVG, deren Tochtergesellschaft IOB die Anlage betreibt, von 6,2 Millionen auf rund 5,6 Millionen.

Überregionale Entwicklungen ebenfalls Spuren hinterlassen

Die seit 2016 andauernden Bauarbeiten sind offenbar ein Faktor. Damit die abgeschabt wirkende Anlage schöner und leistungsfähiger werden kann, wurde die Kapazität eingeschränkt. Doch Beobachter  sagen, dass überregionale Entwicklungen ebenfalls Spuren hinterlassen haben. 2016 begann eine Marktkonsolidierung, die dazu führte, dass Anbieter aufgaben, Linien und Fahrten wegfielen. „Die Bus- anbieter setzen auf eine höhere Fahrzeugauslastung“, erläutert Petra Nelken. Seit dem vergangenen Juni macht der französische Anbieter Blablabus dem Marktführer Flixbus Konkurrenz. Vom ZOB sowie von den Flughäfen Schönefeld und Tegel werden rund 25 Ziele angesteuert. Am 12. März kommt das Südkreuz dazu, und sobald der BER öffnet, wird auch dort gehalten.

„Uns geht es darum, Kapazitäten möglichst gut zu füllen“, sagt Christian Rahn. Deutschland-Chef von Blablabus. Deshalb gibt es bis Ende März Tickets für 99 Cent (München, Hamburg). Noch sei das Fernbussegment nicht profitabel: „Uns war von Anfang an klar, dass wir einen langen Atem brauchen. Unser Engagement ist langfristig angelegt.“