Sieht doch gemütlich aus, oder? Im Innern des alten Stadtbahnwagens blieb die Inneneinrichtung aus den 1950er-Jahren erhalten. Der Preis ist Verhandlungssache, der Wagen rollfähig. Foto: Historische S-Bahn e.V.

Okay, man braucht etwas mehr Papier, um diese Präsente einzupacken. Doch echte S-Bahn-Fans werden sich auf jeden Fall freuen. Rechtzeitig vor Weihnachten kommen die ultimativen Geschenke für sie auf den Markt: echte S-Bahn-Wagen!

Eine kleine Flotte langgedienter Oldtimer, die einst auf den Schienen der Hauptstadt unterwegs waren, wartet auf Menschen, die sie übernehmen und pflegen. „Wir bündeln unsere Kräfte. Deshalb wollen wir einige Teile unserer Sammlung verkaufen“, sagt Robin Gottschlag vom Verein Historische S-Bahn.

Vier Jahre noch, dann wird sie hundert Jahre alt. Mit ihren rotgelben Fahrzeugen gehört die S-Bahn seit 1924 zum Berliner Stadtbild. Um die Erinnerung an die ersten Glanzzeiten wachzuhalten, wurde 1991 der Verein Historische S-Bahn gegründet. Im S-Bahn-Werk Erkner hat er seinen Stützpunkt, in Schöneweide sind weitere Wagen abgestellt. Doch die Hallen reichen nicht aus, um den gesamten Bestand vor Wind und Wetter zu schützen. Auch die Zahl der aktiven Vereinsmitglieder könnte größer sein.

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„Viele von ihnen verbringen bereits einen großen Teil ihrer Freizeit bei uns“, sagt Gottschlag, der im Verein für das Marketing zuständig ist und im Beruflichen bei der Berliner Polizei sein Geld verdient. Trotzdem gebe es nicht genug Ehrenamtliche, um alle Wagen aus den Jahren 1925 bis 1979 in Schuss halten zu können. Deshalb hat der Verein eine umstrittene Entscheidung getroffen: Die Museumsflotte muss kleiner werden – zumindest etwas.

„Ich würde gern den Fokus auf einen Waggon legen, der sich in einem recht passablen Zustand befindet“, sagt Gottschlag. „Es handelt sich um einen Prototypen der legendären Bauart Stadtbahn, der 1927 in Görlitz gebaut wurde.“

Ursprünglich wurde er als Steuerwagen in Dienst gesetzt, 1944 dann aber zu einem Beiwagen umgebaut – das Fahrzeug hat also keinen Führerstand mehr. „Der Fahrgastraum wurde bei einer Generalüberholung in den 50er-Jahren modernisiert, dabei wurden die Holzbänke durch grüne Polsterbänke ersetzt“, so der Vereinssprecher weiter. Später wechselte der Wagen zu den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), kurz nach der Wende kam er zum Verein.

Das BVG-Logo ist verblichen, die Lackierung gealtert: An dem alten Stadtbahner nagt der Zahn der Zeit. Foto: Historische S-Bahn e.V.

Ein bemerkenswertes Fahrzeug, wie Gottschlag erklärt: Im Inneren wurden längst vergangene Phasen der Berliner Stadtgeschichte konserviert. „Der rustikal-gemütliche Charme der Reichsbahn paart sich mit Piktogrammen und Liniennetzen der BVG.“

Derzeit steht der Wagen mit der Nummer 275 626 im Werk Schöneweide, ein trockenes Plätzchen hat er auf dem Gelände aber nicht. „Um den Verfall zu stoppen und die Zukunft zu sichern, sucht der Verein einen neuen Besitzer“, heißt es.

4000 Euro – so viel soll der alte Stadtbahner mindestens kosten, teilt Gottschlag mit. „Mit diesem Kaufpreis möchten wir in die Verhandlung gehen.“ Alle Preise seien verhandelbar.

Angebote nimmt der Vereinsvorstand entgegen. Selbstabholer sind willkommen, die Kosten für Abholung und Transport übernimmt der Verein nicht. Das sind die Daten für den Beiwagen, der übrigens rollfähig ist: Der Wagenkasten ist rund 17 Meter lang und drei Meter breit, das Gewicht beträgt circa 24 Tonnen.

Wann kommt der Weihnachtszug wieder?

Auf der Facebookseite des Vereins können sich Interessenten auch über die anderen Offerten informieren - zum Beispiel über den Wagen 278 104 aus dem Jahr 1926. „Bevor mit der Bauart Stadtbahn ab 1928 eine sehr erfolgreiche Großserie das neue Rückgrat der S-Bahn wurde, gab es kleinere Serien zur Erprobung“, berichtet der Vereinssprecher.

Eine von ihnen war die Bauart Oranienburg, der das angebotene, zuletzt als Gepäckwagen genutzte Fahrzeug angehört. Inzwischen hat sich dessen Zustand verschlechtert. Darum möchte der Verein auch diesen Oldtimer, der ebenfalls rollfähig ist, in gute Hände geben - in der Hoffnung, dass er noch viele Jahre existiert.

Im Fall eines anderen S-Bahn-Vehikels hat sich bereits ein Abnehmer gefunden: Das Deutsche Technikmuseum übernahm den Mannschaftswagen eines alten Gerätezugs.

Ebenfalls zu verkaufen: der S-Bahn-Wagen 278 104. Foto: Historische S-Bahn e.V.

In der Fanszene werden die geplanten Verkäufe zum Teil heftig kritisiert. „Ich glaube, ihr macht einen Fehler, der später mal bereut wird“, schreibt ein Bahnfan bei Facebook. Je mehr aktive Mitglieder es gebe, desto mehr Fahrzeuge könne der Verein selbst erhalten, entgegnet Robin Gottschlag. Einstweilen wollen seine Mitstreiter und er sich auf das Wesentliche konzentrieren. Dazu gehöre auch das Projekt Weihnachtszug.

2008 fuhr zum vorerst letzten Mal ein festlich geschmückter historischer Zug mit dem Weihnachtsmann an Bord durch Berlin – dann erreichte die damals schon schwelende S-Bahn-Krise ihre Höhepunkte, und das Unternehmen musste erst einmal ihr Tagesgeschäft in Ordnung bringen.

Bis heute konnte die Tradition, die seit den 50er-Jahren bestand, nicht wiederaufgenommen werden. „Für uns steht fest: Der Weihnachtszug wird zurückkehren, und er wird vom Verein Historische S-Bahn betrieben“, betont Gottschlag. Seit einigen Jahren sei der Verein ein Eisenbahnverkehrsunternehmen. Allerdings wäre es unseriös, ein Datum zu nennen, so der Sprecher. Nur so viel: „Noch bevor die S-Bahn hundert Jahre alt wird, sind wir mit dem Weihnachtszug wieder für die Berlinerinnen und Berliner unterwegs.“