Der Chef in seinem neuen Bahnhof: Engelbert Lütke Daldrup, Vorstandsvorsitzender der Flughafengesellschaft, in der Bahnstation unter dem BER. Foto: Berliner Kurier/ Benjamin Pritzkuleit

Oben wurde noch gebaut, gebastelt und nachgebessert, unten fuhren schon S-Bahn-Züge – wenn auch noch ohne Fahrgäste. Neun Jahre nach seiner Inbetriebnahme ist der Bahnhof unter dem zentralen Fluggastterminal des BER am Sonntag feierlich eröffnet worden. Von diesem Montag an können die neuen Schienenwege zum künftigen Hauptstadt-Airport von den Fahrgästen genutzt werden. Den Anfang macht die S-Bahn-Linie S9. Von Donnerstag an fährt auch die S45 dorthin. Wenn der BER am Sonnabend eröffnet wird, wird er zudem mit Fern- und Regionalzügen erreichbar sein.

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„Wer vom BER fliegt, kann zumindest die Anfahrt klimafreundlich gestalten“, sagt Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB) für Berlin. Er war an Bord der S-Bahn-Eröffnungsfahrt zum neuen Flughafen. „Der BER wird weltweit zu den Flughäfen gehören, die am besten in das Bahnnetz integriert sind“, – während der Flughafen Tegel vom übrigen Stadtgebiet aus ausschließlich auf der Straße erreichbar ist.

Für 3,60 Euro pro Ticket haben die Fahrgäste die Wahl. So rollen viermal pro Stunde Regionalzüge von Berlin zum BER. Besonders zügig ist der Flughafen-Express FEX, der im 30-Minuten-Takt verkehrt. Die roten Doppelstockzüge sind vom Hauptbahnhof 30 Minuten unterwegs, von Gesundbrunnen 25 und von Ostkreuz 15 Minuten.

Jeweils stündlich machen sich RE7 und RB14 auf den Weg zum BER. Vom Bahnhof Friedrichstraße dauern die schnellsten Zugfahrten 31, vom Alexanderplatz 27 Minuten. Die Züge halten ebenfalls im Hauptbahnhof und am Ostkreuz. Länger dauern die Fahrten mit S45 und S9, die jeweils alle 20 Minuten verkehren – insgesamt also sechsmal stündlich. Doch weil S-Bahnen öfter halten, bieten sie auch mehr Direktverbindungen zum Flughafen.

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Zur Eröffnungsfeier im neuen Flughafenbahnhof war auch ein weißer Doppelstock-Intercity gekommen. Züge wie dieser sind auf der IC-Linie 17 unterwegs, die den BER unter anderem mit Oranienburg, Neustrelitz und Rostock in der einen sowie mit Dresden in der anderen Richtung verbinden. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup wünscht sich, dass auch ICE-Züge unter dem BER halten. „Doch dazu gibt es keine Planung“, bekräftigte Alexander Kaczmarek. Bislang hielten sich die Fahrgastzahlen im Fernverkehr nach Schönefeld „in überschaubaren Grenzen“.

Vom 31. Oktober an halten auch Fern- und Regionalzüge unter dem Flughafen. Zur Feier am Sonntag waren schon mal zwei dieser Züge gekommen. Foto: Berliner Kurier/Benjamin Pritzkuleit

Auch in den übrigen Zügen zum BER dürfte auf absehbare Zeit wenig los sein. Im Vergleich zur Zeit vor Corona sind die Fluggastzahlen in Berlin auf rund 20 Prozent gesunken. „Wir können keine Fluggäste herzaubern, aber wir können sie zumindest umweltgerecht befördern“, so Kaczmarek.

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„Zeit zum Üben hatten wir genug“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner. Bereits am 30. Oktober 2011 gingen die Schienenwege nach etwas mehr als viereinhalb Jahren Bauzeit in Betrieb. Von 2012 an fuhren regelmäßig S-Bahnen ohne Fahrgäste zum BER, berichtete Projektleiter Holger Ludewig: „Es ging weniger darum, die Anlagen zu belüften, als darum, sie regelmäßig zu kontrollieren und die Technik funktionsfähig zu halten.“

„Es gibt nicht viele Bahnhöfe auf der Welt, deren Bezeichnung sich bereits vor der Inbetriebnahme zweimal geändert hat“, sagte Peter Schulze von der DB. 2011 mussten Zusatzschilder montiert werden, die auf den Namensgeber des Flughafens, den früheren Bundeskanzler und SPD-Politiker Willy Brandt, hinweisen. In diesem Jahr kam die nächste Neuerung: Aus Flughafen Berlin Brandenburg wurde Flughafen BER – Terminal 1–2.