Zwei-Klassengesellschaft in der U-Bahn?  Dies sei nicht umsetzbar, heißt es bei der BVG.  dpa

Die Berliner Fahrgäste der Öffis sind mächtig sauer. Über den Vorschlag internationaler Verkehrsexperten, die in einer aktuellen Studie den Verkehrsunternehmen in der Hauptstadt raten, eine 1. Klasse in ihren Bahnen einzuführen. Wird es bald tatsächlich eine Zwei-Klassengesellschaft bei den Öffis geben? Jetzt meldet sich die BVG zu Wort.

Die Studie, die derzeit für viel Aufregung sorgt, wurde im  Auftrag des Weltwirtschaftsforums WEF (hat seinen Sitz in der Schweiz) erstellt. Darin meinen Verkehrsexperten aus Botson und St. Gallen, dass die S-Bahn und die BVG vor allem mit Erste-Klasse-Abteilen vor allem gutbetuchte Berliner aus den Randbezirken dazu bewegen könnten, statt mit dem eigenen Nobel-Auto nun in Bussen und Bahnen durch die Stadt zu fahren.

Natürlich müssten die Tickets teurer sein, schließlich erhielten die Premiumgäste ja auch eine Sitzplatzgarantie, so der Experten-Vorschlag. Im Gegenzug könnte man die Fahrscheinpreise für den „normalen“ Fahrgast senken.

Die BVG scheint von diesem Vorschlag nicht viel zu halten. Intern sei „dieses Thema schon in der Vergangenheit oft diskutiert worden“, sagt ein Sprecher dem KURIER. „Immer mit dem Ergebnis, dass eine 1. Klasse in der BVG weder sinnvoll noch umsetzbar wäre.“

„Eine 1. Klasse bei der BVG ist weder sinnvoll noch umsetzbar“

Dafür gibt es einige Gründe. „Abgesehen vom sozialen Aspekt tut man auch der Umwelt keinen Gefallen, wenn man in allen Fahrzeugen eine 1. Klasse implementiert und diese dann größtenteils leer durch die Gegend fährt, um den Inhabern des teureren Tickets stets einen Sitzplatz garantieren zu können“, sagt der BVG-Sprecher.

Ähnlich sehen es auch die Berliner, die auf Grund des KURIER-Berichtes heftig auf Facebook über die 1. Klasse in den Öffis diskutiert. Man wolle keine Spaltung der Gesellschaft, heißt es da. Außerdem wäre es wichtiger, wenn die Züge nicht so oft ausfallen und häufiger kommen würden.

Ähnlich sieht es auch der Fahrgastverband Igeb, der eine 1. Klasse in S- und U-Bahnen ablehnt.  „Der Berliner Nahverkehr braucht keine 1. Klasse sondern ein gut funktionierendes und bezahlbares Streckennetz für alle“, sagt Verbandssprecher Jens Wieseke. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), in dem die Berliner S-Bahn-GmbH und die BVG Mitglied sind, wolle sich dagegen den Vorschlag der Studienautoren ansehen und schauen, „wie realistisch“ er sei. Kurzfristig werde man allerdings am bestehendem System nichts ändern.