Nur wenige Fahrgäste sind in diesem Bus unterwegs. Viele Pendler weichen aufs Auto oder aufs Fahrrad aus. Foto:imago images/Stefan Zeitz

Ein  Spaziergang genügt, um zu erkennen, dass sich etwas im Berliner Verkehr verändert hat. Zwar gibt es Staus wie vor Corona, doch die Busse der BVG sind ziemlich leer. Selbst in der U-Bahn kann man unter freien Sitzplätzen wählen.  Natürlich ging auch früher im Sommer die Zahl der Pendler zurück. Bislang war es allerdings so, dass an ihrer Stelle Berlin-Besucher mitfuhren. Doch sie sind wegen Corona rar geworden. In Wochenendnächten hat man den Eindruck, dass junge Männer in unterschiedlichen Aggressions- und Trunkenheitsstadien dominieren.  

Corona hat zu einer Angleichung an Regionen geführt, in denen der Nahverkehr kein Jedermann-Vehikel mehr ist. Auch in Berlin zeigen Fahrgastzahlen und Ticketeinnahmen den Rückgang seiner Bedeutung. Pendler zogen sich in die ansteckungssichere Hülle ihrer Autos zurück, andere aufs Fahrrad. 

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Die Befürchtung, dass der Nahverkehr unter der Pandemie besonders leiden wird, scheint sich zu bewahrheiten. Der Senat erhörte zwar den Ruf nach Finanzhilfen, verpasste jedoch die Chance, in  größerem Rahmen über die Zukunft von Bahn und Bus zu sprechen. Aber was soll man auch von den Spitzen einer Verwaltung erwarten, die privat vor allem mit dem Rad unterwegs ist. Berlins Nahverkehr hat keine Lobby, die gehört wird.

Dass in dieser Situation die Gewerkschaft fordert, die Arbeitsbedingungen im Nahverkehr zu verbessern, mag befremden. In der Krise sollen die Personalkosten steigen? Doch jahrelang wurde gespart, die Arbeit als Fahrer ist hart,  tausende Beschäftigte gehen in den nächsten Jahren in Rente. Wenn der Nahverkehr in Zeiten der Erderwärmung mehr Bedeutung bekommen soll, muss er besser werden. Die Politik muss sich mehr kümmern. So einfach.