Der 500 Meter lange Abschnitt der Friedrichstraße gehört ab Montag den Fußgängern.  So soll es im Frühjahr aussehen, wenn Begrünung und Sitzmöbel aufgestellt sind. 
Der 500 Meter lange Abschnitt der Friedrichstraße gehört ab Montag den Fußgängern.  So soll es im Frühjahr aussehen, wenn Begrünung und Sitzmöbel aufgestellt sind.  Sen Um 

Der Ärger ist programmiert. Denn wie immer gilt: des einen Freud, des anderen Leid! Und für Autofahrer, die in der Innenstadt unterwegs sind, gibt es ab Montag gravierende Einschränkungen. Einschränkungen, die kommen werden, um zu bleiben. Denn am Montag ist die Friedrichstraße komplett dicht.

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Sie ist eine der bekanntesten deutschen Einkaufsstraßen. Und doch sorgt die Berliner Friedrichstraße seit Jahren für Ärger. Zu unattraktiv sei sie für Fußgänger und Menschen, die gemütlich auf ihr entlangschlendern wollen.

Schon ab August 2020 wurde sie deshalb zunächst für einen Verkehrsversuch für Autos gesperrt – auf dem Abschnitt zwischen der Französischen und der Leipziger Straße, rund 500 Meter lang.

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Friedrichstraße erst seit 70 Tagen wieder frei für Autos

Allerdings blieb der erhoffte Aufschwung für die Einkaufsstraße – die zeitweise sogar dem Kudamm den Rang ablief, dann aber zunehmend Probleme bekam – aus. Der Verkehrsversuch endete also im Oktober 2021.

Weil die Sperrung aber aufrechterhalten wurde, klagte eine Weinhändlerin mit Geschäft in der parallel verlaufenden Charlottenstraße erfolgreich gegen die Maßnahme. Das Verwaltungsgericht befand in seiner Urteilsbegründung damals, dass für die Sperrung eine Rechtsgrundlage in der Straßenverkehrsordnung fehle. Behörden könnten die Benutzung bestimmter Strecken für mehr Verkehrssicherheit beschränken oder verbieten, nicht aber für mehr Aufenthaltsqualität.

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Nun gibt es ihn also, den Plan B. Eine Umwidmung soll möglich machen, was vor 70 Tagen beendet wurde – eine autofreie Friedrichstraße. Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) lud am späten Dienstagnachmittag kurzfristig für Mittwoch, 9 Uhr, zu einer Pressekonferenz zum Thema Friedrichstraße ein.

Blick auf die Friedrichstraße: Sie soll am Montag für Autos wieder dicht sein.
Blick auf die Friedrichstraße: Sie soll am Montag für Autos wieder dicht sein. Soeren Stache/dpa

„Die im November vorigen Jahres angekündigte Umwidmung des Teilabschnitts der Friedrichstraße (von der Französischen bis zur Leipziger Straße) in eine Fußgängerzone wird sehr zeitnah realisiert“, hieß es in der Einladung. „Die Veröffentlichung im Amtsblatt steht bevor und wird kurz darauf wirksam.“

Die Bänke und Blumenkübel können also wieder bereitgestellt werden: Im zweiten Versuch soll die Berliner Friedrichstraße nun auch dauerhaft einen autofreien Abschnitt bekommen. Über eben eine Umwidmung zur Fußgängerzone.

Kritiker der Pläne kämpfen für Friedrichstraße mit Autoverkehr

Dass das nicht jeder einfach so hinnimmt, ist klar. Die Kritik prasselt jetzt schon auf Bettina Jarasch ein. Der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, Robert Rückel, sprach am Dienstagabend von Aktionismus, der das Gegenteil von durchdachter, strategischer Verkehrspolitik sei. „Im Streit um die Zukunft der Friedrichstraße ist mit dieser mit den Gewerbetreibenden vor Ort nicht abgestimmten Volte ein neuer Tiefpunkt erreicht“, teilte er mit. „Die Friedrichstraße und die umliegenden Straßen brauchen eine langfristige Perspektive – und die lässt sich nur gemeinsam mit allen Beteiligten erarbeiten.“

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Scharfe Kritik an der geplanten Umwidmung ab Montag kam auch von Sebastian Czaja, FDP-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus: Er bezeichnete das Vorgehen Jaraschs als „nächste Sauerei“ gegen „alle Widerstände und gegen die Interessen der Menschen vor Ort“. Jarasch dürfe mit solcher Politik „gegen die Menschen in unserer Stadt“ nicht Regierende Bürgermeisterin werden. Der FDP-Politiker gehört zu den größten Verfechtern einer Friedrichstraße mit Autoverkehr.

CDU-Landeschef Kai Wegner twitterte: „Mobilitätswende geht anders.“ Die Menschen in Berlin hätten am 12. Februar (bei der Wahl) die Möglichkeit, „den Grünen-Verkehrswahnsinn abzuwählen“. Die AfD-Landesvorsitzende Kristin Brinker kritisierte, dass Jarasch sich für die Schäden und „massiven Proteste der Geschäftsanlieger“ nicht interessiere.