Die Ringbahn S41 fährt heute gar nicht. Fabian Sommer/dpa

Der bundesweite Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn hat am Mittwochmorgen für zahlreiche Zugausfälle und -verspätungen in Berlin und Brandenburg gesorgt. Der Ausstand im Personenverkehr habe in der Nacht begonnen, bestätigte Matthias Waha, Regionaler Bahnsprecher für Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern.

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Insbesondere der S-Bahn-Verkehr in Berlin und der Regionalverkehr zwischen Berlin und Brandenburg ist von dem Streik betroffen, wie die S-Bahn Berlin und die Deutsche Bahn online mitteilten. Demnach werden die S1, S2, S25, S3, S46, S5, S7, S85 und S9 aktuell im 20-Minutentakt fahren. Die S7 und S8 sollen im 40-Minutentakt fahren. Gar nicht verkehren sollen die S26, die Ringbahnen S41 und S42, die S45, S47 und die S75.

Streik trifft Berliner und Brandenburger besonders hart

Auch im Regionalverkehr zwischen Berlin und Brandenburg ist mit Einschränkungen zu rechnen. Auf den Linien RE1, RE3, RE5, RE6, RE7, RE10, RE15, RE18, RB11 und RB43 wird Ersatzverkehr mit Zügen und Bussen angeboten. Auf den Linien FEX, RB10/14, RB13, RB20, RB21, RB22, RB23, RB24, RB31, RB49, RB55 und RE/RB66 wird kein Ersatzverkehr angeboten.

Bahn-Streik trifft die Berliner – KURIER berichtet live

Norbert Koch-Klaucke/ Berliner KURIER
Kurz nach 8.20 Uhr:

Die Bahnsteige auf dem Bahnhof Wannsee werden voller. Es hat sich herumgesprochen, dass die S1 im 20-Minuten-Takt fährt. Auch die Abteile sind voller als an normalen Werktagen. Denn die S1 startet wegen des Streiks nicht wie sonst von Wannsee, sondern bereits in Potsdam. Daher sitzen schon viele Pendler im Zug. So mancher Berliner ist dennoch irritiert. Heike S. (40) aus Wannsee schaut ganz verzweifelt, wo die S7 Richtung Zoo abfährt, die aber wegen des Streikes nicht im Einsatz ist. „Ich dachte, alle S-Bahn-Linien würden fahren“, sagt die Angestellte die zum Kurfürstendamm muss. Die Solidarität der anderen S-Bahn-Nutzer hilft ihr weiter. „Einfach mit der S 1 nach Steglitz und dann mit der U-Bahn weiter“, sagt ein Mann. Oder mit dem Bus, die am Vorplatz des Bahnhofs Wannsee nun auch voller werden.

7.36 Uhr: Einige sind vom Streik der Bahn überrascht

So einige Berliner wurden doch von dem Streik überrascht, wie hier am S-Bahnhof Wannsee, schauten ungläubig auf die Anzeigetafeln. Andere sagten, sie seien nun früher unterwegs, um rechtzeitig etwa im Büro nach Mitte zu kommen. Man habe ja vielleicht sogar Verständnis für den Streik, aber die Ankündigung war zu kurzfristig.

Norbert Koch-Klaucke/ Berliner KURIER
6.52 Uhr: Die Lage am S-Bahnhof Wannsee ist entspannt

Es sind wenige Fahrgäste auf den Bahnsteigen. Imme wieder erfolgen Durchsagen, oder es steht an den Anzeigetafeln, dass die GDL streikt. Dennoch fährt von Wannsee die S-Bahn Richtung Oranienburg. 

Die Stimmung unter den wenigen Fahrgästen, die mit der S-Bahn Richtung Berlin wollen ist größtenteils gelassen. Einige Pendler aus Potsdam sind früher aufgestanden, fahren mit der S1 Richtung nach zum S-Bahnhof Steglitz , um dort mit der U-Bahn ans Ziel zu kommen.

Viele S-Bahnen fahren heute nicht regulär, manche sogar gar nicht. imago images/Rüdiger Wölk

Bahn streikt schon seit gestern den Güterverkehr

Schon seit Dienstagabend bestreikt die Gewerkschaft den Güterverkehr. Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder. Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen in Folge der Streiks möglich.

Bundesweit hat die Deutsche Bahn 75 Prozent ihrer Fernzüge gestrichen. Am Dienstag hatte die GDL angekündigt, den Fern- und Regionalverkehr ab Mittwoch, 2.00 Uhr, für 48 Stunden bundesweit zu bestreiken.

Die GDL-Mitglieder streiken offiziell für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Unter anderem verlangen sie eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen. Die Bahn will die Erhöhung nach den Corona-Verlusten über eine längere Zeit strecken. Dahinter schwelt in der Belegschaft ein Streit zwischen GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt.