Rund 70 Meter lang, überspannt die preisgekrönte sanierte Betonbrücke von 1905 die Schwarze Elster. Die Arbeiten kosteten knapp eine halbe Million Euro. dpa/ Sören Stache

Es ist der stille Traum eines jeden Auto- oder Lastwagenfahrers: Eine Fahrt über Land ohne Baustelle oder Umleitung. Der Traum wird niemals wahr, auch nicht in Brandenburg. Denn in den kommenden 30 Jahren müssen etwa 440 der derzeit 1556 Brücken, für die die Straßenbauverwaltung des Landes verantwortlich ist, saniert oder erneuert werden.

Was das kosten wird, weiß noch niemand. 2021 wurden im Land 375 Millionen Euro in den Ausbau der Bundes- und Landesstraßen investiert, 33 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Das Ergebnis ist nicht immer „nur“ eine reparierte Brücke, sondern ein Schmuckstück: 2020 wurde die 1904/1905 aus Stampfbeton errichtete Straßenbrücke über die Schwarze Elster bei Uebigau-Wahrenbrück (Landkreis Elbe-Elster) mit dem Deutschen Brückenbaupreis ausgezeichnet, verliehen von der  Bundesingenieurkammer und dem Verband Beratender Ingenieure.

„Die Sicherheit und Funktionsfähigkeit von Brücken ist im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger“, sagte Rainer Genilke, Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur. Regelmäßig würden die Brücken auf Tragfähigkeit, Standsicherheit und ihren baulichen Zustand überprüft und beobachtet.

Von den 806 Brücken an Bundesstraßen sind 207 in sehr gutem oder gutem Zustand. Bei mehr als der Hälfte wird der Zustand als befriedigend bezeichnet. 176 Brücken wurden als ausreichend, nicht ausreichend oder ungenügend bewertet. Bei den 750 Brücken an Landesstraßen ist der Zustand bei 161 sehr gut oder gut, bei 337 befriedigend und bei 252 ausreichend, nicht ausreichend oder ungenügend. Im Land entstanden die meisten Brücken über Bundes- und Landesstraßen zwischen 2000 und 2004.

Nach Angaben der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH des Bundes gibt es 1029 Autobahnbrücken, die im Durchschnitt 26 Jahre alt sind. Bei 154 dieser Bauwerke ist nach den Angaben der Zustand sehr gut, bei 363 gut und bei 415 befriedigend. Bei zwei Brücken ist er ungenügend. „Keine der zum Autobahnnetz im Land Brandenburg gehörenden Brücken ist gesperrt“, sagte die Sprecherin. Größter Handlungsbedarf bestehe nach der aktuellen Lage auf dem westlichen und östlichen Berliner Ring (A 10).

Brücken sollen 80 Jahre lang halten

In der Regel werden Brücken für einen Zeitraum von 80 bis 100 Jahren gebaut. Der zunehmende Verkehr, vor allem durch Schwerlasttransporte, aber auch Materialprobleme oder Korrosionen reduzieren die Lebensdauer jedoch. Alle sechs Jahre gibt es eine Hauptprüfung und drei Jahre danach eine weitere. Dazu stehen auf dem Programm jährliche Besichtigungen, und alle halbe Jahr eine Begutachtung durch die zuständige Straßenmeisterei.

Zum Straßennetz in Brandenburg gehören 806 Kilometer Bundesautobahnen, 2740 Kilometer Bundesstraßen, 5680 Kilometer Landesstraßen und 2082 Kilometer Radwege.