Immer wieder werden Radfahrende durch völlig vermeidbare Unfälle schwer verletzt (Symbolbild).
Immer wieder werden Radfahrende durch völlig vermeidbare Unfälle schwer verletzt (Symbolbild). IMAGO/photothek

Es ist einer dieser völlig vermeidbaren Unfälle, die sich nun wieder häufen: Eine Radfahrerin ist am Donnerstagabend in Charlottenburg schwer verletzt worden, als sich vor ihr plötzlich eine Autotür öffnete. Laut Polizei fuhr die 35-jährige Radlerin rechtsseitig auf der Busspur des Kurfürstendamms, als eine Autotür plötzlich von rechts geöffnet wurde.

Schwere Radfahr-Unfälle durch aufgerissene Autotüren häufen sich

Durch den Zusammenstoß stürzte die Frau mit ihrem Fahrrad und erlitt dabei Verletzungen an der Hüfte und am Hinterkopf. Eine 58-jährige Passantin alarmierte Rettungskräfte, welche die Schwerverletze zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus brachten. Was machte der Unfallfahrer währenddessen? Statt zu helfen, schlich sich der Unbekannte nach der Kollision vom Unfallort davon!

Während der Rettungsmaßnahmen und der Unfallaufnahme war die Fahrbahn des Kurfürstendamms auf Höhe Wielandstraße in Richtung Tauentzienstraße stundenlang komplett für den Verkehr gesperrt. Auch die Buslinien waren betroffen.

Erst am Tag zuvor bei einem ähnlichen Vorfall in Berlin-Schmargendorf eine Radfahrerin schwer verletzt worden: Der Fahrer eines Transporters hatte die Tür seines Fahrzeugs aufgerissen. Die 62-Jährige wurde ebenfalls schwer verletzt.

„Holländischer Griff“: Einfache Routine verhindert schwere Radfahr-Unfälle

Dabei wären Unfälle dieser Art mit einem einfachen Routinegriff leicht zu vermeiden. Natürlich müssen auch Radfahrer auf mögliche Gefahren im Verkehr achten, aber bei aller Vorsicht können Radfahrende auch bei angemessener Geschwindigkeit nicht rechtzeitig erkennen und reagieren, wenn sich vor ihnen eine Autotür öffnet.

Wie also lassen sich solche Unfälle vermeiden? Es liegt an den Autofahrern beziehungsweise Beifahrern, die sich einen einfachen Routinegriff angewöhnen sollte. Dieser verhindert, dass Auto- oder Mitfahrer die Autotür unbedacht öffnen, während sich gerade ein Radler von hinten nähert. Er nennt sich „holländischer Griff“ (Dutch Reach). Statt mit der linken öffnet der Fahrer die Tür mit der rechten Hand – entsprechend der Bei- oder Mitfahrer auf der rechten Seite mit der linken Hand. Warum? Dadurch dreht sich der Oberkörper automatisch so, dass ein heranfahrender Radler ins Sichtfeld gerät, bevor Sie die Autotür öffnen.

Der Griff heißt übrigens nicht zufällig holländisch: In der Radfahr-Nation Niederlande gehört dieser Griff zur Standard-Ausbildung beim Führerschein-Erwerb. Auch hierzulande weisen viele Fahrlehrer die Nachwuchs-Autofahrer auf den Kniff hin. Doch wer den Schein schon lange hat, sollte sich den „holländischen Griff“ einprägen: Er kostet keine Mühe und verhindert vermeidbares Leid.