Je nach Tageszeit und Witterung kann man die Friedrichstraße als menschenleere Einöde oder belebten Wohlfühlort fotografieren. Für Verdruss bei Fußgängern sorgt die Radler-Piste in der Mitte der Fahrbahn. Gerd Engelsmann

Das heftig umstrittene Projekt autofreie Friedrichstraße soll nicht nur fortgeführt, sondern sogar verschärft werden: Nach den Autofahrern werden nun sogar die Radfahrer verbannt! Geplant sei, den breiten Radweg in der Straßenmitte abzuschaffen, teilte die Verkehrsverwaltung am Donnerstag mit, nachdem die „Berliner Morgenpost“ berichtet hatte.

Die bisher verfolgte Idee einer „Flaniermeile“ mit dem Fußverkehr im Mittelpunkt habe so nicht funktioniert, sagte ein Sprecher. Als problematisch habe sich insbesondere der Radweg erwiesen. Künftig hätten überall Fußgänger Vorrang. „Das ist eine entscheidende Verbesserung.“ Denn dadurch ergäben sich komplett neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Erhoffter Aufschwung für die Geschäfte an der Friedrichstraße ausgeblieben

Der Verkehrsversuch zur „Flaniermeile Friedrichstraße“ hatte im August 2020 begonnen. Auf einem etwa 500 Meter langen Abschnitt zwischen Französischer und Leipziger Straße, an dem auch das Luxus-Kaufhaus Galeries Lafayette liegt, sind Autos seither tabu.

Allerdings blieb der erhoffte Aufschwung für die Geschäfte entlang der Einkaufsstraße bislang aus. Laut Aktionsbündnis „Rettet die Friedrichstraße“ ging die Zahl der Besucher seit Start des Projekts sogar zurück - was allerdings auch an der Corona-Pandemie liegen könnte. Im Radiosender 105‘5 Spreeradio hatte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey gesagt, sie höre von den Geschäftsleuten in der Straße, dass sie weniger Kunden hätten. Die Straße müsse so gestaltet werden, dass sie „ansehnlich ist, ein lebenswerter Ort ist und dass Menschen dort angezogen werden.“

Die von den Grünen geführte Senatsverkehrsverwaltung und der Bezirk Mitte hatten das Projekt noch 2021 als Erfolg gewertet, die Rede war von einer dauerhaften Sperrung für Autos. Im Februar hatte Jarasch gesagt, sie könne sich auch eine Sperrung des Autoverkehrs in weiteren großen Einkaufsstraßen vorstellen. Als Beispiele nannte sie Hackescher Markt und Tauentzienstraße.