Die Salvador-Allende-Brücke. Foto: imago images / Schöning

Der Verkehrsfunk informiert jeden Morgen über dasselbe Chaos: Stau in Köpenick in Richtung der Langen Brücke. Autofahrer müssten 30 Minuten mehr einplanen. Egal, ob sie in die Stadt fahren wollen oder in die andere Richtung. Seit Monaten geht das schon so, quälen sich Autos und Busse aus oder in Richtung Müggelheim, Wendenschloss und dem angrenzenden Landkreis Oder-Spree über die in jede Richtung einzige vorhandene Spur. Und auch der zweite Weg, der in die Innenstadt führt, ist derzeit noch ein Nadelöhr: Die Allende-Brücke. Nur eine Hälfte des Viadukts ist derzeit für den Verkehr geöffnet. Selbst am Wochenende stehen die Autos dort Stoßstange an Stoßstange.

An diesem Mittwochvormittag ist die Situation an der Langen Brücke wie immer. Autofahrer müssen viel Geduld mitbringen, wenn sie sich in die einzige vorhandene Spur einfädeln. Nur dass diesmal ein Bagger auf der noch bis Dienstag für den Verkehr geöffneten südlichen Behelfsbrücke Asphaltteile auf die Ladefläche eines Lasters schaufelt.

Chaos mit Ansage

Entlastung für genervte Autofahrer, Radler und Fußgänger ist erst einmal nicht in Sicht. Denn für drei Wochen werde der Verkehr auf jeweils einer Spur in beide Richtungen nunmehr über die historische Gewölbebrücke geführt. Ab Ende Juli aber sollen wieder zwei Brückenteile – die historische Gewölbebrücke und das südliche Behelfsbauwerk – für den Fahrzeugverkehr zur Verfügung stehen. Dann soll es in jede Richtung wieder zwei Spuren geben.

Köpenicker Autofahrer erleben seit sehr langer Zeit einen Stillstand, den sie nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln so einfach umfahren können. Ein Chaos mit Ansage, denn an den beiden Brücken wurde Jahrzehnte lang nichts getan. Es begann zunächst an der Allende-Brücke, einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung in Köpenick. Vor 20 Jahren war an der Überfahrung der Müggelspree der sogenannte Betonkrebs festgestellt worden.

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Doch für einen Neubau fehlte dem Land das Geld. 2014 musste ein Brückenteil gesperrt werden. Experten hatten große Risse in dem Bauwerk festgestellt. Vier Jahre später blieb nichts anderes übrig: Der betroffene Teil des Viadukts musste abgerissen werden. Fortan schob sich der Verkehr über den östlichen Teil der Brücke – im Schneckentempo.

Anfang des vergangenen Jahres musste auch der zweite Brückenteil gesperrt werden. Der Verkehr schleppte sich nun über die noch verbliebene Lange Brücke. Ein Lichtblick tat sich auf, als ein erster Teil der Allende-Brücke gebaut und wieder für den Verkehr freigegeben wurde. Das war im November vergangenen Jahres. Doch das Aufatmen bei den Verkehrsteilnehmern hielt nicht lange vor.

Mit Tempo 10 auf der Langen Brücke

Auf der Langen Brücke, auf der wegen ihrer Baufälligkeit sowieso nur noch Tempo 10 erlaubt war, wurde im vergangenen Dezember eine Spur in Richtung Innenstadt gesperrt – wegen eines klappernden Bodenbleches. Es dauerte Wochen, bis das Blech befestigt und kurz darauf die andere Spur der Brücke gesperrt wurde. Seitdem hat sich nicht viel getan. Vor zwei Wochen begann die BVG, Gleise für die Straßenbahn zu erneuern. Dadurch lahmt der Verkehr auch in Richtung Müggelheim zu jeder Tageszeit.

Die Senatsverwaltung für Verkehr verspricht nun, die nördliche Behelfsbrücke der Langen Brücke bis Mitte des kommenden Jahres zu sanieren. Dann soll der Verkehr dauerhaft zweispurig über die Dahme rollen und Straßenbahnen separat über die südliche Behelfsbrücke fahren. Weiterhin sei geplant, die Allende-Brücke im nächsten Jahr fertigzustellen. Die Baumaßnahme liege im Kostenrahmen von 37 Millionen Euro, teilte die Verkehrsverwaltung mit.

Er begrüße es, dass an den Brücken etwas getan werde, um die Verkehrssituation in Köpenick zu entspannen, sagt Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD). Jede Brücke sei lebensnotwendig - sowohl für Autofahrer, als auch für Fußgänger und Radfahrer. Igel appelliert an den Senat, alle möglichen Baukapazitäten und finanziellen Mittel in notwendige Brückensanierungen zu stecken.