Berlin-Mitte

Anwohner wehren sich gegen autofreie Zone in der Singerstraße

Mitten in ihrem Kiez dürfen plötzlich keine Autos mehr durchfahren! Die Anwohner der Singerstraße sind so genervt, dass sie sich jetzt einen Anwalt genommen haben.

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Schüler werden vor der GutsMuths-Grundschule in der Singerstraße abgesetzt.
Schüler werden vor der GutsMuths-Grundschule in der Singerstraße abgesetzt.Volkmar Otto

Zwischen der Jannowitzbrücke und dem Strausberger Platz liegt die Singerstraße – ein ruhiger Kiez in Berlin-Mitte mit vielen Wohnhäusern, ein paar Schulen und einer frisch sanierten Plansche. Dort sorgt ein Beschluss des Bezirksamts jetzt für Aufregung: Autos dürfen den Abschnitt zwischen Lichtenberger und Ifflandstraße plötzlich nicht mehr befahren.

Teilsperrung zugunsten der Schüler der GutsMuths-Schule

Das Bezirksamt hat Mitte Juli eine Allgemeinverfügung mit sofortiger Wirkung erlassen: Stolze 300 Meter der Singerstraße sind nur noch für Fußgänger, Radfahrer und Einsatzfahrzeuge befahrbar. Autofahrer – auch die Anwohner unter ihnen – müssen künftig einen Umweg nehmen. Und man kann es sich schon fast denken: Die Parkplätze in dem gesperrten Bereich fallen ebenfalls weg. Doch was steckt hinter der Aktion? Die Begründung des Bezirks: Es soll eine sichere Schulzone entstehen.

Geschützt werden sollen die Schüler der GutsMuths-Schule – eine öffentliche Grundschule, die direkt an der Singerstraße liegt. Der autofreie Bereich vor dem Eingang der Bildungseinrichtung soll für einen sichereren Schulweg sorgen.

Die Schüler der GutsMuths-Schule in Mitte haben einen sichereren Schulweg bekommen.
Die Schüler der GutsMuths-Schule in Mitte haben einen sichereren Schulweg bekommen.Lars Penning/dpa

Betroffene Anwohner wehren sich mit Anwalt

Die Nachbarn im Kiez fühlen sich von dem Beschluss überfallen. Die 81-jährige Katrin T. ärgert sich gegenüber B.Z.: „Wir haben überall Radwege und trotzdem rasen die Radfahrer immer über die Gehwege! Hier im Kiez gibt es schon jetzt nicht genug Parkplätze, das wird durch die Sperrung nicht besser.“ Auch Klaus K. ist stinksauer: „Ich finde diesen Plan unmöglich! Hier gilt doch bereits Tempo 30, fahren stets alle vorsichtig. Warum dann noch eine Radstraße? Berlin versinkt bald komplett im Stau!“

Tatsächlich sind zehn Menschen so genervt von dem Hauruck-Beschluss, dass sie sich einen Anwalt genommen haben: Marcel Templin ist in der Hauptstadt schon gegen die Fußgängerzone in der Friedrichstraße vorgegangen und will auch im Fall Singerstraße helfen. Der Anwalt hat für seine Mandanten Widerspruch gegen die Teilsperrung eingelegt. Er plane, notfalls noch vor September vors Verwaltungsgericht zu ziehen.

Das Bezirksamt reagierte bereits mit einer Einladung zu einem offenen Gespräch zum Thema autofreie Singerstraße am 28. August. Doch der Anwalt sieht hier nur eine leere Geste: „Verwaltungstechnisch ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Denn eine sogenannte Teileinziehung – wie damals bei der Friedrichstraße – soll im September erfolgen.“

Mal sehen, ob Klaus, Katrin und Co. ihre Straße am Ende zurückbekommen oder ob doch die Sicherheit der Grundschüler überwiegt.