Kippen, Kronkorken, regennasse Prospekte: Das BVG-Wartehäuschen vor den Schönhauser Allee Arcaden ist reichlich heruntergekommen. Mike Wilms

Es wäre einfach zu schön gewesen: Die völlig verkommene Straßenbahn-Haltestelle vor den Schönhauser Allee Arcaden sollte auf Vordermann gebracht werden. So hatte es die BVG versprochen, nachdem der KURIER über das anhaltende Dreck-, Müll- und Vandalismus-Problem berichtet hatte. Doch ein Kontrollbesuch des Wartehäuschens verlief enttäuschend. Die Haltestelle und auch ihr Pendant auf der anderen Straßenseite sind abgerockt wie zuvor.   

Zigarettenkippen, Kronkorken und zerknüllte Prospekte liegen unter, neben und hinter den Sitzen. Alles ist schon regelrecht zermatscht vom Regen. Auch Glasscherben und eine achtlos weggeworfene Zigarettenschachtel sind auf den ersten Blick zu erkennen. Immerhin das klebrige Geschmier, das die Wartehäuschen vor drei Wochen überzog, ist verschwunden. Doch es fragt sich, ob hier wirklich gereinigt wurde - oder ob nur der Regen Putzfrau spielte.

Reinigung alle zweieinhalb Wochen

Nachdem der KURIER am 29. Juni unter der Überschrift „Berlins verkommenste Haltestelle“ berichtet hatte, wollte die BVG den Zustand der Wartehäuschen kontrollieren. „Wir prüfen, ob die Abstände zwischen den Reinigungen verkürzt werden müssen“, sagte ein Sprecher. Bislang sei alle zweieinhalb Wochen ein Putztrupp im Einsatz gewesen - wahrscheinlich zu selten. Doch was wurde aus dem Versprechen, sich dem Ekel-Problem anzunehmen?  

„Die Haltestellen wurden gereinigt, und danach sah alles tipptopp aus“, versichert eine BVG-Sprecherin auf erneute KURIER-Anfrage. Der Standort vor den Schönhauser Allee Arcaden sei leider als problematisch bekannt. „Binnen 24 Sunden nach einer Reinigung kann es dort schon wieder so aussehen wie vorher“, sagt die Sprecherin. Man könne bedauerlicherweise gar nicht so oft putzen, wie es nötig wäre, damit die Haltestellen immer in Top-Zustand sind.

Die BVG-Sprecherin weist auch darauf hin, dass die Verkehrsbetriebe die Unordnung ja nicht selbst verursachen. Da hat sie natürlich recht: Es sind die Leute, die mit Dosenbier und Schnapsflaschen die Wartehäuschen zu Freiluft-Kneipen machen. Es sind die nächtlichen Graffiti-Schmierer und Scheiben-Eintreter. Und es sind sicher zum Teil auch Fahrgäste, die achtlos Kippen, Kaffeebecher und Kaugummis auf den Sitzen und auf dem Boden entsorgen.    

Auch das Wartehäuschen auf der gegenüberliegenden Straßenseite schreit nach einer Reinigung. Mike Wilms

Grundsätzlich war der BVG schon vor längerer Zeit aufgefallen, dass es vor den Arcaden offenbar ein Vandalismus-Problem gibt. Die Scheiben des dortigen Wartehäuschens seien „mehrfach zerstört und mehrmals erneuert“ worden. Das hatte ein BVG-Sprecher dem KURIER bereits beim ersten Telefonat vor drei Wochen gesagt. Man habe vorerst entschieden, auf Seitenscheiben zu verzichten, weil Rowdys das Glas ja doch immer wieder kaputtmachen.

Die BVG will nun erneut Mitarbeiter bitten, sich den Zustand der beiden betroffenen Tram-Haltestellen anzusehen. Womöglich findet sich ja doch noch ein Weg, das Vermüllungsproblem an der Schönhauser Allee zu lösen.