Unterwegs in Berlin: eine Tatra-Straßenbahn der Linie M5 in Hohenschönhausen. imago

Nicht mehr lange, dann geht eine Ära zu Ende. Im Mai fahren zum letzten Mal Tatra-Straßenbahnen durch Berlin, um Fahrgäste zu befördern. Das teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Montag mit. Nach Informationen des KURIER soll es sogar schon am Freitag soweit sein. Dann verschwinden die Bahnen, die nach dem höchsten Gebirge der damaligen Tschechoslowakei benannt sind, nach 45 Jahren aus dem Berliner Stadtbild.

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Ursprünglich sollte das Ende schon am 12. Februar kommen. Geplant war, dass am Abend zum letzten Mal eine Tatra-Bahn nach einer regulären Schicht in den Betriebshof Marzahn einrückt – ohne Schmuck und Beschriftung. In Corona-Zeiten sollten möglichst wenig Fans angelockt werden. Doch der Senat bat die BVG, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, damit Fahrgäste während der Pandemie gut Abstand halten können. Dazu würde es nicht passen, die 20 für den Fahrgastbetrieb verbliebenen Tatra-Wagen jetzt schon auszumustern. Und so gab das Landesunternehmen dem rüstigen Fahrzeugtyp eine Gnadenfrist.

Auch die einzige Berliner Partytram steht zum Verkauf

Nun gehen die Einsätze aber zu Ende. „Am 7. Mai sind zum letzten Mal Tatra-Bahnen unterwegs“, sagte ein Straßenbahner. Die letzte Schicht beginnt gegen 13 Uhr. Auf zwei Linien, die an der Landsberger Allee/Petersburger Straße in Friedrichshain beginnen, verkehren jeweils vier Züge á zwei Wagen – insgesamt also 16 Wagen. Es handelt sich um die M6E zum S-Bahnhof Marzahn und die M8E nach Ahrensfelde. „Am Freitag um 20.52 Uhr soll der letzte Zug im Betriebshof Marzahn eintreffen“, so der Straßenbahner.

Ursprünglich sollte es an der Wendeschleife neben dem Sport- und Erholungszentrum (SEZ) einen kurzen Fototermin geben. Dabei sollte auch ein historischer Zug zu sehen sein, stilecht mit der Liniennummer 75. Auf dieser Strecke, die damals vom Betriebshof Weißensee zum Hackeschen Markt führte, begann am 11. September 1976 der Tatra-Fahrgastbetrieb in Berlin. Doch in der BVG-Chefetage will man kein Foto-Event. In Coronazeiten sollten Ansammlungen vermieden werden. „Schade“, heißt es in der Szene.

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Der erste Tatra-Wagen wurde am 28. März 1976 nach Berlin geliefert. Nach und nach trafen insgesamt 764 Fahrzeuge ein. Im Vergleich zu den betagten Straßenbahnen, die im Osten der Stadt damals das Bild bestimmten, waren die aus Prag importierten Wagen ein Quantensprung in puncto Technik und Komfort.

Der älteste Tatra-Zug, der am Freitag mit Fahrgästen durch Berlin rollen wird, ist 1984 an die Berliner Verkehrsbetriebe (damals BVB) übergeben worden. Die gesamte 20-Wagen-Restflotte des Typs KT4D steht zum Verkauf, teilte die BVG mit. Das gilt auch für die silbergraue „Berlin Fahrbar“, eine zur Party-Tram umgebaute Tatra-Bahn, die nicht mehr betrieben wird. Sechs ältere Wagen, die vom Denkmalpflege-Verein Nahverkehr betreut werden, und ein Arbeitsfahrzeug bleiben in Berlin.

Dem Vernehmen nach geht die nächste Lieferung gebrauchter Tatras nach Saporischschja in der südlichen Ukraine. Dort werden die Bahnen als sonnengelbe Berliner Botschafter unterwegs sein.