Noch stoppen sie - hier ein Regionalexpress der Deutschen Bahn (DB) im Berliner Ostbahnhof. Doch vom 13. Dezember fahren viele Züge dort durch. Foto: Berliner Kurier/ Volkmar Otto

Es war einmal: In DDR-Zeiten wurde er mit großem Aufwand zum Hauptbahnhof ausgebaut. Doch in den vergangenen Jahren hat der Ostbahnhof in Friedrichshain an Bedeutung verloren. Zum kommenden Fahrplanwechsel wird das Zugangebot nun erneut gekürzt. Denn dann werden zahlreiche Regional- und mehrere Fernverkehrszüge nicht mehr dort halten, teilte die Deutsche Bahn der Berliner Zeitung auf Anfrage mit. Fahrgäste und Anwohner kritisieren, dass Verbindungen schlechter werden. „Der letzte Fernbahnhof Ost-Berlins wird abgewickelt“, hieß es im Ostkreuzblog bei Twitter.

Mit dem Zug zum Flug: Anfangs wird das vom Ostbahnhof aus noch relativ zügig gehen. Wenn Ende Oktober der neue Hauptstadt-Airport in Schönefeld öffnet, sorgt zunächst der Regionalverkehr zweimal stündlich für schnelle Direktverbindungen. Mit der Regionalexpresslinie RE7 wird die Fahrt zum BER 23 Minuten dauern, die Regionalbahnlinie RB14 bewältigt die Distanz sogar in nur 22 Minuten.

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Doch den attraktiven Express-Service vom Ostbahnhof zum neuen Flughafen wird es erst einmal nur anderthalb Monate geben. Nach dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember bleibt Fahrgästen, die nicht umsteigen wollen, auf dieser Relation nur noch die S-Bahn, die 39 Minuten unterwegs ist. „Der RE7 und die RB14 halten dann nicht mehr im Ostbahnhof“, sagte ein Bahnsprecher. Außerdem wird auf der Regionalexpresslinie RE1, die Frankfurt (Oder) mitMagdeburg verbindet, die Zahl der Stopps im Ostbahnhof fast halbiert. Nur die Züge von und nach Magdeburg werden noch Halte einlegen. Dagegen stoppen die Züge, die in Brandenburg beginnen und enden, lediglich am Tagesrand dort.

„Todesstoß für die Gewerbetreibenden im Bahnhof“

Damit nicht genug: Auch die zweistündlichen Intercity-Züge Berlin-Amsterdam verschwinden ab Mitte Dezember im Ostbahnhof vom Programm. „Sie beginnen und enden dann im Berliner Hauptbahnhof“, teilte der Sprecher mit. Auf der ICE-Linie Berlin-Frankfurt (Main) Flughafen entfallen 2021 zeitweilig Stopps im Ostbahnhof. Teilweise werde das Angebot aber auch aufgestockt, hieß es. So verkehre die stündliche ICE-Linie Berlin-Düsseldorf/ Köln ab Mitte Dezember zum Ostbahnhof.

Warum kommt es zu den Änderungen? „Hintergrund sind Sanierungsarbeiten“, so die Bahn. Wie berichtet werden die beiden rund 85 Jahre alten Gleishallen bis 2025 modernisiert – bei laufendem Betrieb. Da aber unter schwebenden Lasten keine Züge fahren dürfen, müssen immer wieder Bahnsteiggleise gesperrt werden. Das schränkt die Kapazität vorübergehend ein.

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Bereits Ende 2017 war das Zugangebot verkleinert worden – damals aber aus einem anderen Grund. Damit der Regionalexpress RE 2 (Cottbus-Wismar) trotz des neu eingelegten Haltes am Ostkreuz seinen Fahrplan halten konnte, wurde der Halt im Ostbahnhof gestrichen. Die nun geplanten Änderungen könnten der „Todesstoß für die Gewerbetreibenden im Bahnhof“, sein, schrieb ein Bürger dem Friedrichshainer SPD-Abgeordneten Sven Heinemann. Dabei könne die Station mit ihren zahlreichen Buslinien als idealer Zugangspunkt zum neuen Flughafenexpress dienen.

Die Änderungen seien „schade für den Ostbahnhof“, so Heinemann. „Aber das Ostkreuz ist einfach zu erfolgreich.“ Seitdem dort auch Regional- und sogar einzelne Fernzüge halten, sei der Kreuzungsbahnhof immer wichtiger geworden. Dagegen ist der einst wichtige Ostbahnhof, der seit 178 Jahren besteht, der große Absteiger unter den Berliner Bahnstationen.