Berlin: Der Kaiserdamm mit vielen Autos, der Deutschen Lieblinge. dpa/Monika Skolimowska

Die Politik wirbt und wirbt für Bus und Bahn, hilft aber offenbar nicht: Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland fährt nach wie vor am liebsten mit dem Auto. 70 Prozent der Befragten nannten in einer am Dienstag veröffentlichten bundesweiten Umfrage das Auto als das Verkehrsmittel, das ihre Bedürfnisse am besten erfüllt. Dabei sind elektrische Autos inbegriffen. Zug, S-Bahn, Straßenbahn und Bus rangieren dagegen hinter dem zu Fuß Gehen und Radfahren. Die Ergebnisse haben jedoch einen Haken.

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Das Umfrageinstitut Yougov hatte 4173 Menschen befragt, und das ist der Haken: Das erfolgte vor Beginn des Ukraine-Kriegs und dem darauf folgenden Benzinpreissprung. Auftraggeber war die Versicherung HUK Coburg.

Fahrrad hängt die Öffis bei der Beliebtheit im Verkehr ab

Lediglich 16 Prozent nannten die Bahn als ideales Verkehrsmittel. Bei Bus beziehungsweise S- und Straßenbahn waren es jeweils 12 Prozent. 32 Prozent nannten Fahrrad beziehungsweise E-Bike – dabei sind Doppelnennungen herausgerechnet. Die Befragten mussten sich nicht für ein Verkehrsmittel entscheiden, Mehrfachantworten waren möglich.

Die HUK veröffentlichte ihre Mobilitätsstudie nach 2021 zum zweiten Mal. Auffällig im Vergleich zu der vom Corona-Lockdown geprägten Vorgängerumfrage ist vor allem, dass sich viel weniger Leute gern auf Schusters Rappen fortbewegen. Vor einem Jahr hatten noch 38 Prozent gesagt, dass sie am liebsten zu Fuß unterwegs seien, jetzt waren es nur noch 29 Prozent.

Autos (2021: 73 Prozent) haben mit 70 Prozent zwar leicht an Beliebtheit verloren und öffentliche Verkehrsmittel leicht gewonnen, aber am grundsätzlichen Bild hat sich nichts Wesentliches geändert.

Kosten sind den Deutschen beim Verkehr wichtiger als die  Umwelt

Ebenso spielen die Kosten für viele Bürger eine größere Rolle als der Umweltschutz: Auf die Frage nach den wichtigsten Inhalten eines Verkehrskonzepts antworteten 49 Prozent, dass Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen bezahlbar sein solle. 37 Prozent plädierten für generell niedrigere Kosten. Dagegen sagten 26 Prozent, dass der Verkehr keine Treibhausgase erzeugen solle.

„Für die Mehrzahl der Deutschen ist das alleinige Zurückdrängen des Autos keine zielführende Zukunftsstrategie, auch nicht in den Städten“, sagte HUK-Vorstandsmitglied Jörg Rheinländer. „Favorisiert wird der Umstieg auf Elektro- oder andere CO2-freie Antriebe, verbunden mit der Forderung nach einer deutlichen Kostensenkung für erneuerbare Energien.“

In Sachen Elektroautos wird in der Umfrage ein Ost-West-Gefälle deutlich: So sagten in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern jeweils 13 Prozent oder weniger, dass für sie künftig beim Autokauf nur noch ein E-Fahrzeug in Frage komme. Im bundesweiten Durchschnitt waren es 19 Prozent. An der Spitze steht Berlin. Dort erklärten 28 Prozent, dass sie sich in Zukunft ausschließlich Elektroautos anschaffen wollten.