Bereit für den Berliner Winter: In der Klimakammer des Rail Tec Arsenals in Wien wurde ein Zug der neuen S-Bahn-Generation extremen Wetterlagen ausgesetzt – auch klirrendem Frost. Foto: Peter Neumann

Ganz ohne Probleme ging es nicht ab, sagte Peter Buchner. Von Langeweile keine Spur, berichtete der Chef der S-Bahn Berlin am Mittwoch. Doch unterm Strich seien die ersten Züge der neuen S-Bahn-Generation, die seit Anfang des Jahres Fahrgäste befördern, überaus zuverlässig. „Wir sind sehr zufrieden mit den neuen Fahrzeugen“, lautete Buchners Bilanz nach hundert Tagen Betrieb. Er setzt sich dafür ein, dass die nächsten Züge schon im kommenden Herbst in den Einsatz kommen. Bislang sollte es nach dem Plan des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) erst im Sommer 2022 so weit sein. Doch die Serienfahrzeuge werden schon von diesem Sommer an geliefert. Sie sollen nicht ungenutzt herum stehen.

Am Neujahrsmorgen um 0.01 Uhr ging es los. Seitdem können Fahrgäste auf der Linie S47, die Spindlersfeld mit der Hermannstraße verbindet, die Vorserienfahrzeuge testen. Die fünf Vier-Wagen-Einheiten und fünf Zwei-Wagen-Verbände bilden den Grundstock der Neubauflotte, die künftig mit insgesamt 382 Wagen im Südosten Berlins sowie auf dem Ring unterwegs sein soll.

150.000 Kilometer Testfahrten

Vorgabe war, die neuen Bahnen so zuverlässig wie möglich zu machen. Als die Temperaturen im Februar weit unter den Gefrierpunkt sanken, lösten sie das Versprechen ein. „In diesem Winter bewiesen die neuen Fahrzeuge, dass sie besser mit den Verhältnissen zurechtkamen als andere Züge“, lobte Peter Buchner. Während die älteren Fahrzeuge vor Flugschnee und anderen Winterphänomenen kapitulierten, fuhr die Baureihe 483/484 weiter.

Ein Faktor war, dass ihre Leistungselektronik hermetisch abgeschottet ist. Anders als bei der Baureihe 481, die heute noch den Großteil der Flotte stellt, kann kein Schnee in die Kästen eindringen und die Technik lahmlegen. Ein weiterer Unterschied betrifft die Anlage, die den für die Bremswirkung wichtigen Sand liefern soll. In den neuen Zügen befindet sie sich relativ weit oben im Führerstand, weshalb der Sand genug Gefälle zum Rieseln hat. Bei der Baureihe 481 ist die Fallhöhe viel geringer. Bei Schnee verstopft die Anlage leicht.

„Einen so guten Start habe ich selten bei einem neuen Schienenfahrzeug erlebt“, sagte Gerald Winzer von Siemens. Doch eine Bewährungsprobe stehe noch aus, gab Nicklas Meyer von Stadler zu bedenken. Funktioniert die Klimatisierung bei Hitze?

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In der Klimakammer, in der extreme Wetterlagen simuliert wurden, habe es jedenfalls keine Probleme gegeben. „Auch nicht bei den Probefahrten in Berlin, die zum Teil im heißen Sommer 2020 stattfanden“, so der Projektleiter. Wie überhaupt das ganze rund 150.000 Kilometer umfassende Testprogramm dazu beigetragen habe, dass Fehler erkannt und beseitigt werden konnten, bevor der Fahrgastbetrieb begann. Als sich zeigte, dass die Stromabnehmer mit manchen älteren Stromschienen in Werkstattbereichen nicht harmonierten, wurde eine angepasste Variante entworfen – und inzwischen montiert.