Je nach Tageszeit und Wetter kann man die Friedrichstraße als traurige Einöde oder belebten Wohlfühlort fotografieren. Für Verdruss bei Fußgängern sorgt häufig die Radler-Piste in der Mitte der Fahrbahn. Gerd Engelsmann

500 Meter Straße nehmen die Aufmerksamkeit des Senats schwer in Beschlag: Die „autofreie Friedrichstraße“. Jetzt versprach Umwelt- und Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) einen Neustart für das umstrittene Projekt. Ein entsprechendes Konzept, das auch angrenzende Straßen und den Gendarmenmarkt umfasse, sei „in der Finalisierung“ und werde im April vorgestellt. Ob das dann der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) passt, ist ungewiss.

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Die sagte „So, wie es jetzt auf der Friedrichstraße ist, kann es nicht bleiben. Es ist erforderlich, ein neues Konzept zu machen, und es ist auch erforderlich, mit denen, die dort sind, darüber zu sprechen.“ Darin sei sie sich mit Jarasch einig. Dem Radiosender 105‘5 Spreeradio sagte Giffey, sie höre von den Geschäftsleuten in der Straße, dass sie weniger Kunden hätten. Die Straße müsse so gestaltet werden, dass sie „ansehnlich ist, ein lebenswerter Ort ist und dass Menschen dort angezogen werden.“

Keine Einigkeit mit Jarasch dürfte es dafür geben, dass Giffey nicht ausschließt, wieder Autos durch das im August 2020 gesperrte Teilstück zwischen Leipziger und Französischer Straße fahren zu lassen: „Ob dann dort Autos fahren oder nicht – das muss man besprechen.“ So, wie es im Moment aussehe, mit den verschiedenen Aufbauten und dem Radweg in der Mitte, sei es jedenfalls nicht optimal.

Der Verkehrsversuch zur „Flaniermeile Friedrichstraße“  wird immer wieder heftig diskutiert. Jarasch wies darauf hin, dass er auch Thema im Wahlkampf 2021 gewesen sei. „Wir haben damals schon versprochen, und das lösen wir jetzt ein, dass wir noch mal ordentlich auswerten, wie der Verkehrsversuch gelaufen ist, wie er sich ausgewirkt hat“, sagte sie. „Und dass wir ein Konzept für den größeren Raum entwickeln.“

Die von den Grünen geführte Senatsverkehrsverwaltung und der Bezirk Mitte hatten das Projekt noch 2021 als Erfolg gewertet, die Rede war von einer dauerhaften Sperrung für Autos. Im Februar hatte Jarasch gesagt, sie könne sich auch eine Sperrung des Autoverkehrs in weiteren großen Einkaufsstraßen vorstellen. Als Beispiele nannte sie Hackescher Markt und Tauentzienstraße.