Eine Straßenbahn der Linie M2 an der Wendeschleife in Heinersdorf. Foto: Volkmar Otto

Vor 20 Jahren kostete ein Einzelfahrschein umgerechnet nur etwas mehr als zwei Euro, und damals durften die Nutzer innerhalb von zwei Stunden sogar gratis zurückfahren. Vom Januar des kommenden Jahres an wird der Preis nun um 50 Prozent höher sein als damals. Dann wird der Tarif, der derzeit noch 2,90 Euro beträgt, die psychologisch wichtige Marke von drei Euro erreichen. So hat es am Mittwoch der Aufsichtsrat des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) beschlossen, in dem die beiden Bundesländer sowie die kreisfreien Städte und Landkreise vertreten sind. Für eine einzelne Monatskarte für Berlin werden die BVG, die S-Bahn und die anderen Betriebe nach dem Jahreswechsel 86 Euro verlangen. Das sind zwei Euro mehr als jetzt. Damit wird dieses Ticket 60 Prozent teurer sein als vor 20 Jahren. Bei den Parkgebühren hat es keinen solchen Anstieg gegeben.

Der Tarif der Berliner Tageskarte steigt von 8,60 auf 8,80 Euro. Auch wer ins Umland reist, zahlt mehr. Für einen Fahrschein für den Tarifbereich ABC werden statt 3,60 in Zukunft 3,80 Euro verlangt. Eine Monatskarte für Berlin und Umland verteuert sich um 104 auf 107 Euro.

Für die Mobilitätswende sei es das „falsche Signal“, wenn ein Einzelfahrschein für Berlin demnächst drei Euro kostet, sagt der Grünen-Verkehrspolitiker Harald Moritz. Mit der nun beschlossenen Tariferhöhung, die der BVG 17 Millionen Euro und den Brandenburger Betrieben sogar nur einen einstelligen Millionenbetrag einbringen würde, ließen sich die coronabedingten Finanzlöcher nicht schließen. Der Staat müsse mehr Verantwortung übernehmen. „Wir brauchen andere Finanzierungsquellen“, forderte er. „Beim Nahverkehr wird um jeden Euro gefeilscht. Doch wenn es um den Flughafen BER geht, fließen die Millionen.“

Wenn eine Preiserhöhung als unumgänglich eingeschätzt werde, sollten zumindest die Stammkunden verschont bleiben, hatte die Berliner SPD zuvor gefordert. In Berlin, Brandenburg/Havel und Frankfurt (Oder) bleiben die Preise der Umweltkarten-Abonnements  nun unverändert. Auch das VBB-Firmenticket wird nicht teurer. Das VBB-Abo 65plus für Senioren kostet statt 612 aber künftig 624 Euro pro Jahr.

Die jetzige Tarifdebatte fand in einem schwierigen Umfeld statt. So hat die Coronakrise dazu geführt, dass Fahrgastzahlen und Fahrgeldeinnahmen gesunken sind. Allein die landeseigene BVG kalkuliert für 2020 mit einem Zuschussbedarf von mindestens 130 Millionen Euro. Auch die Brandenburger Betriebe geraten zunehmend in die Bredouille. Zwar hat der Bund angesichts einen Corona-Rettungsschirm für den Nahverkehr aufgespannt, der 2,5 Milliarden Euro umfasst. Doch das Geld wird wohl nicht reichen. Bei den Städten und Landkreisen, denen die öffentlichen Verkehrsunternehmen gehören, werden die finanziellen Spielräume allerdings immer kleiner.

Eine weitere Verschärfung der Lage zeichnet sich ab. Bundesweit verlangt die Gewerkschaft Verdi bessere und einheitliche Arbeitsbedingungen im Nahverkehr, am Donnerstag wurde die Forderung mit einem ersten Warnstreik unterstrichen. Auf Landesebene schürt Verdi ebenfalls Tarifkonflikte. Würde sich die Gewerkschaft auf ganzer Linie durchsetzen, würden die Personalkosten bei der BVG um rund 19 Prozent, bei manchen Brandenburger Betrieben sogar um 25 Prozent steigen.

Vor allem im Land Brandenburg waren die Rufe nach einer Fahrpreiserhöhung besonders laut. Dortige Verkehrsbetriebe hatten 2,4 Prozent, die der kreisfreien Städten sogar 2,7 Prozent mehr verlangt. Nun werden es verbundweit 1,9 Prozent. „Der Preis ist nur ein Kriterium von vielen, warum Menschen Busse und Bahnen nutzen“, sagte Frank Wruck, Geschäftsführer der Barnimer Busgesellschaft in Eberswalde. „Viel wichtiger sind schnelle Verbindungen und ein guter Fahrplan.“